Zürich New York retour via Puerto Rico

Sacha Moser will als CD mit seinem Team bei Publicis von Zürich aus Werbung «swiss made» mit einem internationalen Anspruch machen.

Hier kannst du nur an die nächsten Häuserwände starren. In Zürich hast du Ausblick auf den See», versuchte Kaspar Loeb seinen Wunschkandidaten Sacha Moser zu überzeugen. Das war in New York im Jahre 2005. Loeb war CEO bei Publicis Zürich. Moser Senior AD bei Young & Rubicam New York. Das Treffen fand in Mosers Büro in Manhattan statt. «Mit einem faszinierenden Ausblick auf die Madison Avenue», lächelt Moser heute. Trotzdem hat ihn die Aussicht auf eine neue Herausforderung am Zürichsee gelockt. Überzeugen konnte ihn schliesslich das Argument, dass Publicis von Zürich aus in Zukunft vermehrt auch internationale Kunden bedienen wollte.
Die weite Welt, das war inzwischen Sacha Mosers Horizont. Vor seinen fünf Jahren in New York wirkte er zweieinhalb bei Y&R in Puerto Rico. Das war nicht nur ein Satelliten-Office des Netzwerks. Der US-Freistaat auf der Karibikinsel diente auch als Raketenbasis für internationale Kampagnen amerikanischer Multis für ganz Lateinamerika. «Puerto Rico war eine Topagentur im Netz von Y&R», blickt Moser zurück.
In Stadelhofen gelandet, will Sacha Moser seit 2005 nun mit seinen Erfahrungen auch Publicis zu neuen Höhenflügen verhelfen. «Ich bin stolz darauf, dass wir die letzten Jahre, die für die ganze Branche nicht leicht waren, ohne grosse Entlassungswellen überstehen konnten und 2010 einen Traumstart hingelegt haben. Jetzt wollen wir nach dem wirtschaftlichen Erfolg auch noch im Kreativranking wieder etwas Gas geben», meint der CD. Dass Ziele für ihn nicht fromme Wünsche sind, hat Sacha Moser schon mehrmals in seiner Karriere beweisen können.
Nach einer Schnupperlehre bereits mit 14 hat Sacha seine Berufung zur Werbung entdeckt. Konsequent suchte er seinen Weg zuerst über die Kunstgewerbeschule. Als dort auch seine Leidenschaft für die Fotografie immer professionellere Züge annehmen wollte, schien ihm kurzfristig eine Studienreise nach Paris der sinnvollste Weg. Doch sein Vater, ein auf Sicherheit bedachter Banker, wollte zuerst eine Lehrstelle sehen. Oder zumindest einen entsprechenden Vertrag. Sacha studierte die Zeitung, begutachtete ein paar Inserate und rief dann kurzerhand bei DDB an. Deren Arbeiten gefielen ihm und er «möchte gerne eine Lehre als Grafiker machen», sagte er am Telefon. Vor Ort war es dann eine Sache des Argumentierens, wieso der Lehrvertrag noch vor dem Nachtzug nach Paris unterschrieben bei seinem Vater vorliegen musste.
Nach dem Lehrabschluss folgte ein kurzes Intermezzo bei Rainer Kuhn und seinen kultigen Friends, bevor «ein tolles Angebot» von Advico auf den Tisch flatterte. «Ich wusste, es gibt noch einiges zu lernen. Und diese Agentur konnte mir mit Martin Spillmann, Mathias Bapst und all den anderen Cracks zu der Zeit die besten Lehrmeister bieten.» Als eine besonders glückliche Chance wertet es Moser heute, dass er bei Hansjörg Zürcher auch das Filmhandwerk von der Pike auf erlernen durfte. Bereits mit 23 wurde er zum AD befördert, konnte mit Regisseur Michi Fueter in Arizona und Los Angeles drehen.
Mit der ADC-Kreativschule ging es dann auch zum ersten Mal nach Cannes. Die dortigen Partys sind legendär. Man trifft die interessantesten Köpfe der Branche. Meistens bleibt es beim Smalltalk. Aber als ihn ein AD-Freund aus Puerto Rico bei der hochgelobten Kreativchefin von Y&R Puerto Rico vorstellte, wollte der junge Kollege ein bisschen mehr. «Ich weiss nicht, was sie überzeugen konnte. Aber sie hat mir schliesslich geglaubt, dass ich unbedingt mit ihr zusammenarbeiten will.» Zwar dauerte es bis zur Bewilligung des Transfers noch einmal sechs Monate. «Obwohl das Netzwerk solche Wechsel begrüsst: Niemand wartet auf dich an diesen heissen Spots. Man muss es wirklich unbedingt wollen», weiss Moser.
Diese Erkenntnis war ihm bereits von einer ganz anderen Szene bekannt. Seit seiner Lehre als Grafiker ist Sacha mit der gleichen Frau zusammen. Kennen gelernt hat er die Holländerin, die in Düsseldorf studierte, in den Skiferien in Vorarlberg. «Typischerweise am letzten Abend.» Und so war natürlich nach zwei Wochen ein Besuch in Deutschland angesagt. Weil Sacha bereits als Lehrling «wieder einmal zu lange im Büro war», verpasste er das Flugzeug. Aber weil er zu jener Zeit nebenbei auch noch als «der jüngste Swing-Manager» oder Schichtführer bei McDonald’s jobbte und kurz vorher an der Zürcher Bahnhofstrasse beim Aufbau des ersten Box-Ladens ebenfalls beteiligt war, konnte sich der 19-Jährige problemlos in ein Taxi setzen. «Dübendorf?», fragte der Chauffeur. «Düsseldorf», antwortete Sacha und zahlte 1‘700 Franken. Seine spätere Frau konnte gegen so viel Entschlusskraft gepaart mit Verliebtheit natürlich nicht mehr viel ausrichten.
Die Hotelfachfrau hat den Werber auch nach Puerto Rico begleitet. Weil sie dort nicht arbeiten durfte, hat Paulien wild streunende Katzen gepflegt und später die putzigen Tierchen per Flugzeug an die Ostküste der USA exportiert. Der Gatte drehte derweil einen Spot nach dem andern. «Filme sind das wichtigste Medium in Lateinamerika, weil es dort nur wenige Zeitungen gibt», bestätigt Moser. Da solche alltäglichen Spots entsprechend nicht viel mehr als ein Inserat kosten durften, hat der AD oft die ganze Arbeit selber gemacht, von der Handkamera bis zum Schnitt und einer Vertonung auf seinem Mac. «Es war für mich wertvoll zu lernen, dass zu viel Ehrfurcht vor dem Medium Film, wie wir das in der Schweiz gerne pflegen, für das Resultat nicht immer kreativ ist.» Einer dieser Spots für Colgate hat nur 10 000 Dollar gekostet. In Cannes aber einen Platz auf der Shortlist gewonnen. Für die Katzen in Puerto Rico war der Erfolg fatal. Sacha Moser wurde bald darauf ins Headquarter von Y&R nach New York versetzt. Dort durfte seine Frau wieder im Hotel arbeiten, nämlich im legendären Royalton.
Bei Y&R New York wirkten zu jener Zeit 2’000 Leute. Allein das Budget für Colgate-Palmolive betrug 600 Millionen Dollar pro Jahr. Sacha Moser leitete innerhalb dieses Etats ein Team als Senior AD. Später arbeitete er als CD Art auch für Dr. Pepper, AT&T oder Dannon USA. Für diese Kunden leitete er auch viele Filmdrehs und Fotoshootings in den USA und anderen Ländern dieser Welt. Spass machten hier die Celebrity-Spots zum Beispiel mit Anastacia und Cyndi Lauper. Auch einen langersehnten Teenagertraum, einen Video-Clip mit LL Cool J und Run DMC, konnte er für die erfolgreiche Dr.-Pepper-Kampagne realisieren.
Das High Life hätte wahrscheinlich immer so weitergehen können. Aber «New York ist nicht unbedingt eine Stadt für Familien», meint Sacha Moser. Als sich das zweite Kind anmeldete, standen der Kreativchef und seine Frau vor der Alternative, im Big Apple «eine unvernünftig grosse Summe für einen halbwegs geeigneten Kindergarten zu investieren» oder irgendwo im Grünen die New Yorker Szene mit einem langweiligen Schlafplatz zu tauschen. Beides schien der jungen Familie nicht so verlockend wie das Publicis-Angebot von einem «Leben mit See¬blick» in Zürich, dort wo auch ihre Verwandten sind.
Andreas Panzeri

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