Zwei Teile statt wie bisher drei

Plakatdruck F12-Formate oder grössere können seit neuem mit weniger Bogenteilen produziert werden.

Plakatdruck F12-Formate oder grössere können seit neuem mit weniger Bogenteilen produziert werden. Weniger ist mehr – zumindest wenn es um die Anzahl Plakatteile geht. Denn anstatt drei müssen zum Beispiel für die Produktion von F12-Plakaten dank neuer grossformatiger Druckmaschinen im Bogenoffset nur noch zwei Plakatteile produziert werden. Die Vorteile sind offensichtlich – es müssen weniger Bogenteile in der Maschine eingerichtet, bedruckt und aufgeklebt werden. Dazu kommt, dass weniger Druckplatten (dafür grössere) benötigt werden und sich insgesamt die Einrichtzeiten an der Maschine verkürzen. Eine grössere Flexibilität bei der Gestaltung (anstatt zwei gleich grosse Teile können beim F12 sujetabhängig auch zwei Teile im Verhältnis 2:1 gedruckt werden; damit ist die Klebstelle nicht mitten im Sujet, zudem kann das rechte Drittel einfach regionalisiert werden), im Druck (Druck von zwei Nutzen oder zwei unterschiedlichen Sujets pro Druckform) und schliesslich auch weniger Probleme und Fehlerquellen beim Plakatieren (Aufkleben) sind weitere Vorteile. Inzwischen haben auch die Plakatierer auf diese Möglichkeiten reagiert. So hat die APG, die grösste Schweizer Plakatgesellschaft, die neuen zweiteiligen F12-Plakate seit 21. Januar offiziell freigegeben. Die erste Neue bei SetaprintBei der Setaprint hat eine der beiden vollautomatischen Siebdruckmaschinen letztes Jahr einer grossformatigen Offsetdruckmaschine vom Typ MAN Roland 900 XXL Platz gemacht. Wenn ein Unternehmen nach gut zwanzig Jahren damit ein Verfahren fast aufgibt und sich einem neuen verschreibt, dann muss es dafür einen Grund geben. Den gab es bei der Setaprint, und der ist schnell erklärt: Inhaber Pierre-Louis Marti glaubt nicht, dass sich der Siebdruck im Plakatbereich noch lange gegen den Offsetdruck behaupten kann. Als einen riskanten Entscheid hat Marti die rund 6 Millionen Investitionskosten (Maschine, bauliche Massnahmen, Ausbau Vorstufe, Workflow, CtP) daher nie gesehen: «Wir haben uns gleich in allen drei Disziplinen verbessert: bei der Qualität, der Geschwindigkeit und nicht zuletzt auch beim Preis. Nicht zu investieren, wäre für das Unternehmen das grössere Risiko gewesen.» Pierre-Louis Marti hat alles daran gesetzt, dass die erste Grossformatmaschine neuerer Bauart nach Bachenbülach gekommen ist. Mit einem halben Jahr Vorsprung gegenüber der Konkurrenz hat er dieses Ziel auch erreicht und konnte nach eigenen Angaben den Marktanteil ausbauen.
Weltweit sind erst drei Maschinen in Betrieb: Zwei in Deutschland und die dritte Roland 900 XXL verliess nun das MAN-Werk Offenbach in Richtung Bachenbülach. Der Erste zu sein, war nicht die Hauptmotivation. Marti freut sich über die Produktivität und über den Sachverhalt, dass die hier zu Lande beliebten dreiteiligen F12-Plakate nunmehr in zwei statt drei Bogenteilen gedruckt werden können.
Die Formatgrösste bei JCM
Die Fünffarben-Rapida-205 von KBA im Format 151 ¥ 205 cm – die einzige Maschine mit einer vollautomatischen Schneideinrichtung –, wird bei JCM ausschliesslich für die Produktion von Plakaten eingesetzt.
Dabei ist die grossformatige Offsetdruckanlage beim Schlieremer Unternehmen nichts Neues. Schon seit mehr als zehn Jahren werden auf einer von JCM selbst importierten und modifizierten Miehle-Bogenoffsetmaschine grossformatige Plakate im Offsetdruckverfahren hergestellt. Mit der Anschaffung der Rapida 205 hat sich JCM vor gut zwei Jahren für eine moderne Druckmaschine entschieden. Die Rapida 205, die derzeit grösste Bogenmaschine, produziert nun seit fünf Monaten. Marketing- und Verkaufsleiter Manfred Sollberger ist begeistert vom vollautomatischen Plattenwechsler, von der integrierten Schneideinrichtung und den kurzen Einrichtzeiten. Technisch ist die Maschine auf dem allerneusten Stand: In der Vorstufe generierte CIP3-PPF-Daten werden direkt übermittelt und steuern automatisch die Farbvoreinstellung. Insgesamt habe sich die Produktivität dank der neuen Maschine deutlich verbessert, ergänzt Sollberger.
Neben hauptsächlich F200-Plakaten werden damit auch GF-Plakate (Grossformat) produziert. Vor allem beim Druck von GF-Plakaten werden die Vorteile deutlich: Statt neun Teile werden nur vier produziert. Zu den Einsparungen von Platten, Einricht- und Druckzeit erzielt JCM einen erhöhten Qualitätsstandard. Die Bogenübergänge werden deshalb auf zwei reduziert.
JCM JCM Offsetdruck AG verfügt über 18 Druckwerke und ist damit die grösste Plakatdruckerei der Schweiz. Domiziliert ist das Unternehmen in Schlieren bei Zürich. JCM beschäftigt heute 47 Mitarbeitende. Das Unternehmen wurde 1895 von Jakob Clemens Müller gegründet.
Seit 1995 druckt JCM grossformatige Plakate im Offsetdruck auf einer eigens importierten und umgebauten Miehle-Vierfarbenmaschine (Format 137 x 197 cm). Schon mit der Miehle konnte das Unternehmen Plakate in weniger Teilen drucken und hat den
Markt damit nachhaltig beeinflusst. Im Oktober 2004 hat bei JCM eine KBA Rapida 205 als grösste Bogenoffsetmaschine der Schweiz die Produktion von Plakaten aufgenommen. Diese Maschine wurde erst wenige Monate vor der Inbetriebnahme bei JCM auf der Fachmesse drupa in Düsseldorf als Weltneuheit vorgestellt.

Im Unternehmen produzieren neben der Rapida 205 noch zusätzliche Fünffarben- und Sechsfarben-Druckmaschinen bis zum Format 100 x 140 cm. (jf)
Setaprint Die Setaprint ist ein zur Pierre-Louis-Marti-Holding gehörendes Unternehmen im Industriegebiet von Bachenbülach, ca. 15 km nördlich von Zürich. Das 25 Mitarbeitende zählende Unternehmen setzt für den Druck von Plakaten drei Druckverfahren ein: grossformatigen Digitaldruck, Siebdruck und Offsetdruck.
Seit seiner Gründung 1986 (damals noch in Zürich-Altstetten ansässig) befindet sich der Maschinenpark technologisch immer an vorderster Front. So wurde 1986 die erste vollautomatische
Siebdruckmaschine der Schweiz installiert. Seither können Cityposter kostengünstig produziert werden. Dann installierte die Setaprint das Direktprojektionsverfahren, womit die Siebdruckformen mittels Mutterlitho direkt bebildert wurden. Ebenfalls als erstes Schweizer Unternehmen erwarb Setaprint 1999 eine Computer-to-Screen-Anlage für die Herstellung von Siebdruckformen auf Basis von digitalen Daten. Und schliesslich nahmen die Pioniere eine grossformatige Plakatdruckmaschine neuster Bauart in Betrieb. (jf)

JCM druckt mit einer KBA Rapida 205 – der formatgrössten Offsetmaschine der Schweiz – grossformatige Plakate in weniger Bogenteilen.
Statt dreiteilig (Bild oben) können F12-Plakate auch bei der Setaprint – hier auf einer MAN Roland 900 XXL – in nur zwei Teilen produziert werden.
Statt drei Bogenteile (rechts) für F12-Plakate müssen nur noch zwei Teile produziert werden. Voraussetzung ist, dass die Druckerei über eine entsprechende Maschine verfügt. Quelle: APG
Jürgen Franck

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