20 Minuti lehnt Tierschutz-Inserat ab
Vergeblich versuchte der Schweizerische Tierschutz STS bei 20 Minuti ein aktuelles Inserat zu schalten, welches die Migros auffordert, Stopfleber aus dem Sortiment zu nehmen. Werbewoche.ch hat nachgefragt, wieso.
Am 12. Juni erhielt die verantwortliche Agentur Q Kommunikation, welche die Schaltung bei Tamedia/20 Minuten in Basel in Auftrag gab, die schriftliche Bestätigung für den 17. Juni 2015. Vier Tage später wurde ihr telefonisch mitgeteilt, dass 20 Minuti das Inserat ablehnen würden. Auf Nachfrage hiess es: «Ohne Begründung».

Das Inserat richtet sich an die Migros-Genossenschaft. Sie wird demnächst darüber entscheiden, ob sie auch in der Westschweiz und im Tessin die tierquälerische Stopfleber («Foie Gras») aus dem Sortiment verbannen will. In der Deutschschweiz verzichtet die Migros seit Jahren auf den Verkauf. Konkurrent Coop hat das Produkt, das aufgrund der Tierschutzgesetze nicht in der Schweiz hergestellt werden darf und importiert werden muss, bereits in den 90er Jahren gesamtschweizerisch aus den Regalen geworfen und bietet nur noch ungestopfte Geflügelleber an. Dieser Schritt wird vom STS auf besagtem Inserat nun auch von der Migros gefordert. Stopfleber wird vom Schweizerischen Tierschutz als «eine der schlimmsten Formen von Tiermisshandlungen» bezeichnet.
Einseitige Nennung problematisch
Da es in der heutigen Zeit eher ungewöhnlich ist, dass Verlage zahlende Inserenten abweisen, hat Werbewoche.ch bei Tamedia nach den Gründen gefragt. Man habe sich gegen die Annahme entschieden, weil das Inserat nur gegen einen Marktteilnehmer spiele, obwohl auch andere Detailhändler Foie Gras im Sortiment hätten, so Michele Paparone, Projektleiter Unternehmenskommunikation bei Tamedia, gegenüber Werbewoche.ch. Die einseitige Nennung der Migros im Inserat sei daher als rechtlich problematisch einzustufen, da das exemplarische Anprangern eines einzelnen Marktteilnehmers in den Bereich des unlauteren Wettbewerbs fallen könne. «Wären im Inserat alle wesentlichen Detailhändler, die das in Frage gestellte Produkt anbieten, gelistet worden, hätten wir das Inserat publiziert.», so Paparone.
Nach anfänglicher Empörung nimmt man beim STS die Begründung gelassen und mit einem gewissen Verständnis zur Kenntnis. «Das kann man so sehen – wir hätten die anderen fehlbaren Detailhändler durchaus auch auflisten können», so die Medienverantwortliche Helen Sandmeier gegenüber Werbewoche.ch. Allerdings sei in der Schweiz von der wirtschaftlichen Bedeutung nur Coop mit der Migros vergleichbar und daher habe man sich auf die Nennung der beiden Hauptkonkurrenten beschränkt – zumal andere Stopfleber-Verkäufer wie Denner, Globus oder Manor ohnehin Migros gehörten. «Uns ging es darum, konkret die jeweiligen Migros Genossenschaften anzusprechen, weil wir mitbekommen haben, dass das Produkt dort intern in nächster Zeit diskutiert wird – erstaunlicherweise hat die Publikation in der Romandie, wo Stopfleber viel populärer ist und zum Teil als Kulturgut angeschaut wird, problemlos geklappt», so Sandmeier. Der Werbeträger: Le Matin aus dem Hause Tamedia. (hae)
