«Keine Medien-App überzeugt vollkommen»
MEDIEN-APPS Mobile-Experte Reto Grob von Netcetera über die Anforderungen an eine gute Medien-App und wieso bei den Schweizer Apps noch Nachholbedarf besteht.

Reto Grob, Principal Software Architect Necetera AG und Vorstandsmitglied Smama.In einer Online-Befragung von MK zeigte sich, dass eine einfache Benutzerführung das wichtigste Qualitätskriterium einer App ist. Am besten Bewertet wurde die App von Watson. Im Interview spricht Mobile-Experte Reto Grob über die Qualität und Herausforderungen Schweizer Medien-Apps.MK Wie wichtig ist es heute für Schweizer Medien, eine gute App zu haben?RETO GROB Die Präsenz auf dem Mobiltelefon ist enorm wichtig, weil es der bedeutendste Kanal für die meisten Medienhäuser ist. Unabhängige Auswertungen zeigen, dass die Internetnutzung via Mobiltelefon mittlerweile die Nutzung via Desktop überholt hat. Dementsprechend wichtig ist eine attraktive App.MK Was zeichnet eine gute Medien-App aus?GROB Als Basisfunktionalität muss eine App die Inhalte sehr schnell, in guter Qualität und fehlerfrei anzeigen. Noch ist das nicht überall der Fall. Die Nutzer wollen speziell auf dem Mobiltelefon nicht warten – sie sind ungeduldig und springen sonst wieder ab. Werbung darf nicht stören, der Text soll angenehm zu lesen sein, auch bei schlechten Verbindungen soll die App nutzbar bleiben. Zusätzlich soll die App aber auch begeistern mit guten Inhalten und ein klares Zielpublikum haben.MK Was sind die grössten Herausforderungen bei der Entwicklung einer Medien-App?GROB In der digitalen Strategie wird eine mobile App oft noch als Anhängsel betrachtet und relativ wenig Budget dafür gesprochen – obwohl es der meistgenutzte Kanal ist. Die grösste Herausforderung besteht darin, das Medienunternehmen und die IT-Systeme ganzheitlich auf diesen Kanal auszurichten und ein überzeugendes Angebot zu offerieren.MK Welches Schweizer Medium hat die überzeugendste App und wieso?GROB Keine der mir bekannten Medien-Apps überzeugt vollkommen. Immer wieder stosse ich auf Punkte in den Apps, wo ich anstehe – sei es weil die Basisfunktionalität nicht funktioniert oder weil der Inhalt nicht genügt. Ich glaube jedoch, dass sich die Qualität der Apps in den nächsten ein bis zwei Jahren stark verbessern wird.MK Sind Apps in Zukunft überhaupt noch nötig, wenn man den Usern auch eine responsive Website anbieten kann?GROB Apps werden weiterhin notwendig sein, denn sie erlauben nach wie vor das beste Nutzererlebnis. Zudem sind medien-bezogene Apps sehr präsent – meist installiert sie ein Nutzer auf dem Hauptbildschirm. Das bedeutet nicht, dass man keine responsive Webseite benötigt – diese kann sehr nützlich sein, um neue Kunden zu gewinnen. Sobald man ein Medienseite öfters nützt, wird man den Komfort der App schätzen.Interview: Simon Wolanin______________Mehr über Schweizer Medien und Ihre Apps mit Stimmen von Ringer, Tamedia und NZZ lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Marketing & Kommunikation 05/2016. Jetzt abonnieren!______________
