Webnutzung wird privater

Internet Zwei SRG-Studien und ein Panel zeigen, wie oft und wo User in der Schweiz das World Wide Web nutzen.

Internet Zwei SRG-Studien und ein Panel zeigen, wie oft und wo User in der Schweiz das World Wide Web nutzen.59 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren surfte im letzten Jahr im Internet. Das sind 8 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Bereits verfügen auch mehr als die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer, nämlich 54 Prozent, einen Internetzugang zu Hause (11 Prozent mehr als 2001). Von diesen sind 48 Prozent über eine analoge Telefonleitung ans Internet angeschlossen, 21 Prozent haben einen ISDN-Anschluss, 16 Prozent surfen über ADSL und 11 Prozent über TV-Kabel. Diese Angaben stammen aus einer Studie des SRG-Forschungsdienstes, der vom Institut Konso pro Jahr 42000 computergestützte Interviews durchführen lässt. Dieselben Interviews dienen auch MMXI Switzerland als Grundlage für dessen Panel.Von den Personen mit Internetanschluss im eigenen Heim benutzte 2003 gut ein Viertel (27 Prozent) das World Wide Web täglich oder fast täglich, weitere 17 Prozent benutzten es mindestens einmal pro Woche. Bei der Nutzungshäufigkeit nach Geschlecht zeigt es sich, dass die Männer häufiger zu Hause online gehen (32 Prozent täglich oder fast täglich) als die Frauen (19 Prozent). Anfang 2001 waren es noch 26 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen. Das Internet präsentiert sich weiterhin in Bezug auf das Alter seiner Nutzer als junges Medium: 51 Prozent der Männer bis 24 Jahre und 38 Prozent der Frauen im selben Alterssegment surfen täglich oder fast täglich, bei den Männern über 50 tun dies noch 21 Prozent und bei den Frauen über 50 gar nur 8 Prozent.
Am Arbeitsplatz sieht die Situation nur wenig anders aus. Anfang 2001 war die Zahl der Personen mit einem Netzzugang am Arbeitsplatz (42 Prozent) ähnlich gross wie jene mit einem Anschluss zu Hause. Doch nahm die erstgenannte Gruppe weniger schnell zu – und letztes Jahr auch bereits wieder ab: Der (erste) Zenith wurde mit 47 Prozent überschritten, mittlerweile sind es gar nur noch 44 Prozent, die das Netz am Arbeitsplatz nutzen können – wie schon im Sommer 2001. Möglich, dass diese Entwicklung mit den Entlassungen im Banken- und Dienstleistungssektor zu tun hat. Die regelmässige Nutzung am Arbeitsplatz nimmt denn auch nur leicht zu: 2001 gab es 20 Prozent regelmässige Surfer, 2003 waren es 25 Prozent. Interessant ist dagegen die Internetnutzung am Arbeitsplatz nach Geschlecht: Waren es Anfang 2001 noch 21 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen, die fast täglich bei der Arbeit surften, sind es Mitte 2003 bereits 34 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen. Diese Veränderungen sind hier ausgeprägter als im Privatbereich.
Deutschschweizer surfen mehr
Aufgesplittet nach Sprachregionen ergibt sich grob folgendes
Bild: 62 Prozent der Deutschschweizer Bevölkerung ab 15 Jahren waren im 2003 online, die Internetuser haben seit 2001 um 9 Prozent zugenommen. In der Romandie nutzten 55 Prozent der Bevölkerung das Internet, 6 Prozent mehr als vor drei Jahren. Und im Tessin machen die Internetnutzer 38 Prozent der Bevölkerung aus, drei Prozent mehr als 2001.
Gemäss MMXI Switzerland heissen die Domains, die gesamtschweizerisch am häufigsten aufgesucht werden, Bluewin.ch (1,259 Millionen Unique Visitors pro Monat) und Google.ch (1,219 Millionen). Die meistgenutzten Mediensites waren in der Deutschschweiz Blick.ch (164000 Visitors pro Monat) und SFDRS.ch (134000), in der Romandie TSR.ch (45000) und Lematin.ch (29000) und im Tessin RTSI.ch (7000) und Corriere.it sowie Rai.it (je 2000).
Eine dritte Studie des SRG-Forschungsdienstes untersuchte die so genannte Streaming-Nutzung – das Radiohören und TV-Schauen via Internet. Dazu führte Konso zwischen Januar und Februar 2004 in der ganzen Schweiz 1900 Interviews durch. Fazit: Unter den Schweizer Internetnutzern ist das Konsumieren von Radio- und TV-Inhalten via Internet nicht sehr verbreitet. In der Deutschschweiz geben 76 Prozent der Internetuser an, noch nie gestreamt zu haben, in der Westschweiz sind es 80 und im Tessin 81 Prozent. In allen Regionen ist das mangelnde Interesse der Hauptgrund für den Verzicht auf das Streaming, auffallend ist, dass der Anteil jener User, die diese Möglichkeit bisher nicht kannten oder nicht wissen, wie es geht, in der Deutschschweiz mit 24 Prozent weitaus grösser ist als in der Romandie (10 Prozent) oder im Tessin (7 Prozent).
Von denen, die streamen, hören die meisten nur zu Hause Radio, ein geringer Prozentsatz schaut nur fern. 4 Prozent der Deutschschweizer, 5 Prozent der Westschweizer und 1 Prozent der Tessiner User geben aber an, sowohl Radio- wie TV-Inhalte zu streamen. In allen Regionen nutzen vor allem junge Männer bis 24 Jahre Streaming-Media-Inhalte, junge Frauen sind nicht weit abgeschlagen. Kommt dazu, dass im Tessin und in der Westschweiz interessanterweise primär Frauen und kaum Männer nur TV-Inhalte streamen.
Radiocontrol-Daten werden geprüftDer Online-Zugriff auf die Radiocontrol-Daten 2004 wird voraussichtlich Ende April wieder möglich. Seit dem 12. März waren die Online-Daten nicht mehr verfügbar. Der Grund: Bei der Verarbeitung der Daten ist dem zuständigen Institut IHA-GfK ein Fehler unterlaufen. Bei der Hochrechnung der korrekt und vollständig gemessenen Daten hat das Institut den Übergang von der bisher proportionalen zur disproportionalen Stichprobe nicht berücksichtigt, was zu fehlerhaften Zahlen führte. Dies wird nun korrigiert und überprüft. (mk)
Forschungsdienst vorerst unverändertManuel Dähler, seit dem 1. März 2004 neuer Leiter des SRG-Forschungsdienstes (FD), hielt fest, dass die FD-Organisation und
-Struktur so lange unangetastet bleibt, bis das neue RTVG definitiv verabschiedet ist. Erst dann herrsche Klarheit darüber, was vom Gesetzgeber effektiv gewünscht werde. Die vom Nationalrat abgesegnete RTVG-Version will den FD aus der SRG ausgliedern und in eine Stiftung überführen. Letztes Jahr hatte die SRG eine Fusion von FD und Publica Data vorgeschlagen und Unruhe ausgelöst. Der scheidende FD-Leiter Matthias Steinmann blickt auf seine gut 35 Jahre beim FD zurück und dankte unter anderem der SRG-Generaldirektion, die etwa sechs Untersuchungen und Anhörungen gegen ihn eingeleitet und ihm «meist» recht viel Freiheit gelassen habe. (mk)
Manuel Dähler (l.) löst Matthias Steinmann ab.

Markus Knöpfli

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