Lebruments Leibgarde

Verlage Mit drei neuen Köpfen und zwei neuen Schlüsselressorts rüstet sich der Verband Schweizer Presse für kommende Schlachten.

Verlage Mit drei neuen Köpfen und zwei neuen Schlüsselressorts rüstet sich der Verband Schweizer Presse für kommende Schlachten.Seine erste Amtshandlung als Leiter des neu geschaffenen Departements Presseförderung sei «das gründliche Einlesen», sagt Josef Zihlmann. Dass er von Haus aus nicht Jurist, sondern Journalist (und Germanist) ist, dürfte dem Chefredaktor des Willisauer Boten kaum schaden, schliesslich übernimmt er gleich das komplexeste und wohl auch politischste aller Dossiers des Verbands Schweizer Presse (CHP). Für diese Herkulesaufgabe braucht es neben diplomatischem Geschick also vor allem ein gutes Reaktions- respektive Standvermögen – Fähigkeiten, mit denen Zihlmann nach eigener Einschätzung «gut bestückt» ist.Aktiv unterstützt werden soll der von CHP-Präsident Hanspeter Lebrument (Mediengruppe Südostschweiz) ursprünglich als «Arbeitsminister» vorgesehene Novize im zehnköpfigen Gremium von NZZ-Direktor Marco de Stoppani (Recht) und AZ-Verleger Peter Wanner (Lobbying), die wie Lebrument selbst beide Einsitz in diesem Schlüsselressort haben. Letzterer widmet sich also wie vermutet (WW 33/03) künftig der strategischen Beziehungspflege zu Politik und Wirtschaft. Auf Grund der anstehenden gesetzlichen Weichenstellungen (Medienartikel und RTVG-Revision) wird Wanners ebenfalls neues Departement kommendes Jahr wohl eine Schicksalsrolle spielen.
Wanners Umweg nach Bern
Dem Aargauer Lebrument-Intimus beschert das Aussenministeramt deshalb nicht nur einen Prestigegewinn, sondern auch einen gehörigen Aufwand an Zeit und Energie, die dem eigenen, zurzeit auch nicht auf Rosen gebetteten Unternehmen dann fehlen dürfte. Dies umso mehr, als CHP-Geschäftsführer Daniel Kaczynski gegenüber der Werbewoche keinen Zweifel daran lässt, dass bei der Schaffung dieses nunmehr neunten Ressorts weniger an punktuelle Parforce-Einsätze als an eine «kontinuierliche Präsenz» gedacht wurde – in Bundesbern und wo es sonst noch Not tut.
Der dritte Neuling im Verlegervorstand, der sich Ende vergangener Woche neu konstituierte, ist der für Ex-Präsident Hans Heinrich Coninx eingewechselte Tamedia-CEO Martin Kall. Er ersetzt Lebrument als Departementsleiter Distribution, was kaum überrascht, da dort weiter eifrig an einem von der Post unabhängigen Modell zur Eigenzustellung gebastelt wird. Das Mammutprojekt wurde inzwischen zwar ausgelagert, federführend ist und bleibt dem Vernehmen nach jedoch Tamedia-Cheflogistiker Hirzel. Und der rapportiert ja sowieso schon an Martin Kall. Was liegt da näher, als solch unternehmerische Synergien auch für den Verband zu nutzen?
Leisten Kärrnerarbeit: Wanner, Zihlmann, Kall (v. l.).
Oliver Classen

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