«Gerigate» kostet Weltwoche Urs Paul Engeler

Der renommierte Journalist Urs Paul Engeler wendet sich nach der Affäre um Geri Müller von der Weltwoche ab. Das Blatt habe sich unethisch verhalten.

Engeler, durch zahlreiche Enthüllungsgeschichten einer der bekanntesten Journalisten des Landes, bestätigt den bereits im Branchenblatt Schweizer Journalist geäusserten Bruch mit der Weltwoche nun auch gegenüber der NZZ am Sonntag. Nach seiner Pensionierung schrieb Engler weiterhin für die Wochenzeitung und beriet seine jüngeren Kollegen. Damit ist nun Schluss. Der Grund: Die Weltwoche habe die Leserschaft im Fall um den Fall Geri Müller belogen. Dies raube dem Blatt die Glaubwürdigkeit, so Engeler.

Die Weltwoche habe fälschlicherweise behauptet, sie habe die Nacktselfie-Affäre aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht publik gemacht. So soll der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut Müller am Nachmittag vor Redaktionsschluss per E-Mail kontaktiert haben mit Bitte um Stellungnahme zu sexuellen Bildern, die in Amtsräumen aufgenommen worden seien. Die Weltwoche sei der Ansicht, dass die Öffentlichkeit Anspruch darauf habe, zu wissen, «was so in den Amtsstuben abläuft». Müllers Anwalt antwortete darauf mit einer Abmahnung mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz und die mangelnde Beweislage. Gut liess dadurch noch nicht von der Geschichte ab, sondern kontaktierte Müllers Chatpartnerin mit der Aufforderung, ihm ihr Handy zu überlassen. Das Mobiltelefon hätte die Beweislage gegenüber den vorhandenen Screenshots merklich verbessert. Als sich die Chat-Partnerin weigerte, liess die Weltwoche die Geschichte vorerst fallen.

Als die Schweiz am Sonntag fünf Tage danach die Geschichte veröffentlichte, vollzog die Weltwoche eine 180-Grad-Wende: Gut und Chefredaktor Köppel verteidigten fortan Müllers Privatsphäre und sprachen der Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse am «einvernehmlichen Sexdialog zwischen vernünftigen Erwachsenen» ab. Die Chat-Partnerin und ehemalige Informantin wurde als psychisch-krank bezeichnet und in den Augen Engelers verheizt und öffentlich blossgestellt.

Dominque von Burg, Präsident des Presserates, findet gegenüber der NZZ am Sonntag, ein solches Verhalten sei «mit dem Informantenschutz unvereinbar». Chefredaktor Roger Köppel wollte sich zu «internen Angelegenheiten» nicht äussern. (hae/NZZaS)
 

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