Post-Corona: «Wir sind bereits in der Planung des Aufwärtstrends»

Coople, das Portal für flexible Arbeit, ist durch Corona betroffen. Viktor Calabrò, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Coople Schweiz erklärt, wie sich Coople für die Zeit danach rüstet.

Viktor-Calabrò

Expodata: Wie sieht ein Corona-Tag im Leben von Viktor Calabrò und von Coople im Gegensatz zu einem früheren Tag aus?

Viktor Calabrò: Ich muss sagen, dass da einiges passiert ist. Wir haben intern bis auf weiteres alle Reisen unseres Personals in Amsterdam, Lausanne, London, Mink und Zürich gestrichen. Das hat einen grossen Einfluss auf meine eigene Arbeitstätigkeit, ich bin viel unterwegs. Trotzdem haben wir viel zu tun, denn jetzt geht es darum, das ganze Personalmanagement zu kalibrieren.

Gewisse Kunden haben im Moment weniger Bedarf von uns, andere mehr. Supermärkte werden überrannt, sie brauchen jetzt mehr oder flexibleres Personal. Oder Call Center, die unmittelbaren Bedarf haben, sind zum Beispiel Bundesinformationsstellen, Krankenkassen, aber auch der Detailhandel, für den wir Personal stellen, ist entweder am auf- oder abrüsten.

 

Wird Corona sich je wieder einpendeln und ein Geschäften, wie wir das gewohnt waren, ermöglichen?

Das hängt davon ab, wie lange die Coronakrise jetzt anhält. Bleibt sie auf eine relativ kurze Zeit beschränkt? Dann wird man schnell wieder zum Alltag zurückkehren und die negativen Seiten des Schocks vielleicht wieder verdrängen. Wenn er länger anhält, sagen wir drei oder mehr Monate, muss man mit anhaltenden Veränderungen rechnen. Firmen werden verschwinden, die Sieger werden Technologie neu betrachten und Konsequenzen ziehen, welchen Handlungsspielraum man in einer solchen Situation trotz allem hat.

Auch wir werden uns dem Thema annehmen, wie wir in Zukunft rascher reagieren können auf Situationen, die nicht vorgesehen waren. In irgendeiner Form wird Normalität wieder zurückkehren, aber es wird vielleicht nicht mehr die gleiche Normalität sein wie vor Corona.

 

Wie hat Coople auf Corona reagiert und wie lassen sich für Coople und die Live Kommunikationsbranche Chancen generieren?

Unsere Reaktion bestand darin, Vorsicht, aber keine Panik aufkommen lassen, Panik bringt niemandem etwas. Wir starteten mit guten kommunikativen Aktionen mit Behörden, Kunden, Mitarbeitern, und begleiteten sie Schritt um Schritt in diesem neuen Prozess und zeigten ihnen die Konsequenzen auf. Zweitens gehört es zu unserem Kerngeschäft, dort Support zu erbringen, wo Risiken bestehen. Langfristig sehen wir für die Live Kommunikationsbranche eine grosse Chance, jetzt zu lernen, umzudenken und das Geschäftsmodell auf neue Säulen zu stellen.

Ich denke, dass ein Impact wie der Jetzige aufzeigt, dass es stets darum geht, eine gewisse Grundflexibilität zu behalten, auch damit einem eine Krise nicht zum Verhängnis werden kann. Chancen werden auch generiert, indem verdrängte Themen wie Umweltschutz oder andere wieder in den Vordergrund rücken. In der Live Kommunikation auf Messen und Events werden jetzt auch wieder digitale Technologien in den Vordergrund rücken, mit denen man sich vorher zu wenig beschäftigte. Solche Themen beschleunigen Veränderung und können mithelfen, dass wir in Zukunft neu und besser aufgestellt sind. Häufig ist es doch so: wenn es eng wird, beschleunigt das die Innovationskraft der Wirtschaft.

 

Welche Botschaft haben Sie an die Live Kommunikationsbranche?

Grundsätzlich sind wir für die Live Kommunikationswirtschaft da, egal ob ihr Bedarf nach oben oder nach unten geht. Wir konnten für unsere Kunden Modelle ausarbeiten, wie man in der jetzigen Situation nach unten skaliert. Aber wir haben natürlich auch Modelle, wie man nach der Corona-Situation wieder vorankommt durch «upscaling». Dann muss man bereit sein und die Zeit nach Corona wird die Spreu vom Weizen trennen, von Unternehmen, die weiter machen, als ob nichts gewesen wäre und von jenen, die bereit sind für einen Schritt vorwärts. Coople ist bereits wieder in der Planung des Aufwärtstrends. Es ist wie im Sport: man hat immer wieder die Chance, ein Rennen neu zu starten und kann dann vielleicht Plätze gutmachen.

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