Keine Satire: Presserat rügt Tessiner Parteiblätter
Der Presserat hat eine Beschwerde gegen das Tessiner SP-Blatt Confronti und die Lega-Sonntagszeitung Mattino della Domenica gutgeheissen. Mit ihren satirisch gemeinten Publikationen hätten die Blätter die Menschenwürde angegriffen und Privatspähre verletzt.
Es handelte sich um zwei unterschiedliche Publikationen, wie der Presserat schreibt. Beiden sei aber gemeinsam, dass sie im Tessin im Jahr 2012 ein grosses Echo und eine Debatte über die Pressefreiheit und die Grenzen der Satire ausgelöst hätten.
Fragen an Boris Bignasca
Das Monatsmagazin der Tessiner SP veröffentlichte im März 2012 einen Artikel mit zehn fiktiven Fragen an Boris Bignasca, Sohn des verstorbenen Lega-Gründers Giuliano Bignasca und Autor beim Mattino della Domenica. Boris Bignasca wurde dabei mit diversen Schimpfworten betitelt und als Kind aus einer zerrütteten Familie beschrieben. Unter anderem wurde behauptet, sein Vater hätte seine Mutter im Stich gelassen, als diese mit ihm schwanger war – und anschliessend keine Alimente gezahlt. Gemäss Presserat sei die Privatsphäre von Bignasca verletzt worden. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Angegriffene selbst den Artikel online publik machte. Der Presserat ergänzte: «Auch wenn sich Boris und Giuliano Bignasca in der Öffentlichkeit pointiert äussern beziehungsweise äusserten, verzichten sie damit nicht gänzlich auf den Schutz ihrer Privatspähre.»
Den Tod gewünscht
Boris Bignasca steht allerdings selbst beim zweiten Teil der Beschwerde am Pranger. Im April 2012 veröffentlichte er im Il Mattino in einer satirischen Rubrik den gegen den Schriftsteller Giovanni Orelli gerichteten Satz «Wir erwarten sehnsüchtig die nächste Veröffentlichung unter dem Namen Giovanni Orelli. In den Todesanzeigen.» Die Zeitung Mattino habe den Satz damals selbst als «Ausrutscher» anerkannt, schreibt der Presserat. Giuliano Bignasca, damals Chefredaktor, habe erklärt, es handele sich um einen einzigen unglücklich formulierten Satz in einem satirischen Gefäss. Boris Bignasca zog damals Konsequenzen und trat aus der Lega aus.
Satire hat Grenzen
Satire dürfe zwar überspitzen, übertreiben und verzerren, schreibt der Presserat. Doch es gebe Grenzen des Erlaubten. Diese seien unter anderem überschritten, wenn Einzelne und Gruppen in ihrer Menschenwürde unerträglich herabgesetzt würden. Das Recht auf Leben bilde den Kern der Menschenwürde, hiess es. (SDA)
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