20 Minuten will auf die TV-Pläne von Blick reagieren

Ringier investiert Millionen in Blick-TV. Tamedia will mit dem Newsportal 20 Minuten nicht tatenlos zusehen, wie die Konkurrenz das boomende Bewegtbild-Geschäft bewirtschaftet.

blick-tv-20minuten

In rund zwei Monaten legt Ringier mit Blick-TV los. 48 Stellen wurden geschaffen. Sie werden teilweise mit Mitarbeitenden aus anderen hausinternen Abteilungen besetzt, teilweise wurden etablierte TV-Leute der Konkurrenz abgeworben. Allen voran Ex-SRF-Aushängeschild Jonas Projer, der seither das Projekt Blick-TV als Chefredaktor mit gelebtem Enthusiasmus und grossem Optimismus vorantreibt.

Ringier-CEO Marc Walder sagt zur NZZ am Sonntag, man wisse gar nicht genau, wie viel Geld man schon in Blick-TV investiert habe, es sei «eine Herzensangelegenheit».

 

Gezielte Werbung statt Streuverluste

Blick TV will anders sein als herkömmliches Fernsehen. Digital, auf die Nutzer von Smartphones ausgerichtet. Pro Stunde gibt es von 6 bis 23 Uhr eine neue Sendung à 15 Minuten, die im Anschluss dreimal wiederholt wird. Die Sendungen bestehen aus Beiträgen von je zwei bis drei Minuten. Vor-, während- und nach den Beiträgen wird Werbung eingestreut. Datengetrieben werden Botschaften individuell auf die Endnutzer zugeschnitten. Während das klassische Fernsehen mit Streuverlusten und in der Folge schwindenden Werbeerträgen kämpft, will man bei Blick-TV den Nerv der Werbetreibenden treffen. Laut NZZ am Sonntag erzielte Blick.ch schon im vergangenen Jahr 400 Millionen Klicks auf Videobeiträge – mit Blick TV sollen es in Zukunft noch viel mehr werden.

 

Drei Minuten später wird berichtet

Die Stärken des neuen Formates soll dabei vor allem die Geschwindigkeit sein. Die Vorgabe von Marc Walder: 180 Sekunden nach Verbreitung von Nachrichten über grosse Ereignisse muss der Sender auf das Thema einsteigen müssen. Dank einer Kooperation mit CNN soll dies auch bei internationalen Ereignissen möglich sein.

Dennoch: Experten und Konkurrenten bleiben skeptisch respektive gelassen. TV-Experte Christoph Bürge erinnert daran, dass es in der Schweiz noch keinem Privaten gelungen sei, im elektronischen Bereich mit News Geld zu verdienen. Der Werbevermarkter Goldbach, der für die meisten privaten Sender die Werbung betreut, schreibt auf Anfrage der NZZ am Sonntag, man erwarte keine «spürbare Verlagerung der Werbegelder aufgrund Blick TV». Und die SRG findet, das Angebot von Blick TV sei nicht vergleichbar mit dem eigenen und konkurriere eher Youtube oder grosse Web-TV-Plattformen.

 

20 Minuten baut eigenen Web-TV-Kanal auf

Für einen Konkurrenten sind die Pläne von Ringier aber mit Sicherheit kein Nebenschauplatz. Mit 20 Minuten betreibt Tamedia (ab 2020 TX Group) das reichweitenstärkste Newsportal der Schweiz – vor Blick.ch. Einst als kostenlose Pendlerzeitung lanciert, ist 20 Minuten heute eine umfassende Medienmarke, die seit neustem auch einen eigenen Radiosender betreibt. Ab Januar 2020 bildet 20 Minuten in der neu gebildeten TX Group ein eigenes Unternehmen (Werbewoche.ch berichtete).

Und wie die Schweiz am Wochenende in der aktuellen Ausgabe schreibt, will man auch im TV-Bereich nachziehen, statt dieses Feld tatenlos dem Hauptkonkurrenten zu überlassen. Demnach ist 20 Minuten dabei, einen Web-TV-Kanal aufzubauen und rekrutiert dafür Nachrichtenjournalisten. Das Team soll – laut  Recherchen der Zeitung – ein Dutzend Medienschaffende gross werden. Wie die Schweiz am Wochenende weiss, soll es dabei gar zu Abwerbeversuche von Blick-TV-Journalisten gekommen sein.

Offiziell und bestätigt sind diese Vorgänge nicht. 20-Minuten-Chefredaktor Gaudenz Looser will auf Anfrage keine Auskunft geben – er werde zu gegebener Zeit informieren.

 

More articles on the topic