Kleinformat im Trend

Zeitungen Das Tabloidformat sorgt weiter für Aufwind in einer fast durchwegs stabilen Zeitungslandschaft.

Zeitungen Das Tabloidformat sorgt weiter für Aufwind in einer fast durchwegs stabilen Zeitungslandschaft.Das kleine Format stellt auch dieses Jahr die expansiven Impulse im Schweizer Zeitungsmarkt. Wie erwartet, ist 20 Minuten mit zusätzlichen 90000 Lesern (+13 Prozent) und einem Total von 782 000 komfortabel am Blick vorbeigezogen. Dabei ist 20 Minuten vor allem eine Verstärkung im Raum Basel gelungen.Der vom Pendlerblatt überholte Blick ist aber seinerseits in guter Verfassung. Mit neu 736000 Lesern tendiert auch er deutlich nach oben. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die im Sommer erfolgte Umstellung auf Tabloid dem Ringier-Blatt noch mehr Schwung zu geben vermag. Wie etwa beim Westschweizer Le Matin, dem der Wechsel ausserordentlich gut bekommen ist. Mit zusätzlichen 36000 Lesern (+12,2 Prozent) fährt die Zeitung erneut reichliche Ernte aus der Umstellung zum Tabloid ein.
Neben 20 Minuten und Le Matin erlebte nur gerade noch die kleine St. Galler Nachrichten einen signifikanten Zuwachs. Andererseits hatten die Tageszeitungen dieses Mal auch kaum Verluste zu beklagen. Unter den Top 20 der Verlierer sind sie nur gerade mit einem einzigen Titel vertreten, der Neuen Zürcher Zeitung. Mit ihrem hohen Verlust von 27000 Lesern (–7,9 Prozent) scheint das Blatt nachzuholen, was der Tages-Anzeiger in den Vorjahren erlebte.
Im Übrigen war die Tagespresse in allen drei Landesteilen erstaunlich stabil. Für diverse Zeitungen lässt sich der Vorjahresvergleich dieses Jahr allerdings gar nicht erst anstellen: Alle Titel mit teilweiser oder kompletter Grossauflage sind wegen methodischen Anpassungen nicht mit den Vorjahren vergleichbar. Das sind fast ein Dutzend Zeitungen (siehe Seite 18).Nur auf den ersten Blick keinen erfreulichen Eindruck macht der Deutschschweizer Sonntagsmarkt. Sowohl die NZZ am Sonntag wie die SonntagsZeitung stehen in der Liste der signifikanten Verlierer. Für das Sonntagsblatt von der Falkenstrasse sind 47000 weniger
(–10,1 Prozent), für jenes von Tamedia 41000 weniger Leser (–4,9 Prozent) ausgewiesen. Doch dieser Knick in der Sonntagspresse war zu erwarten: Im Vorjahr brachte die Einführungsphase der NZZ am Sonntag und der gleichzeitig hochgefahrene Marketingdruck der SonntagsZeitung viele zusätzliche neue (Gratis-)Probeleser und Schnupperabonnenten.
Nachdem die Lesermarktak-tivitäten nun wieder zurück-
gefahren worden sind, fallen diese weg. Was nun bleibt, sind die echten Sonntagsleser, deren Zahl in der Deutschschweiz durch die NZZ am Sonntag immerhin um über 400000 ausgeweitet werden konnte.
Wie viel Potenzial im Sonntagsmarkt noch steckt, zeigt das Tessin. Dort wächst der Gratistitel Il Caffè, an dem Ringier beteiligt ist, um (nicht signifikante) 6000 Leser (+6 Prozent), was beachtlich ist angesichts des kleinen Bevölkerungspotenzials. Die rechtsbürgerliche Konkurrenz, der Mattino della Domenica, büsst dagegen wie bereits in den Vorjahren leicht Terrain ein.
Eingeschränkter VergleichPrintmedien mit vorwiegend jungem Publikum stehen ärmer da
als im Vorjahr, auch wenn sie keine Leser verloren haben. Der Grund liegt in der Anpassung der Mach Basic an die Volkszählung 2000. Mit den neuen Grundlagen ist das Deutschschweizer Potenzial im Segment 24–29 Jahre innert nur zehn Jahren um 200 000 auf
604 000 geschrumpft. Der Hochrechnungsfaktor für die Gewichtung der Stichprobe wurde also deutlich kleiner. Unter den daraus resultierenden «Verlusten» litten vorab besonders jung positionierte Titel wie 20 Minuten.
Erfreulicher ist hingegen ein anderer Effekt: Die Schulbildung ist nochmals besser geworden. Bei den Lebensformen haben sich die 1-Personen-Haushalte weiter verstärkt.
All diese Veränderungen führen dazu, dass die Daten der aktuellen Mach Basic nicht mit jenen der Vorjahre vergleichbar sind. Um unverfängliche Vergleiche wenigstens mit 2003 zu ermöglichen, hat die Wemf für die Fachpresse auch die Zahlen 2003 gemäss Volkszählung 2000 neu gewichtet. Diese kommen hier zur Anwendung.
Geklärte SignifikanzBis anhin war es den Empfängern der Mach Basic überlassen, auszurechnen, welche Abweichungen statistisch signifikant sind – was immer auch zu Unsicherheiten geführt hat. Die sind bei der Mach Basic 2004 nun ausgeräumt, denn die Wemf hat nun eine Liste mit den betreffenden Titeln mitgeliefert. Um welche es sich handelt, ist in der Grafik «Tops und Flops» ersichtlich. Auffällig: Mit nur einer Ausnahme finden alle signifikanten Veränderungen in der Deutschschweiz statt.
Methodisches zur Mach BasicGrundgesamtheit der Mach Basic ist die Wohnbevölkerung der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein ab 14 Jahren. Die Stichprobengrösse (Anzahl durchgeführte Interviews) beträgt insgesamt 23 637. Davon entfallen 17 008 auf die deutsche Schweiz, 5 571 auf die Romandie und 1058 auf das Tessin.
Durchgeführt wurden die computergestützten Telefoninterviews von Demoscope (Adligenswil), Link (Luzern und Lausanne) sowie M.I.S. Trend (Lausanne). Der Befragungszeitraum erstreckte sich vom 7. April 2003 bis zum 28. März 2004 – ohne Oster- und Weihnachtstage. (dse)
Daniel Schifferle

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