Charles von Graffenried verstorben
Charles von Graffenried ist in der Nacht auf Dienstag verstorben. Der Gründer von Espace Media gehörte seit 2007 dem Verwaltungsrat der Schweizer Mediengruppe Tamedia an.
Verwaltungsrat, Unternehmensleitung und Mitarbeitende von Tamedia trauern um Charles von Graffenried und drücken der Trauerfamilie ihr Beileid aus. Dies schreibt Tamedia am Dienstagabend in einem Communiqué.
Der 1925 geborene Rechtsanwalt und Notar von Graffenried war Gründer und Verwaltungsratspräsident des Berner Medienunternehmens Espace Media und Verleger der Berner Zeitung und der Zeitung Der Bund. Mit dem Verkauf von Espace Media an Tamedia wurde von Graffenried 2007 auch Verwaltungsrat des Zürcher Medienhauses. Von Graffenried gehörte ausserdem die Von-Graffenried-Gruppe (GR), mit der Privatbank Von Graffenried, einem Liegenschaftsunternehmen, einem Treuhandbüro und einem Rechtsbereich. Sein Vermögen wurde vom Wirtschaftsmagazin Bilanz 2010 auf 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt.
«Ich will nicht der Bund-Killer sein»
Der aus einer der bekanntesten Berner Familien stammende von Graffenried setzte den Grundstein zu seiner Verlegerkarriere, als er als Unternehmer 1979 aus der Fusion der Berner Nachrichten und dem Berner Tagblatt die Berner Zeitung BZ bildete. Aus der BZ-Herausgeberin für das Berner Tagblatt ging via Berner Tagblatt Medien 2001 die Espace Media hervor. Somit war in Bern während vieler Jahre ausgerechnet von Graffenried – der Berner Patrizier – als Verleger der BZ Gegenpart des Berner Traditionsblatts Der Bund, der bis 1995 unabhängig blieb und viel mehr die bürgerlich-liberale Tageszeitung vom Stil eines von Graffenried war, als die Berner Zeitung.
Es war aber schliesslich von Graffenried, der 2003 den damals schwer defizitären Bund rettete, indem er einen Teil der NZZ-Anteile am Bund übernahm und diese Zeitung gemäss dem sogenannten Berner Modell unter das Dach der Espace Media nahm. «Ich habe immer gesagt, dass ich nicht der Bund-Killer sein will», sagte von Graffenried damals.
Der Bund und Berner Zeitung lebten fortan als redaktionell eigenständige Blätter neben- respektive miteinander weiter. Das ist auch heute noch so, nachdem sich 2007 Tamedia und die Espace Media zusammenschlossen. Von Graffenried trug insofern dazu bei, dass in Bern auch heute noch zwei Tageszeitungen erscheinen – die er jahraus, jahrein – beide las.
Engagement über den Tod hinaus
Von Graffenried machte sich für die Presse auch mit dem Preis für Lokaljournalismus verdient, der bis 2010 jeweils unter dem Titel «BZ-Preis für Lokaljournalismus» verliehen wurde, ab 2011 unter der Bezeichnung «Medienpreis der Stiftung Reinhardt von Graffenried». Mit diesem Preis wird das Engagement des bekanntesten Berner Verlegers für die Presse also über dessen Tod hinaus weitergehen. (SDA)
(Bild: Keystone)
