Sonntagsblick-Journalist rapportiert an Staatsanwalt

Ein Journalist des Sonntagsblicks hat sich in der Affäre Mörgeli im Verfahren gegen CVP-Nationalrätin und Universitätsrätin Kathy Riklin zu einer heiklen Aussage bei der Staatsanwaltschaft hinreissen lassen.

Riklin war von Christoph Mörgeli angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft Bern ermittelt gegen sie wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung, weil sie in der Wandelhalle das Nationalrats gegenüber Journalisten angetönt haben soll, ein damals noch nicht publizierter Expertenbericht zu den von Mörgeli betreuten Dissertationen falle nicht zu dessen Gunsten aus. Das schreibt die NZZ am Sonntag.

Wie jetzt bekannt wird, hat die Staatsanwaltschaft bereits im Februar zwei Zeugen einvernommen. Ein Journalist der Schweiz am Sonntag lieferte dabei keine inhaltlichen Angaben, da er sich nicht mehr erinnern könne. Im Gegensatz dazu machte sein Kollege vom Sonntagsblick in der Befragung detaillierte Angaben zu seinem Gespräch im Bundeshaus. Der Journalist sagte aus, obwohl ihn der Staatsanwalt explizit auf das Aussageverweigerungsrecht hinwies. Dieses steht Journalisten zu, damit sie ihre Quellen vor Verfolgung schützen können.

Auf Anfrage sagte der Journalist, es habe sich beim Gespräch mit Riklin «nicht um eine vertrauliche Unterredung» gehandelt. «Wenn wir Journalisten den Quellenschutz bei jeder Gelegenheit bemühen, schwächen wir seinen Wert», fügte er an.

Dominique von Burg, der Präsident des Presserats und ehemaliger Chefredaktor der Tribune de Genève, verurteilt die Vorgehensweise des Sonntagsblick-Journalisten dagegen als unethisch. Ausser wenn es beispielsweise in einer Entführung um Leib und Leben gehe, hätten Journalisten über die von ihnen geführten Gespräche gegenüber den Strafverfolgungsbehörden grundsätzlich zu schweigen, sagt von Burg. «Wenn Gesprächspartner von Journalisten damit rechnen müssen, dass ihre Aussagen einem Staatsanwalt rapportiert werden, untergräbt das das Vertrauen in die Medien und behindert sie damit in ihrer staatspolitisch wichtigen Funktion», sagt von Burg: «Wenn das Schule macht, wird niemand mehr Journalisten etwas sagen.» (NZZ am Sonntag)
 

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