Zehnder gegen Ziegler

Trotz Verkauf der Winterthurer Woche erscheinen in der Eulachstadt weiterhin zwei Gratiszeitungen

Trotz Verkauf der Winterthurer Woche erscheinen in der Eulachstadt weiterhin zwei GratiszeitungenVon Markus Knöpfli Die Eulachstadt erlebt derzeit eine Verlagsposse: Die Herausgeberin des Stadtanzeigers, die Ziegler Druck, kauft die Titelrechte der Konkurrentin Winterthurer Woche (WiWo) – um diese einzustellen.
Bei diesem Deal machte allerdings die Druckerei Ziegler die Rechnung ohne den Wirt. Denn mit dieser Operation ebnet sie einem neuen Konkurrenten den Weg: Die Wiler Druckerei Zehnder lanciert prompt einen eigenen Titel – mit dem WiWo-Personal und wohl auch in den WiWo-Büros.
Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte – in diesem Fall kann sich der Schaffhauser Verlag Steiner & Grüninger freuen. Zuerst verkaufte er Ziegler Druck und Verlag in Winterthur die Titelrechte an der Gratiszeitung Winterthurer Woche. Und nun verhandelt er mit Zieglers Konkurrentin Druckerei Zehnder in Wil (SG) über die WiWo-Büroräume, das Mobiliar und die Geräte – weil Ziegler verständlicherweise daran kein Interesse hatte. Doch Verleger Willy Grüninger schüttelt darob den Kopf. «Ziegler macht denselben Fehler wie seinerzeit Tamedia, als sie den Züri Leu kaufte, um ihn einzustellen. Das rief sogleich die Züri Woche auf den Plan.»
Doch der Reihe nach: Der Verlag Steiner & Grüninger hat im Juli der Landbote-Herausgeberin Ziegler Druck und Verlag die WiWo-Titelrechte verkauft. Ziegler will diese mit dem eigenen Stadtanzeiger fusionieren und die WiWo einstellen. Auch am WiWo-Personal war Ziegler logischerweise nicht interessiert.
Das Winterthurer Loch lässt sich jetzt spielend füllen
Genau das kam dem Wiler Verleger Rolf-Peter Zehnder entgegen, liebäugelt er doch schon lange mit einem eigenen Blatt in Winterthur. Der Grund: 15 seiner bestehenden 21 Gratistitel bilden ein Band vom Bodensee bis nach Olten, darin klafft aber ein Loch in Winterthur.
Der Tod der WiWo bietet Zehnder nun die willkommene Gelegenheit, diese Lücke zu schliessen. Dazu hat er auf die zweite Hälfte September die Lancierung seiner Winterthurer Nachrichten (Auflage: 64000) angekündigt.
Die WiWo-Redaktion sowie den grössten Teil des Verkaufspersonals hat er bereits übernommen, das Zeitungskonzept ist eine Adaption der eigenen Wiler Nachrichten, gedruckt wird in der eigenen Druckerei, und der Vertrieb läuft über Promopost. Was noch fehlt, das sind Büros, PCs und Mobiliar. Darüber verhandelt er mit Steiner & Grüninger. Beide Seiten bestätigen, dass eine Einigung kurz bevorstehe.
Stellt sich bei diesem Handel nur noch die Frage, ob zwei Gratistitel in Winterthur überhaupt genügend Platz und Anzeigenvolumen haben, um überleben zu können. Zehnder hegt keine Zweifel. Anders als die bisherige WiWo drucke er selbst, führt er an. Zudem plane er Anzeigenkombis zwischen der Winterthurer Nachrichten und einem oder mehreren seiner anderen Titel.
Zehnder wird für die Winterthurer Nachrichten zusammen mit bürgerlichen Kreisen in Winterthur eine AG gründen, an der er die Mehrheit übernehmen will.
Gemunkelt wurde auch, dass Günter Heuberger, Chef der Top-Gruppe, involviert sein werde. Dieser stellt jedoch auf Anfrage sowohl eine finanzielle Beteiligung als auch eine redaktionelle Zusammenarbeit in Abrede.
Gesucht: VSGZ-Präsident

Mit der Einstellung der Winterthurer Woche wird der Verband Schweizerischer Gratiszeitungen (VSGZ) auch eines seiner acht Mitglieder verlieren. Doch nicht nur das: Willy Grüninger tritt im Herbst als VSGZ-Präsident zurück. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht klar. Als Mitglied bleibt Grüninger dem VSGZ aber erhalten. Denn anders als geplant konnte Grüninger keinen Käufer für seinen zweiten Titel, den Schaffhauser Bock, finden – «trotz Verhandlungen mit allen grossen Verlagen».

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