«Alle Verlage können wir nicht beteiligen»
Verleger Michael Ringier spricht im Interview mit der Schweiz am Sonntag über Admeira und die Zukunft des Journalismus – und derjenigen von Ringier.
Im ausführlichen Interview mit Christof Moser und Patrik Müller weicht Ringier dem Vorwurf, Ringier arbeite im Rahmen der gemeinsamen Werbevermarktung Admeira mit zwei Staatsbetrieben zusammen, teilweise aus. Swisscom sei eine börsenkotierte Firma und ob sie noch lange mehrheitlich im Besitz des Bundes sei, werde man sehen. Ringier unterstreicht aber nochmals das vielgehörte Ausland-Argument: 55 Prozent des digitalen Werbekuchens gehe ins Ausland, davon müsse man sich etwas zurückholen. Er schliesse nicht aus, dass sich auch andere Medienunternehmen beteiligen könnten. «Alle Verlage können wir aber nicht beteiligen», fügt der Verleger aber an. Es gehe nicht darum, sich gegenseitig zu benachteiligen – sondern darum, dass Daten der einzige Weg seien, um Werbung zu generieren. Wenn es nicht gelinge, in dieses Geschäft vorzudringen, könne man «den Laden dichtmachen».
Gegen den Verband Schweizer Medien schiesst Ringier scharf: Dieser habe keine Daseinsberechtigung, solange ein Teil der Medienrealität ausgesperrt werde. «Wir müssen die neuen Player an Bord holen. Einen Täubeli-Verein braucht niemand».
Bezüglich Zukunft und Nachfolgeregelung lässt sich der Verleger nicht in die Karten blicken. Er habe Nachfolger, betont er. Ob CEO Marc Walder einst in seine Fussstapfen treten könnte, lässt Ringier offen. Und wird doch deutlich: «Klar ist, dass Ringier die einzige Firma bleiben muss, für die Marc je gearbeitet hat».
«Sollen wir nur noch Fashion Nights organisieren?»
«Grundsätzlich Sorgen» macht sich Michael Ringier um den Journalismus und um dessen Stellung in der Demokratie. Er fragt sich, wie aufwendiger Journalismus, der «absolut essenziell für eine demokratische Gesellschaft» sei, in Zukunft finanziert werden soll. Auf Smartphones könne man Display-Werbung vergessen und ein durch Stiftungen finanzierter Journalismus verliere die Verankerung in der Gesellschaft. Und auch vom Modell, Zeitungen wieder wie früher über Kleinanzeigen zu querfinanzieren, ist Ringier wenig begeistert. Es gehe auch um die Ausstrahlung der Firma: «Sollen wir nur noch Kleinanzeigen finanzieren? Fashion Nights organisieren?» Ohne Journalismus werde Ringier zu einer anderen Firma.
Aber nicht nur um Ringier selbst sorgt sich der Verleger – auch um die Konkurrenz. Es gehe darum, das der Journalismus in den richtigen Händen bleibe. Würde etwa die NZZ in die falschen Hände geraten («eine wunderbare Beute»), würde die Schweiz eine wichtige Stimme verlieren und dem Land etwas fehlen. (hae/Schweiz am Sonntag)
Foto: Ringier.ch
