Bürde für den Bund
Gratisanzeiger Der Anzeiger Region Bern wäre eigentlich lukrativ für den Bund, wenn nur die Konzessionsabgabe an die Gemeinden nicht wäre. So aber ist er ein Klotz am Bein. Derweil hebt das Konkurrenzblatt Berner Bär ab.
Gratisanzeiger Der Anzeiger Region Bern wäre eigentlich lukrativ für den Bund, wenn nur die Konzessionsabgabe an die Gemeinden nicht wäre. So aber ist er ein Klotz am Bein. Derweil hebt das Konkurrenzblatt Berner Bär ab.Es herrschte Hochkonjunktur, als der Bund Verlag und Espace Media (damals noch Berner Tagblatt Medien) sich um die von der Stadt Bern und 14 umliegenden Gemeinden ausgeschriebene fünfjährige Konzession für den neuen Anzeiger Region Bern (ARB) bewarben. Mitte 2000 erhielt der Bund den Zuschlag – er hatte eine jährliche Mindest-Konzessionsabgabe von 3,7 Millionen Franken offeriert, die Konkurrenz hatte 3,5 Millionen Franken geboten.Der Triumph über die Konkurrenz entpuppte sich für den zur NZZ-Gruppe gehörenden Bund bald schon als Pyrrhussieg. Denn trotz geringer Redaktionskosten (bernische Anzeiger erscheinen – von amtlichen Mitteilungen abgesehen – ohne redaktionelle Inhalte) und einer Bruttostreuung in alle Haushalte war der ARB seit seinem Start im Januar 2001 für den Bund ein Verlustgeschäft. Der Hauptgrund ist der Anzeigenrückgang.
Rechnung ohne Flaute gemacht
Die viermal wöchentlich erscheinende ARB-Stadtausgabe (80464 Exemplare) verlor 2002 gegenüber dem Vorjahr 20 Prozent ihres Volumens, die zweimal wöchentlich erscheinende Regionalausgabe (58665 Exemplare) konnte nur 12,9 Prozent weniger Seiten generieren. Die Folge war eine Umsatzeinbusse von 19 Prozent. «Als wir 1999 unsere Offerte einreichten, haben wir nie mit diesem Inseraterückgang gerechnet», sagt Raoul Wanger, ARB-Verlagsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung des Bund Verlags. Schon im Jahre 2001 hätten die Einnahmen nicht genügt, um auch die Konzessionsabgabe zu decken. «Wir mussten bisher immer drauflegen», sagt Wanger. Und er fügt hinzu: «Der ARB ist derzeit für uns ein recht grosser Klotz am Bein.»
Letztes Jahr wurde das Steuer herumgerissen: Mit dem Segen des Berner Gemeinderates erscheint die ARB-Stadtausgabe seit Anfang 2003 noch dreimal – wodurch gemäss Wanger jährlich 600000 Franken gespart werden können. Zudem hat das aus acht amtlichen Anzeigern bestehende Kombi «Anzeiger Region Bern plus», bei dem der ARB gut die Hälfte der Auflage beisteuert, seinen Farbzuschlag um 44 Prozent gesenkt. Ein ganzseitiges vierfarbiges Inserat kostet beim ARB plus neu 23438 Franken, letztes Jahr wurden noch 27900 Franken verlangt. Der Farbzuschlag war «nicht marktgerecht», gesteht Walter Althaus, Direktor der Publicitas Bern. Deshalb hat das Kombi, das letztes Jahr 50 Inserateseiten (+20%) brachte, praktisch keine Farbanzeige geholt.
Trotz dieser Massnahmen erwartet Wanger dieses Jahr wieder rote Zahlen in der ARB-Rechnung. «Die Reduktion kommt uns zwar entgegen, löst aber unser Problem nicht», sagt er. Eine weitere Sparrunde bei den Ausgaben erwägt er nicht. «Das würde dem Produkt schaden», sagt er. Schon die Einschränkung auf drei Ausgaben habe man primär beantragt, um den ARB wegen der schwach gebuchten Donnerstagausgabe vor Imageschaden zu bewahren.
Nur ein Fünftel des Volumens
Während man sich beim ARB sorgt, erfreut sich das Konkurrenzblatt Berner Bär (BB, 141579 Exemplare) der Espace Media offenbar guter Gesundheit. Das Gratisblatt erreicht zwar Haushalte mit Stopp-Klebern nicht, macht dieses Manko aber mittels Boxen wett. Weil der BB nur zweimal pro Woche erscheint, hat er tiefere Druckausgaben. Andererseits bietet er redaktionelle Inhalte, weshalb entsprechende Kosten anfallen – jedoch keine Konzessionsabgaben in Millionenhöhe. Wohl erreicht das BB-Inseratevolumen nur etwa ein Fünftel von jenem des ARB, doch dieses Volumen konnte der BB letztes Jahr halten (– 0,7%). Zudem trumpft er immer wieder mit ganzseitigen Farbanzeigen auf. Umsatzmässig habe der BB deshalb brutto um 6,5 Prozent zugelegt, sagt Paul Galli, Mitglied der Unternehmensleitung der Espace Media und dort zuständig für die Lokalblätter.
Den Vorwurf, der BB betreibe Preisdumping, lässt Galli nicht gelten. Sein Blatt könne sich das gar nicht leisten, es werde ja nicht quersubventioniert. Und dass das Kombi ARB plus mit dem tieferen Farbzuschlag dem BB Anzeigen wegnehmen könnte, glaubt er nicht: «Das ARB plus war bisher auf dem Markt nicht relevant. Man hat beim ARB plus lange nicht gemerkt, dass man zu teuer war.»
Der Berner Bär hat, was das Berner Anzeigerkombi nicht hat: Farbanzeigen. Sie verleihen ihm Flügel und lassen Geld in die Kasse flattern.
Markus Knöpfli
Rechnung ohne Flaute gemacht
Die viermal wöchentlich erscheinende ARB-Stadtausgabe (80464 Exemplare) verlor 2002 gegenüber dem Vorjahr 20 Prozent ihres Volumens, die zweimal wöchentlich erscheinende Regionalausgabe (58665 Exemplare) konnte nur 12,9 Prozent weniger Seiten generieren. Die Folge war eine Umsatzeinbusse von 19 Prozent. «Als wir 1999 unsere Offerte einreichten, haben wir nie mit diesem Inseraterückgang gerechnet», sagt Raoul Wanger, ARB-Verlagsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung des Bund Verlags. Schon im Jahre 2001 hätten die Einnahmen nicht genügt, um auch die Konzessionsabgabe zu decken. «Wir mussten bisher immer drauflegen», sagt Wanger. Und er fügt hinzu: «Der ARB ist derzeit für uns ein recht grosser Klotz am Bein.»
Letztes Jahr wurde das Steuer herumgerissen: Mit dem Segen des Berner Gemeinderates erscheint die ARB-Stadtausgabe seit Anfang 2003 noch dreimal – wodurch gemäss Wanger jährlich 600000 Franken gespart werden können. Zudem hat das aus acht amtlichen Anzeigern bestehende Kombi «Anzeiger Region Bern plus», bei dem der ARB gut die Hälfte der Auflage beisteuert, seinen Farbzuschlag um 44 Prozent gesenkt. Ein ganzseitiges vierfarbiges Inserat kostet beim ARB plus neu 23438 Franken, letztes Jahr wurden noch 27900 Franken verlangt. Der Farbzuschlag war «nicht marktgerecht», gesteht Walter Althaus, Direktor der Publicitas Bern. Deshalb hat das Kombi, das letztes Jahr 50 Inserateseiten (+20%) brachte, praktisch keine Farbanzeige geholt.
Trotz dieser Massnahmen erwartet Wanger dieses Jahr wieder rote Zahlen in der ARB-Rechnung. «Die Reduktion kommt uns zwar entgegen, löst aber unser Problem nicht», sagt er. Eine weitere Sparrunde bei den Ausgaben erwägt er nicht. «Das würde dem Produkt schaden», sagt er. Schon die Einschränkung auf drei Ausgaben habe man primär beantragt, um den ARB wegen der schwach gebuchten Donnerstagausgabe vor Imageschaden zu bewahren.
Nur ein Fünftel des Volumens
Während man sich beim ARB sorgt, erfreut sich das Konkurrenzblatt Berner Bär (BB, 141579 Exemplare) der Espace Media offenbar guter Gesundheit. Das Gratisblatt erreicht zwar Haushalte mit Stopp-Klebern nicht, macht dieses Manko aber mittels Boxen wett. Weil der BB nur zweimal pro Woche erscheint, hat er tiefere Druckausgaben. Andererseits bietet er redaktionelle Inhalte, weshalb entsprechende Kosten anfallen – jedoch keine Konzessionsabgaben in Millionenhöhe. Wohl erreicht das BB-Inseratevolumen nur etwa ein Fünftel von jenem des ARB, doch dieses Volumen konnte der BB letztes Jahr halten (– 0,7%). Zudem trumpft er immer wieder mit ganzseitigen Farbanzeigen auf. Umsatzmässig habe der BB deshalb brutto um 6,5 Prozent zugelegt, sagt Paul Galli, Mitglied der Unternehmensleitung der Espace Media und dort zuständig für die Lokalblätter.
Den Vorwurf, der BB betreibe Preisdumping, lässt Galli nicht gelten. Sein Blatt könne sich das gar nicht leisten, es werde ja nicht quersubventioniert. Und dass das Kombi ARB plus mit dem tieferen Farbzuschlag dem BB Anzeigen wegnehmen könnte, glaubt er nicht: «Das ARB plus war bisher auf dem Markt nicht relevant. Man hat beim ARB plus lange nicht gemerkt, dass man zu teuer war.»
Der Berner Bär hat, was das Berner Anzeigerkombi nicht hat: Farbanzeigen. Sie verleihen ihm Flügel und lassen Geld in die Kasse flattern.
Markus Knöpfli
