Schweizer befürworten Mindestalter für Social Media
Eine neue, repräsentative Umfrage des Online Research Instituts Marketagent unter 1’001 Personen in der Deutsch- und Westschweiz zeigt: Die Bevölkerung sieht Social Media für Kinder und Jugendliche deutlich häufiger als Risiko denn als Chance und spricht sich mit grosser Mehrheit für ein gesetzliches Mindestalter aus.
Im Durchschnitt wünschen sich die Befragten eine Altersgrenze von 15 Jahren und bezweifeln gleichzeitig, dass Plattformen das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zuverlässig kontrollieren können.
Mehrheit sieht Social Media als Gefahr
Kinder und Jugendliche bewegen sich heute selbstverständlich auf TikTok, Instagram oder Snapchat, doch der Blick der Schweizer Bevölkerung auf diese digitale Lebenswelt ist kritisch. 80 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Social Media für junge Menschen eher oder sehr gefährlich ist, während nur ein Fünftel die Plattformen als sicher einstuft.
Die Studie zeigt, dass Chancen wie der Zugang zu Wissen und Bildung (37 Prozent), der Erwerb digitaler Kompetenzen (35 Prozent) oder soziale Vernetzung (34 Prozent) durchaus gesehen werden, aber hinter den wahrgenommenen Gefahren zurückstehen. Besonders Cybermobbing (69 Prozent), Sucht und übermässige Nutzung (63 Prozent) sowie sexuelle Belästigung (62 Prozent) prägen das Risikobewusstsein der Bevölkerung.
Wunsch nach gesetzlichem Mindestalter
Parallel zu internationalen Regulierungsbestrebungen – etwa dem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien oder den geplanten Einschränkungen für unter 15-Jährige in Frankreich – gewinnt die Forderung nach Altersgrenzen auch in der Schweiz an Gewicht. 83 Prozent der Befragten befürworten ein gesetzliches Mindestalter für Social Media, wobei der gewünschte Mittelwert bei 15 Jahren liegt.
Bemerkenswert ist, dass die Zustimmung generationenübergreifend hoch ist: Sowohl 14- bis 19-Jährige als auch über 60-Jährige sprechen sich mit ähnlich grosser Deutlichkeit für eine gesetzliche Altersgrenze aus. Für viele gilt ein Mindestalter als wichtiger Baustein, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken zu ermöglichen.

Verantwortung bei Eltern, Plattformen und Politik
Beim Blick auf die Frage, wer die Einhaltung eines Mindestalters sicherstellen soll, ergibt sich ein differenziertes Bild. 43 Prozent der Befragten sehen die Hauptverantwortung bei den Eltern, 23 Prozent bei den Plattformen selbst und 19 Prozent beim Staat.
Gleichzeitig traut eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent den Social-Media-Anbietern keine verlässliche Altersprüfung zu. Die Bevölkerung erwartet, dass Eltern ihre Kinder begleiten, Regeln setzen und kontrollieren, während Plattformen und Politik Rahmenbedingungen schaffen, die den Jugendschutz wirksam unterstützen.
TikTok als riskanteste Plattform
Auch die Einschätzung einzelner Plattformen fällt klar aus. TikTok wird von 76 Prozent der Befragten als besonders riskant für Kinder und Jugendliche bewertet und liegt damit deutlich vor Snapchat und Instagram, die jeweils von 51 Prozent als problematisch eingestuft werden.
Auch X/Twitter und Facebook (je 39 Prozent) sowie YouTube (24 Prozent) stehen in der Kritik, wenn auch in geringerem Ausmass. Auffällig ist, dass insbesondere jüngere Menschen Instagram häufiger als riskant wahrnehmen (70 Prozent der 14- bis 19-Jährigen) als ältere Befragte (42 Prozent der 60- bis 69-Jährigen).


