«Es braucht Wettbewerb im Schweizer Medienjournalismus»
Sylvia Egli von Matt ist Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern und Mitherausgeberin einer neuen Zeitschrift für Medienschaffende, die erstmals Ende November erscheinen wird.
Sylvia Egli
von Matt ist Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern
und Mitherausgeberin einer neuen Zeitschrift für Medienschaffende, die
erstmals Ende November erscheinen wird.
WW: Es gibt bereits eine Reihe von Medien, auch
unabhängige, die über Medienthemen und Journalismus berichten. Warum
braucht es gerade jetzt ein neues Magazin?
Sylvia Egli von Matt: Konkurrenz belebt. Man
spricht in der Branche viel von Konzentration, darum finde ich es gut,
wenn der Wettbewerb wieder lanciert wird. Es gibt im Bereich Schweizer
Medienmagazine praktisch keine Konkurrenz, – es gibt sie in PR und in
der Werbung.
WW: ‚Der Journalist’ soll nur alle zwei Monate erscheinen. Ist
es möglich, damit den Bedürfnissen von Journalistinnen und Journalisten
gerecht werden?
Sylvia Egli von Matt: Es hängt davon ab, wie die Themen aufbereitet werden. Es ist keine
Frage der Periodizität. Das Alltägliche ist ja bereits sehr gut durch
Mediennews-Portale wie etwa Klein-Report oder Persönlich.com abgedeckt.
Das Reflexive, Hintergründige kann auch in zweimonatiger Folge
stattfinden.
WW: Innert eines Jahres soll ‚Der Journalist’ die führende
Branchenzeitschrift für Medienschaffende in der Schweiz werden. Woher
der Oprimismus?
Sylvia Egli von Matt: Vor allem wegen der Erfahrungen in Österreich, wo das vergleichbare
Magazin ausserordentlich erfolgreich ist. Der Medienplatz Schweiz ist
zudem vielfältiger als Österreich.
WW: 60 Prozent der Leserschaft sollen
Journalistinnen und Journalisten sein. Das Blatt richtet sich aber auch
an Führungskräfte und Meinungsbilder in Wirtschaft und Politik. Wie
wollen Sie diesen Spagat schaffen?
Sylvia Egli von Matt: Ich bin überzeugt, dass in der heutigen Mediendemokratie das Interesse
an Medienthemen gross. Denn die Medien durchdringen Wirtschaft und
Politik mehr und mehr und verflechten sich mit ihnen. Ich habe die
Hoffnung, wenn sich Wirtschaft und Politik mehr mit Entwicklungen und
Trends unserer Branche befassen, dann auch das Verständnis für
strukturelle Fragen und Arbeitsbedingungen wächst und damit
Verbesserungen mögilch werden.
Interview: René Worni
Neue Zeitschrift für Schweizer JournalistenDie helvetische Medienbranche erhält eine
neue Fachzeitschrift: Der Schweizer Journalist wird Ende November 2005
im österreichischen Medienverlag Oberauer zum ersten Mal erscheinen.
«Wir wollen innerhalb von einem Jahr die wichtigste unabhängige
Branchenzeitschrift für Journalisten in der Schweiz sein», erklärt
Verleger Johann Oberauer sein Ziel. Er gibt unter anderem bereits die
Zeitschrift Der Österreichische Journalist und in Deutschland das
MediumMagazin heraus. Die Redaktion des Schweizer Journalisten wird von
Markus Wiegand in St. Gallen geleitet. Die Zeitschrift wird mit einer
Startauflage von 5100 Exemplaren alle zwei Monate erscheinen. Neben den
Journalisten richtet sich die Zeitschrift auch gezielt an
Führungskräfte in Verlagen, an Meinungsbildner in Politik und
Wirtschaft, Verantwortliche für Marketing und Werbung, Mitarbeiter in
Pressestellen und PR-Agenturen, Pressefotografen und Layouter. Zu den
Herausgebern der neuen Zeitschrift zählen unter anderem Sylvia Egli von
Matt, Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ, und Stephan
Russ-Mohl, Leiter des European Journalism Observatory an der
Universität in Lugano. Den Anzeigenverkauf verantwortet Margareta
Uliarte.
