Die Zehnder-Anzeiger könnten weniger als 10 Millionen Franken gekostet haben

«Keine zehn Millionen Franken» hätten die von der BaZ-Holding gekauften Gratiszeitungen gekostet, vermutet die Schweiz am Wochenende und spricht von einem «Scheinimperium».

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Die Zeitung beruft sich dabei auf die Eröffnungsbilanz der Firma Regiomedia, die im April gegründet wurde, um die Regionaltitel aus dem Unternehmen Zehnder Print herauszulösen – und so für einen Verkauf bereit zu machen.

In der Bilanz würde der Wert aller Titel mit maximal 14 Millionen Franken beziffert. Abzüglich einer Wertberichtigung von 9 Millionen Franken bliebe ein Netto-Bilanzwert von 5 Millionen Franken. Nicht dabei in diesem Gesamtwert ist die Zuger Woche, die in der Bilanz separat geführt wird.

In der Annahme, dass der 2016 bei 830’000 Franken liegende Gewinn des gesamten Unternehmens Zehnder Print, zu dem auch das Druck- und Immobiliengeschäft gehören, vor allem mit den Regionaltiteln erwirtschaftet wurde, schätzt die Schweiz am Wochenende den Kaufpreis «nach gängiger Bewertungspraxis von Printtiteln» auf weniger als 10 Millionen Franken. Sei der Gewinnanteil des Zeitungsgeschäfts kleiner, dürfte der Kaufpreis noch geringer ausgefallen sein, wird vermutet.

Damit werde der vermeintliche Machtzuwachs des «Blocherschen Medienimperiums» relativiert. Die BaZ-Holding hatte bei der Übernahme vermeldet, man werde nach Tamedia, Ringier und der NZZ-Gruppe «die klare Nummer vier» im Printbereich. Diese Aussage bezieht sich auf die WEMF-beglaubigten Leserzahlen. Gemessen an der totalen Auflage ist die BaZ-Holding nach Tamedia neu sogar Nummer zwei.

Folgen bald nächste Käufe?

Allerdings könnte die Einkaufstour bald weitergehen. So soll Markus Somm, BaZ-Chefredaktor und Mitbesitzer der BaZ-Holding, bei der internen Präsentation der Zehnder-Übernahme vor der Belegschaft angekündigt haben, dass auch in der Region Basel Anzeiger aufgebaut oder eingekauft werden sollen.

Als potentieller nächster Verkäufer wird der ehemalige Verkaufsleiter der Zehnder-Gruppe, Giuseppe Nica genannt. Dieser gibt in unregelmässigen Abständen siebzig Anzeigertitel – darunter die Basler Woche – mit einer Gesamtauflage von über einer Million Exemplaren heraus.

Den Machtzuwachs der BaZ-Holding sieht die Schweiz am Wochenende auch dadurch relativiert, dass es Gratisanzeigern generell schwer falle, journalistische Impulse zu setzen. Wer sich beispielsweise politisch exponiere, gefährde sich rasch existentiell. Ausserdem drohe bei redaktionellen Investitionen schnell das Erfolgsmodell zu kippen.

«Die Käuferschaft ist sich sehr bewusst, dass man bei unseren Titeln mit nationalen, insbesondere politischen Themen keine Leser und somit auch keine Inserenten gewinnt», hat Verkäufer Andreas Zehnder im Interview mit den Wiler-Nachrichten gesagt.

Das Medienhaus AZ Medien, zu dem die Schweiz am Wochenende gehört, gibt selbst Gratisanzeiger in einer Auflage von 440’000 Exemplaren heraus. Dazu gehören unter anderem der Berner Landbote und der Lenzburger Bezirksanzeiger. (hae)

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