Verleger und SRG zu konstruktiver Zusammenarbeit bereit
Die privaten Medienhäuser und die SRG wollen im Online-Zukunftsmarkt aufeinander zugehen. Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument und SRG-Präsident Raymond Loretan sind sich darin einig, dass in harten, aber fairen Diskussionen für beide Seiten akzeptable Lösungen möglich sind.
Lebrument erinnerte am Dienstag an der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien daran, dass in der Vergangenheit gemeinsame Projekte beim Teletext oder in der Fernsehwerbung nicht von Erfolg gekrönt gewesen seien. Eine langfristige, ehrliche Partnerschaft im Online müsse nun das Ziel der gemeinsamen Bemühungen sein. In drei Arbeitsgruppen versuchen die Verleger und die SRG derzeit, Lösungen für Inhalte und Werbung auf Online-Plattformen zu finden. Die privaten Medien und die SRG sollten ihre publizistischen Aufgaben gemeinsam auf dieser Plattform definieren. Die SRG könnte ihre audiovisuelle Beträge und die privaten Medienhäuser könnten Texte an das gemeinsame Online-Dach liefern. Der Teletext sollte in die nationale Nachrichtenagentur SDA eingegliedert werden.
Die Erträge, vor allem die Werbeeinnahmen, sollten den privaten Medien zugute kommen. Die SRG habe durch die Neugestaltung der Nutzungsgebühren in hohem Masse vom Online profitiert. Aus der Nutzungsgebühr sei eine flächendeckende Haushaltsabgabe geworden, die der SRG wesentlich mehr Einnahmen beschert habe. Die privaten Medien hätten nur dann im Online-Markt eine Chance, wenn sie die im Online-Geschäft erzielten Erlöse möglichst direkt erhielten. Das bedeute, dass es in diesem Geschäft gleich lange Spiesse geben müsse. Mit anderen Worten: Der Erfolg der privaten Medien im Online hängt wesentlich davon ab, dass sie Bezahlmodelle realisieren können. Gratis-Angebote der SRG würde diese Bemühungen torpedieren.
Der Verband Schweizer Medien habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er auch im operativen Bereich ein ebenbürtiger Partner zur SRG sein könne. SRG-Präsident Loretan zeigte sich seinerseits vor den versammelten Verlegern überzeugt, dass eine für beide Seiten befriedigende Lösung in der umstrittenen Frage der Online-Inhalte und -Werbung gefunden werden könne. Nur eine Lösung, die für beide Seiten gewinnbringend sei, habe eine Chance, langfristig zu bestehen. Der Service Public, den die SRG biete, sollte sich im digitalen Zeitalter ebenso entfalten können wie private Medien. Und die SRG müsse die Angebote dort verbreiten, wo das Publikum anzutreffen sei, nämlich im TV-Kanal und im Online. Im Internet müssten attraktive Portale die SRG-Sendungen bekannt machen und verkaufen.
Die gemeinsame Geschichte von SRG und Presse sei regelmässig von Konflikten geprägt gewesen, die am Schluss gelöst worden seien. Als Beispiele erwähnte Loretan die Nachrichtensendungen am Radio, die Anfang der 1970-er Jahre nur von Sprechern der Sda verlesen werden durften. Aus den gemeinsamen Gesellschaften in der Fernsehwerbung und beim Teletext habe sich im übrigen damals die Presse zurückgezogen.
Medienministerin Doris Leuthard hatte im letzten September anlässlich des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Medien in Flims GR Verleger und die SRG dazu aufgerufen, bis Ende 2011 gemeinsam nach Lösungen im Online-Markt zu suchen. Beide Seiten sollten nicht auf ihren Maximalforderungen beharren. Die Schweiz brauche private Medienhäuser und eine starke SRG. (SDA)
