Swiss Press Award 2016: Die Gewinnerinnen
Eine Journalistin aus der Romandie und drei aus der Deutschschweiz teilen sich die Schweizer Medienpreise 2016. Der Romand Niels Ackermann wird Swiss Press Photographer of the Year.
Die Swiss Press Awards 2016 wurden am Mittwoch, dem 27. April im Berner Hotel Bellevue Palace von der Fondation Reinhardt von Graffenried im Beisein von Bundesrärtin Simonetta Sommaruga verliehen. Die Lausanner Rapperin La Gale (Karine Guignard) hat den Swiss Press Song 16 «Echoes» uraufgeführt. Der Grande Dame des deutschsprachigen Journalismus Margrit Sprecher wurde der Reinhardt von Graffenried Lifetime Achievement Award überreicht. Wie schon letzes Jahr wurde die Preisverleihung per live stream im weltweiten Netz direkt übertragen.
Die Sieger sind Sophie Roselli von der Tribune de Genève (Swiss Press Print), Anetka Mühlemann von 24 Heures (Swiss Press Online), Matieu Klee vom SRF Regionaljournal Basel (Swiss Press Radio), Prisca Häberli von Tele Bärn (Swiss Press Video) und Niels Ackermann, freier Fotograf (Swiss Press Photo).
Jedem der fünf Preisträger wurde der Diamant für seine herausragende Arbeit und der Betrag von 20'000 Franken überreicht.
Folgende weitere Preise im Wert von 1'000 Franken wurden vergeben : Michael Feller + Oliver Meier (2. Preis Print), Christian Keller (3. Preis Print), Patrice Siegrist (2. Preis Online), Thomas Angeli (3. Preis Online), Mike Baader (2. Preis Radio), Grégoire Baur (3. Preis Radio), Thomas Vogel (2. Preis Video), Marc Meschenmoser (3. Preis Video). Die Preisträger des Swiss Press Photo Pascal Mora (Aktualität) Kaspar Thalmann (Alltag), Daniel Rihs (Schweizer Geschichten), Mara Truog (Porträt), Arnd Wiegmann (Sport) erhalten je 2'000 Franken.
Die verlagsunabhängige Fondation Reinhardt von Graffenried wurde von Franziska und Erwin Reinhardt-Scherz sowie vom 2012 verstorbenen Charles von Graffenried mit dem Ziel gegründet, den schweizerischen Journalismus zu fördern. Dieses Jahr wird der Schweizer Preises für Lokaljournalismus zum 30., der Swiss Press Photo Preis zum 25. Mal verliehen. Zum Jubiläum erscheinen zwei Bücher «30 Jahre Lokaljournalismus» und «25 Jahre Swiss Press Photo».
Der viersprachige Swiss Press Award Katalog mit den Arbeiten der nominierten Journalistinnen und Journalisten zusammen mit dem traditionellen Jahrbuch Swiss Press Photo (Edition Till Scaap) sind im Buchhandel erhältlich. Die nationale Wanderausstellung «Swiss Press Photo 16» startet am 4.Mai 2016 im Schweizerischen National Museum in Zürich, bevor sie weiter nach Lugano, Bern und Prangins zieht.
Alle Gewinnerbeiträge können auf Swisspressaward.ch angeschaut und gelesen werden.
Reinhard von Graffenried Liefetime Achievement Award
Margrit Sprecher, Journalistin
Die Grand Dame des Schweizer Journalismus lebt in Zürich und hat schon 1985 den Internationalen Publizistik-Preis Klagenfurt, 1992 den Egon Erwin Kisch-Preis Hamburg, 2003 den Preis des Zürcher Pressevereins und 2008 den Bündner Literatur Preis erhalten. Sie ist die erste Schweizer Journalisin, die mit dem Lifetime Achievement Award der Fondation geehrt wird.
Die 1936 in Chur geborene Margrit Sprecher hat in München und Wien Zeitungs- und Theaterwissenschaft studiert und bis 2000 das Ressort «Leben heute» bei der Weltwoche aufgebaut und geleitet. Mit ihren zahlreichen Reportagen und Texten hat sie den deutschsprachigen Journalismus massgeblich beeinflusst. Ihre Buchpublikationen «Leben und Sterben im Todestrakt» und «Ungebetene Besuche» haben grosse Beachtung gefunden.
Swiss Press Photographer 2016
Niels Ackermann – Das Magazin / L'Hebdo / Le Temps / Sonntags Zeitung
Les enfants de Tchernobyl sont devenus grands
publiziert am 16. Mai 2015
Als vor 30 Jahren der Atomreaktor von Tschernobyl explodierte, waren sie noch nicht geboren, und ihre Stadt existierte nicht. Slawutytsch wurde erst 1986 errichtet, gleich ausserhalb der Sperrzone. Yulia und Schenja werden heiraten, doch welche Zukunft erwartet sie, die Kinder von Slawutytsch? Die Fotoserie aus der jüngsten Stadt der Ukraine entstand von 2012 bis 2015.
Gewinnerin Swiss Press Print
Sophie Roselli – Tribune de Genève
Jugendliche auf Dschihad-Abwegen
(Des jeunes se préparent au djihad)
publiziert am 28. August 2015
Gewinner Swiss Press Online
Anetka Muhlemann – 24Heures
Die Geheimnisse der Schindelmacher
(Les secrets des tavillonneurs)
publiziert am 23. Dezember 2015
Traditionelle Holzschindeldächer in den Alpen rufen mit ihrer schlichten Schönheit nostalgische Gefühle in uns hervor. Aber sind sie nicht dem Untergang geweiht? Ein Bundesprogramm fördert das Revival dieses altehrwür-digen Handwerks. Anetka Mühlemann hat einen der letzten waadtländischen Schindelmacher durch alle Jahreszeiten begleitet und eine Reportage voller Werte, Klänge, Farben und Poesie geschaffen. Man entdeckt, wie ein Holzdach mit seiner Wärme die zeitgenössische Architektur bereichert. Und wie die neuen Medien es erlauben, Texte, Fotos und Videos zu einem reichhaltigen Werk zusammenzustellen, an dem ein ganzes Produktionsteam beteiligt war.
Gewinner Swiss Press Radio
Matieu Klee – Regionaljournal Basel
Die Baselbieter «Kontrollaffäre»
publiziert ab 7. August 2015
Die Kontrollstelle für Schwarzarbeit im Kanton BaselLandschaft schummelte mit öffentlichen Geldern, indem sie viel mehr Subventionen einstrich, als Löhne an ihre Kontrolleure auszahlte. Dieses brisante Ergebnis einer Recherche, an deren Anfang ein unerklärlicher Rückgang der Schwarzarbeitkontrollen stand, gipfelte nach der Aufdeckung weiterer Ungereimtheiten in einer Strafuntersuchung. Zudem verlangte die Baselbieter Regierung von der privaten Kontrollstelle mehrere Hunderttausend Franken zurück. Andere Medien griffen die Geschichte auf und drehten sie weiter – investigativer Lokaljournalismus mit den typischen Ingredienzien: ein mächtiger Politiker in Erklärungsnot, eine Mauer des Schweigens, Beanstandungen wegen der «Medienkampagne» und Quellenschutz als oberste Maxime.
Gewinner Swiss Press Video
Prisca Häberli, Natalie Barros und Rahel Grunder – Tele Bärn
Mobbing an der Schule Roggwil
publiziert vom 26. Oktober bis 2. November 2015
Die Serie beginnt mit heftigen Vorwürfen an die Schule Roggwil: Ein Mädchen und ein Junge auf der Oberstufe würden systematisch gemobbt. Nach dem ersten Bericht kommt eine Lawine ins Rollen. Andere Eltern melden sich und berichten von Übergriffen auf ihre Kinder, die Schulleitung gerät massiv unter Druck. In der mehrteiligen Reportage melden sich die betroffenen Familien, die Schule und die Behörden zu Wort. Jugendpsychologe Allan Guggenbühl wirft einen Blick von aussen auf die Problematik des Mobbings. Der Schulleiter wird von ehemaligen Kollegen stark kritisiert. Nach einer Woche dauernder Berichterstattung auf TeleBärn, während der immer mehr Fälle ans Licht kommen, trennt sich die Bildungskommission schliesslich vom Schulleiter.
