Grösser ohne mehr Format
Relaunch Die welsche Zeitschrift L’Illustré ist erneuert. Die alten Probleme scheinen aber nur bedingt gelöst.
Relaunch Die welsche Zeitschrift L’Illustré ist erneuert. Die alten Probleme scheinen aber nur bedingt gelöst.
Chefredaktor Christophe Passer scheute sich nicht, bei der Ankündigung des Relaunches seiner Zeitschrift L’Illustré grosse Worte in den Mund zu nehmen: «Einzigartig» werde der Mix aus Aktualität, People-Geschichten und Serviceleistungen sein, den sein Blatt bringen wolle. Ja, man werde das neu gestaltete Heft gar «vergöttern», prophezeite der welsche Journalist in Ringiers Hauszeitschrift Domo.
Die Zeitung Tribune de Genève aus dem Hause Edipresse war bei ihrer Ankündigung des «ehrgeizigen Neukonzepts» (O-Ton Ringier) schon merklich zurückhaltender: Von einem «change de peau», einem Wechsel der Haut, war da die Rede. Im Klartext: von einer rein grafischen Auffrischung. Nun ist das geliftete Heft da – und das Urteil fällt eher ernüchternd aus.
Feine Schriften, dezente Farben
Auf den ersten Blick gefällt das leicht gewachsene Heft (je 1,5 Zentimeter in Breite und Höhe): Die Schriften auf der Titelseite sowie im Heft sind feiner geworden, Serifen und dezente Farben dominieren statt schwarz-weisser Fettdruck wie früher. Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger lächelt einladend – wenn auch etwas brav – von der Front. Im Innern des Magazins signalisiert das erweiterte Inhaltsverzeichnis eine neue Aufgeräumtheit. Doch beim genaueren Hinsehen schleicht sich bald eine Frage in den Vordergrund: Ist das nun wirklich die «nouvelle formule», wie sie angepriesen wird?
Zwar gibt es neue Seiten zum omnipräsenten Thema Wellness, doch solchen Zusatznutzen bietet heutzutage auch jede grössere Tageszeitung. Kaum mehr ins Auge fallen kleinere Änderungen in der Servicesektion wie zum Beispiel die neue Autoseite und die Reisetipps. Auffallend sind hingegen die zahlreichen Archivfotos – eigentlich ein absolutes Tabu für eine Illustrierte mit dem Anspruch, eine aussergewöhnliche Bildsprache zu führen.
«Kein echter Konzeptwechsel»Generell scheint es, dass Illustré nach wie vor an einem Problem krankt: Die Zeitschrift ist ein Gemischtwarenladen. Das, was Daniel Pillard, Chef von Ringier Romandie, als das «Ruhen auf mehreren Pfeilern» bezeichnet, schätzen andere erheblich weniger positiv ein. «Die Zeitschrift will es allen recht machen», sagt Peter Rothenbühler, Chefredaktor von Le Matin und früher lange Zeit Chef bei der sehr erfolgreichen Schweizer Illustrierten. Das führe zum Resultat, dass das
illustrierte Nachrichten-Reportagen-People- und Lebenshilfe-Blatt einen «unentschiedenen Eindruck» vermittle.
Der Chef der «täglichen People-Zeitung Le Matin» des Ringier-Konkurrenten Edipresse hat in den letzten Jahren bei den meisten Illustrierten in Europa eine Zuspitzung auf People-Geschichten festgestellt. Bei Illustré hingegen sei bei der ersten Nummer nach dem Relaunch (noch) kein eigentlicher Konzeptwechsel zu erkennen, ausser dass das Design etwas «femininer und lieblicher» geworden sei.
Für den seit seiner Zeit bei der Schweizer Illustrierten ausgewiesenen People-Experten Rothenbühler ist aber klar, dass der Faktor Mensch auch in Zukunft eine dominante Rolle im Markt der Illustrierten spielen werde, zumal das Reality- und Musicstar-Fernsehen und die Gesellschaftspresse immer stärker zusammenspielen. L’Illustré hat auf diesem Gebiet immerhin einen Pluspunkt, der mindestens für eine Beachtung des Heftes über die ganze Woche garantiert: ein 15-seitiges integriertes TV-Programm.
Illustré-Relaunch: Zur Überraschung bleibt die Radikalkur aus.
Chefredaktor Christophe Passer scheute sich nicht, bei der Ankündigung des Relaunches seiner Zeitschrift L’Illustré grosse Worte in den Mund zu nehmen: «Einzigartig» werde der Mix aus Aktualität, People-Geschichten und Serviceleistungen sein, den sein Blatt bringen wolle. Ja, man werde das neu gestaltete Heft gar «vergöttern», prophezeite der welsche Journalist in Ringiers Hauszeitschrift Domo.
Die Zeitung Tribune de Genève aus dem Hause Edipresse war bei ihrer Ankündigung des «ehrgeizigen Neukonzepts» (O-Ton Ringier) schon merklich zurückhaltender: Von einem «change de peau», einem Wechsel der Haut, war da die Rede. Im Klartext: von einer rein grafischen Auffrischung. Nun ist das geliftete Heft da – und das Urteil fällt eher ernüchternd aus.
Feine Schriften, dezente Farben
Auf den ersten Blick gefällt das leicht gewachsene Heft (je 1,5 Zentimeter in Breite und Höhe): Die Schriften auf der Titelseite sowie im Heft sind feiner geworden, Serifen und dezente Farben dominieren statt schwarz-weisser Fettdruck wie früher. Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger lächelt einladend – wenn auch etwas brav – von der Front. Im Innern des Magazins signalisiert das erweiterte Inhaltsverzeichnis eine neue Aufgeräumtheit. Doch beim genaueren Hinsehen schleicht sich bald eine Frage in den Vordergrund: Ist das nun wirklich die «nouvelle formule», wie sie angepriesen wird?
Zwar gibt es neue Seiten zum omnipräsenten Thema Wellness, doch solchen Zusatznutzen bietet heutzutage auch jede grössere Tageszeitung. Kaum mehr ins Auge fallen kleinere Änderungen in der Servicesektion wie zum Beispiel die neue Autoseite und die Reisetipps. Auffallend sind hingegen die zahlreichen Archivfotos – eigentlich ein absolutes Tabu für eine Illustrierte mit dem Anspruch, eine aussergewöhnliche Bildsprache zu führen.
«Kein echter Konzeptwechsel»Generell scheint es, dass Illustré nach wie vor an einem Problem krankt: Die Zeitschrift ist ein Gemischtwarenladen. Das, was Daniel Pillard, Chef von Ringier Romandie, als das «Ruhen auf mehreren Pfeilern» bezeichnet, schätzen andere erheblich weniger positiv ein. «Die Zeitschrift will es allen recht machen», sagt Peter Rothenbühler, Chefredaktor von Le Matin und früher lange Zeit Chef bei der sehr erfolgreichen Schweizer Illustrierten. Das führe zum Resultat, dass das
illustrierte Nachrichten-Reportagen-People- und Lebenshilfe-Blatt einen «unentschiedenen Eindruck» vermittle.
Der Chef der «täglichen People-Zeitung Le Matin» des Ringier-Konkurrenten Edipresse hat in den letzten Jahren bei den meisten Illustrierten in Europa eine Zuspitzung auf People-Geschichten festgestellt. Bei Illustré hingegen sei bei der ersten Nummer nach dem Relaunch (noch) kein eigentlicher Konzeptwechsel zu erkennen, ausser dass das Design etwas «femininer und lieblicher» geworden sei.
Für den seit seiner Zeit bei der Schweizer Illustrierten ausgewiesenen People-Experten Rothenbühler ist aber klar, dass der Faktor Mensch auch in Zukunft eine dominante Rolle im Markt der Illustrierten spielen werde, zumal das Reality- und Musicstar-Fernsehen und die Gesellschaftspresse immer stärker zusammenspielen. L’Illustré hat auf diesem Gebiet immerhin einen Pluspunkt, der mindestens für eine Beachtung des Heftes über die ganze Woche garantiert: ein 15-seitiges integriertes TV-Programm.
Illustré-Relaunch: Zur Überraschung bleibt die Radikalkur aus.
Patrick Steinemann
