Gehts Ringier wirklich ums Sparen?

Um zu sparen, steigt Ringier per Ende 2012 bei Presse TV aus. Bereits werden Zweifel laut: Möglicherweise emanzipiere sich der Konzern bloss von der SRG. So oder so – bereits überlegen sich andere Verlage, Ringiers Lücke beim Verlegerfernsehen zu füllen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Print-Ausgabe der Werbewoche.

Keine Frage, Ringier hatte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – im Inland haperte es vorab im Druckbereich, im Ausland schlug die Eurokrise negativ zu Buche. So gesehen erstaunt es nicht, dass der Medienkonzern letzte Woche verlautbarte, Ende Jahr beim Verlegerfernsehen Presse TV aussteigen zu wollen – nach 17 Jahren führender Mitarbeit. Dieser Rückzug geschehe, weil die für PTV produzierten Sendungen «cash TV», «Gesundheit Sprechstunde», «Motor Show» und «SonntagsBlick Standpunkte» «schon seit Längerem defizitär» seien und deshalb quersubventioniert werden mussten, hiess es in der Pressemitteilung. Für 35 Mitarbeitende ist die Zukunft offen. Und wo man auch nachfragte: In der Branche gab man sich überzeugt, dass es Ringier mies geht und dass der PTV-Ausstieg aus Spargründen erfolgt. Erstaunlich ist aber, dass Ringier selbst den PTV-Partnern die Kooperation sehr kurzfristig aufkündigte und es offenbar mit dem Ausstieg sehr eilig hat: Obwohl der Vertrag zwischen PTV und SRG Ende 2013 ausläuft, macht sich Ringier ein Jahr vor dem offiziellen Schluss aus dem Staub.

Ringier beendet Verträge mit der SRG

Das nährt Spekulationen. Am letzten Sonntag berichtete denn auch die Zeitung Sonntag, dass Ringiers Schweizer Illustrierte auch die Medienpartnerschaft bei der SF-Sendung «Glanz und Gloria» aufgekündigt hat. Gegenüber der Werbewoche hat dies Ringier-Sprecher Edi Estermann zwar korrigiert: Der Vertrag wurde nicht gekündigt, sondern er lief Ende April aus – die Kooperation habe beiden Seiten weniger gebracht als erhofft. Egal: Der Sonntag wertete den Austritt bei PTV und das Ende der Partnerschaft zwischen SI und «g & g» als Indiz dafür, dass Ringier sämtliche Verträge mit SRF kappt, um künftig juristisch völlig frei einen sprachregionalen TV-Konkurrenzsender zu SRF auf die Beine stellen zu können. Demnach wäre also nicht Sparen das Motiv von Ringier, sondern die Emanzipation von der SRG. Umso mehr, als Ringier schon lange mit SRF-Konkurrenten kooperiert: Der Konzern ist am Werbefenster von Sat.1 Schweiz beteiligt, und im letzten Jahr übernahm er die Vermarktung von TF1.

Doch die Sonntag-Mutmassungen gingen noch weiter: Ringier könnte bei dem vom 3+-Gründer Dominik Kaiser geplanten zweiten Kanal 4plus mit von der Partie sein. Davon aber will Kaiser nichts wissen. Gegenüber der Werbewoche aktualisierte er eine Aussage, die er schon früher mantraartig wiederholt hat: «Wir haben nie mit Ringier verhandelt und tun es im Moment auch nicht.» Er bestätigt jedoch sein Interesse an einem zweiten Sender. «Deshalb hatten wir für TeleZüri letzten Sommer ein Angebot gemacht.» Vergeblich zwar, den Zuschlag erhielt die AZ Medien. Zu diesem Thema gebe es deshalb nichts Neues, hielt Kaiser weiter fest. Und betreffend 4plus.tv sagte er nur so viel: Diesen Namen habe er bereits vor sechs Jahren – noch vor dem Start von 3+ – mit registriert.

Mehr Fernsehen bedingt mehr Geld

Zurück zu Ringier: Der Ausstieg beim sprachregionalen PTV steht in gewissem Widerspruch zur mehrfach geäusserten Absicht Ringiers, die Deutschschweizer TV-Aktivitäten auszubauen zu wollen und gar an einem (sprachregionalen) TVSender interessiert zu sein. Doch Estermann hält dem entgegen, dass «das Interesse an einem eigenen TV-Kanal und die Produktion von Formaten für ein Fenster auf den Kanälen von SF nicht in direktem Zusammenhang stehen.» Die Schliessung der für PTV produzierten Formate erfolge jedenfalls – wie vermeldet – aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Trotzdem stellt er klar: «Fernsehen bleibt für Ringier ein Thema von strategischer Bedeutung. »

Fragt sich nur, wie. Denn es würde mehr Investitionen bedingen und hätte zumindest zu Beginn grössere Defizite zur Folge als bei PTV. Das weiss man auch Ringier-intern. «Ich glaube nach wie vor, dass in der Schweiz ein sprachregionales Vollprogramm in Konkurrenz zur SRG nicht allein durch Werbung finanzierbar ist, es braucht auch Nischen und Kooperationen», sagt etwa Hans Jürg Deutsch, Geschäftsführer von PTV. Zudem weist der alte TVHase auch auf jene Faustregel hin, wonach ein Sender mindestens 5 Prozent Marktanteil erreichen muss, um break even arbeiten zu können. «Doch pro Prozentpunkt sind erst Investitionen von je 10 Millionen Franken nötig», mahnt Deutsch.

Deutsch bleibt bei PTV

Übrigens: Trotz Ringiers baldigem Austritt wurde Ringier-Mann Hans Jürg Deutsch von PTV mit der Geschäftsführung bis Ende 2013 beauftragt. Dafür liege auch das Einverständnis von Ringier-CEO Marc Walder vor, sagt Deutsch. Seine Aufgabe bestehe nun darin, mit der SRG eine Lösung für die ab 2013 wegfallenden Ringiersendungen zu finden. Ob danach eine Vertragsverlängerung mit der SRG angestrebt werde, müsse der PTV-Verwaltungsrat aber erst noch entscheiden. «Klar ist: So wie bisher geht es nicht mehr, PTV würde neue Sendeplätze und mehr Geld benötigen», sagt Deutsch. Auch eine Art Bonus für jene Sendungen, die mehr als die zuvor festgelegten Zuschauerzahlen erreichen, müsste man verbindlich ins Auge fassen.

Vorerst steht also nur Ringiers Austritt per Ende Jahr fest. «Juristisch ist die Kündigung völlig problemlos, Ringier hat alle vertraglichen Fristen eingehalten », konstatiert Wolfgang Frei, Leiter Neue Medien bei der NZZ und VR-Präsident bei PTV. Frei äussert Verständnis für Ringiers Sparkurs, zeigt sich aber befremdet, «dass Ringier gleich die Flinte ins Korn geworfen» habe und keine Gespräche über alternative Modelle stattgefunden hätten.

Auch Roland Wahrenberger, der Axel Springer Schweiz im PTV-Verwaltungsrat vertritt bedauert Ringiers Schritt sehr. Er verstehe zwar, dass Ringier seine TV-Aktivitäten im Rahmen eines Sparprogramms zurückfahre. «Aber dass sie gleich ganz aus PTV aussteigen, ist doch sehr schade.» Die verbliebenen Partner seien jedenfalls entschlossen, weiterzumachen. «Wir machen uns intensiv Gedanken, mit welchen Brands wir welche Formate zu vertretbaren Kosten produzieren könnten, um die verfügbaren Sendeplätze auszunützen.» Möglich sei auch, dass man neue Partner dazunehme.

Andere Verleger wittern eine Chance

Letzteres ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Jedenfalls zeigen sich mehrere von der Werbewoche angefragte Verlage an einer PTV-Mitgliedschaft vorsichtig interessiert. «Wir sind derzeit intern daran, diese Frage zu prüfen. Für eine konkrete Aussage ist es deshalb noch zu früh», beschied etwa Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien. Und Claudia Bossert, bei der AZ Medien Geschäftsführerin der TV-Senderfamilie TeleZüri, Tele M1 und TeleBärn, teilte mit: «Wir sind grundsätzlich offen für sinnvolle Kooperationen. Eine Anfrage für die Teilnahme am nationalen PTV haben wir bisher aber nicht erhalten. »

Auch für das Medienhaus Mengis im Wallis (Walliser Bote) ist eine Mitgliedschaft bei PTV nicht für völlig abwegig. «TV ist für Mengis bestimmt ein (Zukunfts-) Thema», schreibt Geschäftsführer Kurt Hasen. Man diskutiere immer wieder, ob man in diesem Bereich eine aktive Rolle übernehmen soll. «Hier erwarte ich vom VR noch im ersten Halbjahr 2012 eine strategische Stossrichtung.» Aus seiner Sicht würde ein Mitwirken bei PTV jedoch nur Sinn machen, wenn sich auch Wallis Tourismus, die Matterhorn- Gotthard-Bahn oder die Walliser Wirtschaftsverbände beteiligen würden. Eine solche Kooperation böte dem Wallis jedenfalls die «sehr gute Chance», sich in den Ballungszentren der deutschen Schweiz bekannter zu machen. Kein Interesse an PTV zeigte einzig Tamedia, das eben erst seine elektronischen Medien verkauft hat. Und keine Reaktionen waren von der Bieler Gassmann AG (Tele Bielingue) und der Tessiner Timedia (Tele Ticino) erhältlich. Markus Knöpfli

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Gehts Ringier wirklich ums Sparen?

Um zu sparen, steigt Ringier per Ende 2012 bei Presse TV aus. Bereits werden Zweifel laut: Möglicherweise emanzipiere sich der Konzern bloss von der SRG. So oder so – bereits überlegen sich andere Verlage, Ringiers Lücke beim Verlegerfernsehen zu füllen.

Keine Frage, Ringier hatte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – im Inland haperte es vorab im Druckbereich, im Ausland schlug die Eurokrise negativ zu Buche. So gesehen erstaunt es nicht, dass der Medienkonzern letzte Woche verlautbarte, Ende Jahr beim Verlegerfernsehen Presse TV aussteigen zu wollen – nach 17 Jahren führender Mitarbeit. Dieser Rückzug geschehe, weil die für PTV produzierten Sendungen «cash TV», «Gesundheit Sprechstunde», «Motor Show» und «SonntagsBlick Standpunkte» «schon seit Längerem defizitär» seien und deshalb quersubventioniert werden mussten, hiess es in der Pressemitteilung. Für 35 Mitarbeitende ist die Zukunft offen. Und wo man auch nachfragte: In der Branche gab man sich überzeugt, dass es Ringier mies geht und dass der PTV-Ausstieg aus Spargründen erfolgt. Erstaunlich ist aber, dass Ringier selbst den PTV-Partnern die Kooperation sehr kurzfristig aufkündigte und es offenbar mit dem Ausstieg sehr eilig hat: Obwohl der Vertrag zwischen PTV und SRG Ende 2013 ausläuft, macht sich Ringier ein Jahr vor dem offiziellen Schluss aus dem Staub.

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