Zweites Swiss Media Forum zu Medien, Wirtschaft und Politik

Am Freitag ist das zweite Swiss Media Forum zu Ende gegangen, zu dem sich 340 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Medien, Wirtschaft und Politik im KKL versammelt haben. Die Veranstalter zogen ein positives Fazit.

«Wir haben inspirierende Referate gehört und kontroverse Diskussionen geführt», sagte Forums-Präsident Andreas Binder. Höhepunkte waren die Auftritte von Jill Abramson, der Chefredaktorin der New York Times, und von Joschka Fischer, dem ehemaligen deutschen Aussenminister. Abramson warb für die Paywall: Diese sei die einzige Möglichkeit, Qualitätsjournalismus im Netz zu finanzieren. Joschka Fischer warnte vor den dramatischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus dem Euro: Politiker und Medien hätten den Ernst der Lage noch nicht erkannt . Fischer plädierte für eine politische Union und eine Fiskalunion, und er zog Parallelen zu den USA: Dort wären einzelne Staaten im 18. Jahrhundert auch pleite gegangen, wenn nicht der Bund gegründet worden wäre, welcher die Zahlungsfähigkeit der Gliedstaaten garantierte.

Mangelhafte Qualität bei Online-Medien
Fischer warnte Politiker in seiner Rede am Swiss Media Forum davor, sich wie Christian Wulff in Abhängigkeit von den Medien zu begeben. «Wer mit der Bild-Zeitung im Lift hochfährt, fährt auch wieder mit ihr im Lift nach unten», sagte er. Parteijournalismus findet er langweilig, den amerikanischen Fox-News-Kanal etwa hält er für einen «Propagandakanal». Politiker würden den Einfluss der Medien oft überschätzen. «Medien sind wichtig, aber man kann auch Wahlkämpfe gegen die Mehrheit der Medien gewinnen, das hat Rot-Grün in Deutschland 2002 bewiesen.» Kritik übte Fischer an den neuen Medien und den sozialen Medien. «Ich stelle in Frage, ob Politiker wirklich auf den sozialen Medien aktiv sein müssen. Sie werden dadurch nicht besser.» Die journalistische Qualität sei in der gedruckten Presse nach wie vor bedeutend höher als im Internet. «Schauen Sie sich einmal die Leserkommentare auf den Online-Portalen an. Da entleeren sich die Leute doch oft einfach mal den Magen.» Fischer sehnt sich nach der guten alten Leserbriefseite, die von einer Leserbriefredaktion betreut wird. «Heute wird nur noch herausgefiltert, was strafrechtlich nicht geht.»

Der Journalist als Strassenmusikant
Mit den Journalisten hat Fischer oft Mitleid: «Früher war das mal ein ehrbarer Beruf. Heute erinnert mich der Journalist an einen Musikanten auf dem Jahrmarkt, der mit der Ziehharmonika spielt und gleichzeitig noch den Affen machen muss.» Weiter sagte Fischer, es sei verheerend, wie die Auslandredaktionen ausgedünnt worden seien. Die Qualität leide. «Wenn es einen journalistischen Abwertungswettlauf gibt, dann wird auch die Qualität der politischen Debatte und letztlich der Demokratie Schaden nehmen.» Im Bundestag sehe man dies bereits. Es gebe in keiner Partei einen jungen Politiker, der sich primär durch aussenpolitische Kompetenz profiliere.
 

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