Forderung: Bund soll nur noch Werbung für Label-Fleisch unterstützen

In der Werbung für Schweizer Fleisch werden idyllische Zustände gezeigt – die Realität sieht aber oft anders aus. Der Schweizer Tierschutz (STS) fordert nun, dass der Bund nur noch Werbung für Label-Fleisch finanzieren soll.

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Die strengsten Schweizer Tierprodukt-Label – etwa KAG Freiland – haben einen schweren Stand. Eigentlich bieten sie das, was sich viele Konsumenten unter einer wünschenswerten Tierhaltung und Fleischproduktion vorstellen: Weidehaltung, Mutterkuhhaltung, Gras als Futter, stressfreie Transporte zum Schlachthof ohne industrielle «Abfertigung». Laut Schweizer Tierschutz (STS) gehört KAG Freiland beispielsweise zu den besten Zertifikaten für Tierhaltung überhaupt.

Wie der SonntagsBlick in der aktuellen Ausgabe schreibt, haben dennoch viele Betriebe, die entsprechend der hohen, Tierschutz-orientierten Richtlinien produzieren, mit Absatzproblemen zu kämpfen: Der Absatz von Label-Fleisch stagniert in der Schweiz, teilweise ist er sogar rückläufig.

 

Hohe Margen, verherrlichende Werbung

Dafür gibt es laut STS zwei Gründe: Einerseits streichen sich die Detailhändler auf Labelfleisch hohe Margen ein. Hohe Preise für die Konsumenten, wenig Ertrag für die Produzenten. Andererseits wird die Werbung dafür verantwortlich gemacht. Geworben würde mit Vorzeige- oder gar Label-Höfen, obwohl in der Realität längst nicht alle Betriebe nach diesen Standards produzierten. Es sind Schweine zu sehen, die auf Stroh schlafen dürfen – in der konventionellen Haltung, welche die Werbung des Fleischverbandes Proviande vor allem bewirbt, fordert das Gesetz lediglich eine Betonunterlage.

 

 

Dieses Bild einer idyllischen Schweizer Fleischproduktion stösst dem STS sauer auf. «Mit der Werbung wird den Konsumierenden vorgegaukelt, dass auch das konventionelle Niveau tierfreundlich ist», kritisiert Stefan Flückiger, STS-Geschäftsführer Agrarpolitik, im SonntagsBlick. Dies sei nicht der Fall, denn die gesetzlichen Mindestanforderungen seien oft nicht tiergerecht – weder Einstreu noch Auslauf seien obligatorisch. Zudem fehlten Strukturen, in denen die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben könnten.

Das findet auch Bio-Bauer Stefan Schürmann, der nach KAG-Richtlinien produziert: «Man zeigt in der Werbung eine Label-Tierhaltung, um auch den Verkauf von Massenware zu fördern.»

 

Proviande kämpft vor allem gegen den Fleischimport

5,7 Millionen Franken pro Jahr zahlt der Bund jährlich an Proviande für die Förderung des Fleischabsatzes. Ziel ist es, die einheimischen gegenüber den importierten Produkten zu positionieren. Gegenüber dem SonntagsBlick erklärt Proviande, man wolle die hierzulande im Vergleich zum Ausland viel bessere Tierhaltung hervorheben – und gesteht ein: «Zugegeben, auch in der Schweiz ist nicht alles perfekt.» Für eine noch bessere Tierhaltung sorgten freiwillige Tierwohlprogramme sowie die besagten Label.

 

Nur noch fördern, was dem Tierwohl dient

Geht es nach dem Schweizer Tierschutz, soll sich nun ändern, dass bei der Förderung alles Schweizer Fleisch in denselben Topf geworfen wird. Der STS fordert, dass die Absatzförderung des Bundes in Zukunft nur noch für Labelprodukte mit strengeren Vorschriften bezüglich Tier- und Naturschutz erfolgt. Laut Flückiger sei der Bund nämlich verpflichtet, eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Rückenwind bekommt das Anliegen beispielsweise von der SP-Nationalrätin Martina Munz – sie fordert mit einer Motion, dass der Bund nur noch Werbung für Fleisch unterstützt, das mit einem höheren Standard nach den Tierwohlprogrammen des Bundes produziert wurde.

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