Die Post holt den Brief aus der Schublade

Die Post engagiert sich für die Schreibkultur und den Brief als Kulturgut. Die Kampagne setzt nach eigenen Angaben auf Impulse statt Prompts, 16-mm-Film statt Festplatten und Schreibstuben statt Chaträume.

Stille Schreibmomente prägen den Kampagnenfilm der Post, gedreht mit natürlichem Licht. Quelle: zvg
Stille Schreibmomente prägen den Kampagnenfilm der Post, gedreht mit natürlichem Licht. Quelle: zvg

Die Post engagiert sich für die Schreibkultur und den Brief als Kulturgut. Die Kampagne läuft ab sofort und steht unter der Botschaft «Die Schweiz schreibt. Schreib mit.» Dafür setzt die Schweizerische Post nach eigenen Angaben auf Impulse statt Prompts, 16-mm-Film statt Festplatten und Schreibstuben statt Chaträume.

Der Brief soll laut Mitteilung wieder seinen Platz haben, «nicht als Retro-Trend», sondern weil es fast nichts Persönlicheres gebe, das man jemandem schicken könne. Wer einen Brief schreibe, müsse sich hinsetzen, nachdenken und mitunter von vorne anfangen.

Impulse statt Prompts

Die grösste Hürde beim Briefeschreiben sei selten der fehlende Stift oder die fehlende Zeit, heisst es in der Mitteilung. Eher stelle sich die Frage, wem man schreiben soll und was. Darauf antworten die drei Bewegt- und Still-Sujets: «Schreib einem Lieblingsmenschen, was du viel zu selten sagst», «Schreib deinem Grosi und erzähl von deinen Träumen» und «Schreib einer Freundin von früher und sag Hallo». Die Impulse sollen dazu einladen, die eigenen Gedanken zu Papier zu bringen.

Dreh auf 16 mm: Das Team filmt eine Schreibszene am Holztisch. Quelle: zvg
Dreh auf 16 mm: Das Team filmt eine Schreibszene am Holztisch. Quelle: zvg

Die Post richtet Schreibstuben ein

Damit es nicht beim Impuls bleibt, richtet die Post Schreibstuben in Zürich und Bern ein, weitere sollen folgen. Dort schreibt man in ruhiger Atmosphäre und trotzdem in Gesellschaft. Wer möchte, kann den eigenen Brief einreichen. Eine Auswahl wird in den Schreibstuben ausgestellt und soll andere zum Schreiben anregen. Ob und wie die Verfasser:innen unterschreiben, entscheiden sie selbst. Alle Infos und die ausgestellten Briefe gibt es auf schreiben.post.ch.

Behind the Scenes: Das Produktionsteam von TYMA am Set des Kampagnenfilms. Quelle: zvg
Behind the Scenes: Das Produktionsteam von TYMA am Set des Kampagnenfilms. Quelle: zvg

16-mm-Film statt Festplatten

Auch beim Film bleibt die Kampagne dem Analogen treu. Regie führte Yannis Petrone, produziert hat TYMA. «Schon beim Produktionsbriefing war klar: Dieses Projekt wird auf 16 mm gedreht», sagt er. Damit verzichtete das Team auf Hochglanz, Playbacks und unbegrenzte Terabytes. «Genau darin liegt der Reiz. Dass uns die Creatives und die Post dafür ihr Vertrauen geschenkt haben, war nicht selbstverständlich.»

Das Vertrauen habe auf Gegenseitigkeit beruht. «Von der ersten Idee bis zur Umsetzung war die Zusammenarbeit inspirierend und partnerschaftlich», sagen Lea Zehnder und Martina Garcia von der Schweizerischen Post. «Die spürbare Begeisterung aller Beteiligten hat das Projekt zu etwas Besonderem gemacht.»

Gefilmt wurde mit natürlichem Licht auf Kodak Verita 200D, passend zur neuen Bildsprache der Post. Eingefangen wurden stille Momente von Schreibenden, beobachtend und unaufdringlich. Auch die Tonebene bleibt zurückhaltend: Das Sounddesign ist dezent, es spricht niemand. Zu hören ist nur das Schreiben.

Die analoge 16-mm-Kamera im Einsatz bei den Dreharbeiten. Quelle: zvg
Die analoge 16-mm-Kamera im Einsatz bei den Dreharbeiten. Quelle: zvg

Briefe für die Schweiz von morgen

Die Kampagne wird im kommenden Jahr weitergeschrieben. Ab dem Start im November sammelt die Post Briefe aus der ganzen Schweiz für eine wachsende Sammlung und eine Ausstellung in der Zukunft. Daraus soll eine Momentaufnahme entstehen, die zeigt, was die Menschen hier und heute bewegt, in eigenen Worten und in eigener Handschrift. Empfängerin ist die Schweiz von morgen.


Responsible at Swiss Post: Martina Garcia, Lea Zehnder, Lorena Froesch. Creative Direction: Marvin Hugentobler (Art), Jacqueline Rufener (Text). Verantwortlich bei TYMA: Christina Tissen (Producer), Yannis Petrone (Regie, Edit), Samuel Emmer (DOP), Marius Mahler (1st AC), Kevin Prinz (2nd AC, Online Edit), Elia Quadri (Beleuchter), Elia Zobrist (Hilfsbeleuchter), June Fischer (Styling/Props), Noemi Bellwald (Hair & Makeup), Sven Wedekind (Tech Assistant), Simone Petrone (Runner), Fabio Gasser (Grading), Bardo Eicher (Sounddesign & Mix).

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