Ein stolzer Stand-alone
Privatfernsehen Star TV wird als erster nationaler Privatsender 10 Jahre alt – ein Grund zum Feiern.
Paul Grau mit Star TV als erstem nationalem Privatsender der Schweiz
das 10-Jährige feiern.
«Nach zehn Jahren Star TV kann ich
zurückblicken, dass quasi jedes Jahr irgendein Konzern oder ein
Konsortium sich an einer Beteiligung interessiert gezeigt hat»,
sinniert Paul Grau. Leider seien diese Interessen aber immer «im
Macho-Bereich gelandet». Will sagen: Es ist jeweils um die
Aktienmehrheit gegangen. Ein konkretes Angebot hat kürzlich auch ein
grosser Verlag gemacht. Aber für Paul Grau war es wieder die schon oft
erlebte Geschichte. «Man zeigt sich bewundernd, dass ich so lange
überlebt habe, und im nächsten Satz will man mich vom Fenster weghaben.
Ich brauche aber noch mindestens zehn weitere Jahre diesen Kick mit
einem eigenen Sender.»
Bereits 1985 initiierte Paul Grau zusammen mit den Filmverleihern UIP,
Warner Bros., 20th Century Fox, Rialto Film und Monopole Pathé die
Kinovorschau «Trailer Cinema Highlights». Diese hat sich schnell in den
zwölf grössten Kabelnetzen der Schweiz etabliert.
1991 wurde Werbung und Sponsoring auch im Privatfernsehen erlaubt. Paul
Grau baute seine Kinovorschau zu einem werbefinanzierten einstündigen
Filmmagazin aus.
1994 präsentierte er das Projekt eines landesweiten schweizerischen
Fernsehsenders, der die Bereiche Film und Entertainment abdecken
sollte. Partner mit 49 Prozent war der grösste Schweizer
Kabelnetzbetreiber Rediffusion. Grau: «Eigentlich wäre es eine
Fifty-Fifty-Beteiligung gewesen, aber das Bakom hat das
im letzten Moment geändert, weil die Mehrheit am Privatfernsehen
schweizerisch sein musste – und Rediffuson war in der Hand der
französischen Alcatel.»
Der Entscheid des Bakom entpuppte sich im Nachhinein als günstig. «Nur
mit dieser Mehrheit konnte ich später die Turbulenzen beim Verkauf der
Rediffusion an Cablecom überleben», weiss Grau.
Am 3. Mai 1995 erhielt der Pionier in Schlieren vom Bundesrat die
Konzession für einen nationalen Fernsehsender. Am 31. August 1995 geht
Star TV als erster nationaler Privatfernsehsender der Schweiz «on air».
Und damit begann der harte Kampf in einer Szene, in der bis jetzt
einzig die Sender mit einem starken Verlag im Hintergrund überleben
konnten. Aber: «Alle Angebote für eine Übernahme waren jeweils im Stil
einer Schnäppchenjagd zu sehen.» Auch Roger Schawinski habe einmal per
Telefon ein Angebot gemacht. Das war noch vor der Konzessionserteilung
an Tele 24, und der damalige Chef von TeleZüri telefonierte spontan von
einer Skipiste aus.
Eine Figur, die in dieser Zeit eine wichtige Rolle auch für Star TV
spielte, war Beat Curti. Dieser hatte kurz nach Star TV mit der
Rediffusion den Sender Züri 1 gegründet. In dieses Konglomerat mit den
Produzenten Urs Emmenegger und Martin Weiss floss auch Eden TV ein.
Diesen Kanal hat Paul Grau als seinen zweiten Sender zusammen mit dem
damaligen Werbewoche-Chefredaktor Piero Schäfer und Helmi Sigg
betrieben. Grau konnte sich «dieses Hobby» leisten, weil er nicht nur
viele Videoclips für Yello, Udo Jürgens oder Nina Hagen produziert hat,
sondern auch RTL in Deutschland regelmässig mit Beiträgen aus der
Schweiz beliefern konnte. «So habe ich ohnehin einen Pool von
Filmtechnikern beschäftigt.»
Ausgestrahlt wurde das Programm von Eden TV Anfang Neunzigerjahre auf
dem Info-Kanal der Rediffusion. Grau wollte die Idee allerdings
professionalisieren. «Wir hatten die Vorstellung, dass wir aus diesem
Copain-Fernsehen rauswachsen und richtiges Privatfernsehen machen
wollten.» Dazu brauchte es aber einen Investor mit Geld oder einen
Verlag. Also klapperte man ausser der NZZ jeden Verlag ab und landete
schliesslich bei Beat Curti. «Unsere Bibel für die Partnersuche war die
Bilanz mit ihrer Ausgabe der damals hundert reichsten Schweizer.»
Tatsächlich nahm Beat Curti die Idee eines privaten Fernsehens auf und
schlug sie Roy Simmens, dem damaligen Generaldirektor der Rediffusion,
vor. Daraus entstand Züri 1. Doch Beat Curti hatte Grösseres im Sinn.
«Mit seiner IP Multimedia hatte er bereits die
RTL-Programmfenstergeschichte im Kopf und dazu ein Konzessionsgesuch
laufen», verrät Grau. Nachdem das Fenstergesuch von RTL erstmals
abgewiesen worden war, war bei den Investoren auch das Interesse an
Züri 1 nicht mehr da. Der Sender wurde eingestellt.
«Uns hat das enttäuscht. Wir haben aber allein weitergemacht und Eden TV in das bereits existierende Star TV integriert.»
Dieses wurde zuerst weiterhin durch die IP Multimedia vermarktet. Dann
wurde nach etwas mehr als zwei Jahren Rediffusion von Cablecom
aufgekauft. Als Folge wollte sich
Cablecom auch von der damit übernommenen 49-Prozent-Beteiligung an Star
TV lösen. So kam Grau 1997 «wie die Jungfrau zum Kind» zu 100 Prozent
der Aktien von Star TV, weil sein Sender in dieser Pionierzeit noch
rote Zahlen schrieb und niemand anderer mitbieten wollte.
«Das war die grösste Herausforderung meines Lebens», sagt Grau. «Ich
bin auf den 100 Prozent gesessen und wollte das Schicksal von Star TV
in die Hand nehmen.» Aber keine Bank und kein Investor wollten weiteres
Geld für Star TV geben.
Der nun noch mehr geforderte CEO fing ein körperliches Fitness-Programm
an und sprach auch bei Beat Curti vor, um sich aus dem langjährigen
Vertrag mit der IP Multimedia zu lösen.
1996 wurde der Programmloop auf vier Stunden ausgebaut. 1998 erteilte
der Bundesrat eine erweiterte Konzession, die dem Sender die
Weiterentwicklung in Richtung Vollprogramm ermöglichte. 1999 erwarb der
Werber und Journalist Walter Bosch 29 Prozent der Aktien. Diese hält er
immer noch. Grau meint über seinen Partner: «Walter Bosch ist für
unseren Sender sehr wertvoll und einer meiner besten Geschäftsfreunde.
Man kann mit ihm zusammen Probleme sehr gut besprechen und lösen.»
Star TV hat jeweils als einer der ersten Sender auf neue Entwicklungen
reagiert. Man positionierte sich neu zum Zielgruppenfernsehen für
Lifestyle und Entertainment. Auch interaktive Tools und Formate werden
immer wichtiger. Seit geraumer Zeit besitzt Star TV auch eine
zusätzliche Konzession für den Ausbau als Game-Kanal. Und weil der Name
Programm ist, stehen natürlich noch viele weitere Pläne in den
Sternen.
Andreas Panzeri
