Der Supertexter 

Rinaldo Dieziger will mit dem Portal Supertext.ch Schlagzeilen und redaktionelle Texte ähnlich wie Last-Minute-Reisen über das Internet verkaufen.

Rinaldo Dieziger will mit dem Portal Supertext.ch Schlagzeilen und redaktionelle Texte ähnlich wie Last-Minute-Reisen über das Internet verkaufen. 
 
Die Erfolgsgeschichte startet mit einem Aushilfsjob. Eben von einer Weltreise zurück, findet der Texter Rinaldo Dieziger die Werbebranche in einer sanften Rezession. Zwar hat er als Ehemaliger von Publicis oder SFLB und Absolvent der Kreaschule eine Option in einer führenden Top-Ten-Agentur. Aber auch dort will die Konjunktur noch ein paar Monate Pause machen. So folgt Dieziger der Einladung eines Kollegen vom St.Galler Institut für Jungunternehmen. An einer Messe soll er am Stand Infos rund um die Hilfe für Start-ups anbieten. Es war eine Woche lang Fun. Aber auch der Impuls für ein total anderes Leben. «An der Messe bin ich zum ersten Mal hautnah mit dieser Welt der Jungunternehmen in Kontakt gekommen», erinnert sich Dieziger. Und er war plötzlich gar nicht mehr so scharf auf die Option für seine Anstellung. Als Freelancer bringt er lieber zuerst die Texte der Website des Instituts für Jungunternehmen auf Vordermann. Dazu besucht er auch einen Workshop für Businesspläne – «weil ich wissen wollte, über was ich da eigentlich schreibe».
An diesem Workshop hat ihn «das Unternehmer-Virus» endgültig gepackt. «Das waren alles Typen, die vorwärts machen. Etwas Eigenes auf die Beine stellen.» In der Folge übte sich auch Dieziger in verschiedenen Projekten, bis er «irgendwann gesehen hat: Man muss bei dem bleiben, was man wirklich kann.» So ist vor zwei Jahren der erste Pool für Texter in der Schweiz entstanden, der seine Dienste per Internet organisiert und verkauft.
«Die Menschen lesen keine Werbung. Sie lesen, was sie interessiert. Und manchmal ist es ein Flyer», heisst es auf dem Flyer für Supertext. Im Innern kann man dann unter der Headline «Wir legen ein gutes Wort für Sie ein» lesen, dass Supertext Brieftexte, Online-Texte, PR-Texte und Werbetexte anbietet. «Lieferung innert 24 Stunden». Zur Auswahl für die Kunden stehen eine «Totalrevision» ab 199 Franken oder ein «Feintuning» ab 149. Agenturen, die kurz vor einem Pitch stehen und dringend noch ein paar zusätzliche Slogans brauchen, können über Supertext auch einen Ghostwriter buchen. Das Angebot «Solo» lässt einen der inzwischen 170 Texter von Supertext hirnen. «Trio» bedeutet, dass die Agentur ab 499 Franken auf die Vorschläge von drei verschiedenen Textern hoffen kann.
Die Idee hat es bei der «Start up»-Show am Schweizer Fernsehen im April dieses Jahres bis unter die besten 38 von über 1000 Jungunternehmen gebracht. «In die Endrunde sind wir leider nicht mehr gekommen», bedauert Dieziger. Einen Investor hat die Supertext AG trotzdem gefunden. «Texte sind stärker als Bilder», steht seither mit gutem Grund auf der Rückseite des Flyers von Supertext. Dort finden sich auch ein paar der ersten Referenzen wie zum Beispiel PostMail, Zeiss, Publiconnect, Oertli Company oder das Schweizer KMU-Portal eStarter.ch.
Supertext hat sein Zentrum des Netzwerkes in einem kleinen Büro im Zürcher Technopark. Neben dem Gründer und «Chef vom Ganzen», Rinaldo Dieziger, arbeitet auch sein Bruder Fabian Dieziger mit. Auf der Visitenkarte des Betriebswirtschafters steht «Chef vom Business». Der dritte im Team ist Rémy Blättler. Auf seiner Karte steht «Chef vom System». Der Computerspezialist lebt und arbeitet halbzeitig in New York. Er hätte zu Beginn eigentlich «nur» die Website von Supertext programmieren sollen. «Man redete von einem Job von zwei Wochen – aus dem nun zwei Jahre geworden sind.» Entsprechend raffiniert präsentiert sich seither das technische Konzept von Supertext.
Wer als Kunde einen Text neu gestalten oder auch nur optimieren will, muss auf der Website zuerst ein Dokument mit dem rohen Inhalt hochladen. Auf einer raffinierten Dropdown-Liste klickt der Kunde anschliessend sein präzises Briefing mit gewünschtem Stil, Zielpublikum und Terminvorgaben ins System. Der Auftrag wird automatisch analysiert, und innert Sekunden reagiert der Computer mit einer verbindlichen Offerte.
Supertext ist als Businessmodell vergleichbar mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis von Easyjet oder der Organisation von Maxiprint, der Druckerei, die per Internet freie Kapazitäten mobilisiert. «Das Internet hat die Reisebranche verändert. Wir wollen es in der Werbebranche gleich tun: Die klassischen Agenturen sind das persönliche Reisebüro, wir sind das Online-Reisebüro», meint Rinaldo Dieziger. Statt freie Hotelbetten werden einfach freie Texter gepoolt. Diese könnten dabei durchaus auch in einem Ferienland sein. «Einer arbeitet von einer griechischen Insel aus», weiss Dieziger. Ein wachsender Teil der heute 170 Freelancer wird auch in Deutschland angemailt. Alle Supertexter müssen sich dabei einer strengen Qualitätskontrolle unterziehen. Supertext arbeitet eng mit den Textern von Script zusammen, Rinaldo Dieziger ist in diesem Verband inzwischen auch schon für den Vorstand nominiert.
 
Und die Zukunft? «Mit dem gleichen System bauen wir den Service Richtung  Übersetzung/Adaption aus», denkt Dieziger laut . Und er verrät, dass Supertext demnächst in grössere Büros umziehen will.
   
Andreas Panzeri

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