«Die Schweiz ist für mehr als einen Mobile-Payment-Anbieter zu klein»
E-PAYMENT Mobile-Payment-Experte Tobias Wirth über die Marktchancen der einzelnen Lösungen und wieso internationale Anbieter im Vorteil sind.

Tobias Wirth ist Head Digital Products bei der Aduno Gruppe und Vorstandsmitglied bei der Swiss Mobile Association (smama).MK Wie schätzen Sie die aktuelle Situation im Mobile Payment auf dem Schweizer Markt ein?TOBIAS WIRTH In der aktuellen Transformationsphase des Zahlungsverkehrs versuchen verschiedene neue, aber auch etablierte Anbieter mPayment-Lösungen einzuführen. Primär gibt es zwei Lager. Die lokalen Anbieter und die internationalen Anbieter. Getrieben wird das Ganze durch die fortschreitende Digitalisierung wegen der starken Verbreitung von Smartphones und auch Wearable Devices.MK Der Markt ist hart umkämpft. Welche Lösungen werden sich am Schluss durchsetzen?WIRTH Meine Einschätzung ist, dass in der Schweiz sich ein lokaler Anbieter sowie zwei internationale Anbieter etablieren werden. Die Schweiz ist für mehr als einen lokalen Anbieter zu klein. Twint und Paymit müssen sich zusammentun, wenn sie als lokale Anbieter eine Chance gegen die grossen internationalen Anbieter haben wollen.MK Welche internationalen Anbieter haben die besten Chancen in der Schweiz?WIRTH Bezüglich der internationalen Anbieter wird die Entscheidung nicht in der Schweiz fallen, sondern in den grossen Märkten wie China und USA. Die globalen Anbieter, welche sich international durchsetzen, werden sich dann auch in der Schweiz durchsetzen.MK Können sich die Schweizer Lösungen überhaupt gegen die internationale Konkurrenz behaupten?WIRTH Der entscheidende Erfolgsfaktor, die so wichtige User Experience, liegt auf Seiten der internationalen Anbieter wie Apple und Samsung. Sie können eine mPayment-Lösung nahtlos in «ihre» Geräte integrieren. Sie sind ja auch die Hersteller der Hardware und teils Software. Diese Möglichkeiten haben Drittanbieter wie Twint und Paymit nicht. Sie können nur eine App entwickeln, welche auf diesen Geräten läuft. Mehr nicht. Dies ist auch der Grund, warum zum Beispiel Twint nicht auf den viel verbreiteteren Standard NFC, sondern auf Bluetooth setzen muss, denn Apple gibt diese Technologie in ihren Geräten aktuell Dritten nicht frei.Interview: Simon Wolanin
