Alles so schön bunt hier

Gratisblätter Anspruchslosigkeit als Programm: Das neue Promimagazin Schein wurde fürs eilige Durchblättern optimiert.

Gratisblätter Anspruchslosigkeit als Programm: Das neue Promimagazin Schein wurde fürs eilige Durchblättern optimiert.
«Wir wollen kein Szeneheftli sein», sagt Sacha Ercolani über Schein, sein neues Gratismagazin. Das wäre ja noch nichts Neues: Mit Kult hat sich bereits die Mutter der Szeneheftli zum Kunstmagazin gemausert. Aber Ercolani doppelt nach: «Wir streben auch keinen kulturellen oder intellektuellen Höhenflug an.» Schein ist einfacher gestrickt: Zehn Minuten leichte Unterhaltung für ein breites Publikum sind das Ziel. Geboten wird Klatsch und Tratsch über die jüngere Schweizer Cervelatprominenz.Schlank, plakativ, simpel
Von Kult hat Schein aber dennoch etwas übernommen – den Essenzialismus, den Werber Frank Bodin gerne in seiner Kult-Kolumne predigt. Das Magazin ist im besten Sinne «reduced to the max». Maximal 28 Seiten soll es umfassen, zehn davon sind für Werbung vorgesehen. Das Layout ist simpel und plakativ. Rote Titelbalken und blau unterlegte Kästchenartikel führen das Auge des Lesers im Schnellzugtempo über die Seiten, auf die ihn zuerst Bilder von schönen Frauen gelockt haben. Der Informationsgehalt ist so gering, dass das Gelesene ebenso schnell wieder vergessen werden kann. Einzige Ausnahme ist die Titelgeschichte, in der Pilotnummer ein Interview mit Ex-Miss-Schweiz Jennifer Ann Gerber. Sie erstreckt sich über mehrere Seiten. Damit wird der eilige Leser dazu verleitet, Schein doch noch für eine eventuelle spätere Lektüre einzupacken. Oder für ein zweites Studium der Fotos von Frau Gerber …
Laut Sacha Ercolani ist Schein gut gestartet. Die Pilotnummer von Ende März enthielt bereits viereinhalb Anzeigenseiten. Die erste reguläre Ausgabe – sie erscheint Mitte Mai – sei praktisch ausgebucht. Da Schein keine vollamtliche Redaktion besitzt, sind die Kosten gering. Dabei ist der Anzeigenverkauf nicht der einzige Gewinn, den die Macher aus dem Magazin schlagen. Es dient gleichzeitig als Plattform für ihre weiteren Aktivitäten. Sacha Ercolani ist mit seiner Firma Ersa Entertainment vor allem als Musikproduzent tätig. Unter anderem für Gewendolin Rich, die einen Auftritt in der Pilotnummer hat. Als Partner für Berichte aus der Welt der Models fungiert die Agentur Visage, die in der Erstausgabe den Wettbewerb «Ford Supermodel of Switzerland» lancieren wird. Partyorganisator Carl Hirschmann durfte nicht nur den Launchevent von Schein veranstalten, sondern auch in der Pilotnummer über sein Erfolgsrezept und seine Affäre mit Paris Hilton erzählen.
Mit den Moderatorinnen Shiva Arbabi (Energy Zürich), Cécile Bähler (Viva) und Claudia Lässer (Star TV) als freien Mitarbeiterinnen ist Schein auch crossmedial vernetzt. Partyfotos liefert die Ausgehplattform Tilllate.ch. Aus einem Bericht der Promisendung «People» auf Sat 1 Schweiz ist zudem eine inhaltliche Kooperation für die Erstausgabe gewachsen.
Sechsmal jährlichSchein erscheint sechsmal im Jahr und wird kostenlos in der Deutschschweiz verteilt. Die 50000 Exemplare liegen in Szenelokalen, Hotels, Kinos, Boutiquen, Galerien und Fitnesscentern auf. Als Hauptzielgruppe spricht das Promimagazin die 20- bis 35-Jährigen an. Herausgeberin ist die Firma Ersa Entertainment in Kriens. Dahinter steht der Musikproduzent Sacha Ercolani, der das Magazin in Eigenregie produziert. Unterstützt wird er von einer Reihe freier Mitarbeiter. Der Seitenpreis vierfarbig beträgt 5900 Franken.
Viel Rot, viel Blau und viele Köpfe: Pilotnummer von Schein.
Stefano Monachesi

More articles on the topic