«Wirtschaft bleibt ein dominantes Thema»

Thomas Trüb Der Gründer und erste Chefredaktor von Cash über Rezepte, die den Titel aus der gegenwärtigen Krise führen sollen.

Thomas Trüb Der Gründer und erste Chefredaktor von Cash über Rezepte, die den Titel aus der gegenwärtigen Krise führen sollen.WW Herr Trüb, ausgerechnet zum 15-jährigen Jubiläum erreichen die Leserzahlen von Cash ein historisches Tief. Wäre es nicht nahe liegender gewesen, den Anlass still und leise vorübergehen zu lassen?Thomas Trüb Jetzt erst recht, lautet unsere Devise. Aber es ist ja auch nicht so, dass wir im Moment nur Unerfreuliches erleben würden. Wir haben trotz aller Krisenzeiten in den letzten 24 Monaten zwei sehr erfolgreiche Elemente in unserer Zeitung lanciert: Den Bund «Enterprise», der sich an die KMU richtet, hat
eine sehr gute Resonanz. Und Cash Value, unser monatliches Vermögensmagazin, wird im nächsten Jahr einen anständigen positiven Deckungsbeitrag leisten. Auf dieser Schiene werden wir weiterfahren.
Können Sie die Neuerungen nennen, mit denen die Jubiläumsausgabe vom 21. Oktober aufwarten wird?
Das ist im Moment noch auf höchster Geheimhaltungsstufe. Nur so viel: Den Wirtschaftsjournalismus kann und soll man nicht von Grund auf neu erfinden. Die Herausforderung ist vielmehr, wie wir wieder neue Leserinnen und Leser gewinnen können. Daran haben wir dieses Jahr fleissig gearbeitet.
Mit 461 000 Lesern hatte Cash 1997 den Höhepunkt erreicht, seither ist das Publikum um über 35 Prozent geschrumpft. Wann ist der Boden erreicht?
Wir haben schon vor zwei Jahren gemeint, es könne nicht mehr weiter hinuntergehen. Aber offenbar war damals der Wunsch Vater der Einschätzungen. Heute haben wir hingegen harte Fakten, die darauf hinweisen, dass der Boden nun tatsächlich erreicht ist und wir in den nächsten drei Jahren wieder steigende Zahlen vermelden können. Wir
sehen es vor allem bei der Aboerneuerung. Wir werden bei der Auflagenbeglaubigung wieder eine positive Entwicklung ausweisen können.
Sie selber haben vor 15 Jahren das Konzept ausgeheckt, aus dem eine der erfolgreichsten Schweizer Neulancierungen aller Zeiten geworden ist. Nun steht Cash seit Jahren als Verlierer da. Ist die Halbwertszeit von Neulancierungen generell kürzer geworden?
Das gilt für die Zeitschriften, wo Neulancierungen insbesondere bei den kurzlebigen Lifestyle-Themen boomen. Für den Bereich Wirtschaft gelten die kürzer gewordenen Halbwertszeiten aber sicher nicht. Die Wirtschaft ist und bleibt Triebfeder der Gesellschaft. Denn sie ist es, die den Zahltag ins Haus bringt, und nicht die Politik oder die Kultur. Deshalb wird die Wirtschaft immer ein dominantes Thema bleiben. Im Übrigen ist Cash nicht ein Verlierer seit Jahren. Es ist und bleibt die Schweizer Wirtschaftspublikation mit der höchsten Auflage, und diese Position gedenken wir weiter auszubauen.
Offenbar muss aber auch der Wirtschaftsjournalismus näher hin zu den tatsächlichen Leserbedürfnissen. Zum Beispiel mit noch mehr Service.
Wir sind zwar bereits heute in hohem Masse serviceorientiert. Aber wir werden in Zukunft noch mehr in diese Richtung tun.
Welchen aktiven Beitrag gegen den verbreiteten Überdruss an Wirtschaftsthemen kann Cash leisten?
Dieser Überdruss kommt primär aus Bereichen, die wir nicht beeinflussen können: fehlendes Wachstum, fehlende Reformen, Skandale um überbordende Saläre – auch wenn wir noch so intensiv dagegen anschreiben, vertreiben können wir die damit verbundene depressive Stimmung nicht. Unsere Chance besteht vielmehr darin, neue Themenfelder zu erschliessen. Darauf setzen wir. Cash wird zusätzliche Themen besetzen. Das ist unser Rezept für eine positive Zukunft.
Interview: Daniel Schifferle

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