«Wir bauen strategische Allianzen auf»

Direct Marketing V The Body Shop beweist, dass mit ganzheitlichen DM-/PR-Konzepten Kommunikationsziele erreicht werden. Ivan C. Levy, Inhaber der Lizenzrechte von The Body Shop Schweiz, über Alternativen zur klassischen Werbung.

Direct Marketing V The Body Shop beweist, dass mit ganzheitlichen DM-/PR-Konzepten Kommunikationsziele erreicht werden. Ivan C. Levy, Inhaber der Lizenzrechte von The Body Shop Schweiz, über Alternativen zur klassischen Werbung. WW Ivan C. Levy, es scheint, dass The Body Shop eine Abneigung gegen klassische Werbung geradezu pflegt. Ivan C. Levy Nein, dem ist nicht so. Aber Body-Shop-Gründerin Anita Roddick. Sie hielt und hält nichts
von klassischer Werbung.
Sie hatte und hat kein Verständnis dafür, dass man für ein einfaches Produkt so viel Geld ausgeben soll.
Sie sassen drei Jahre lang in der Geschäftsleitung von The Body Shop und hätten das ändern können…Anita Roddick und ihr Mann lagen nicht falsch. Es macht für Body Shop keinen grossen Sinn, auf klassische Werbung zu setzen.
Weshalb nicht?Weil wir, anders als etwa Lancôme, uns nicht im Warenhaus oder einer Parfümerie gegen Konkurrenzprodukte durchsetzen müssen. Wir brauchen keine Produkte- oder Imagekampagnen. Unsere Läden, deren Lage und die Schaufenster sind unsere Werbung.
Und Sie glauben, dass das reicht?Zugegeben – wenn The Body Shop so aggressiv wie Benetton in den Neunzigerjahren geworben hätte, würden wir heute statt 2000 vielleicht 4000 Geschäfte weltweit haben. Doch die Roddicks woll-
ten das Geld lieber in Fairtrading und Kommunikation investieren. Ich bin da ähnlicher Meinung. Ich glaube nicht, dass sich bei The Body Shop die Investitionen in klassische Werbung auszahlen würden.
The Body Shop Schweiz wird also auch in Zukunft nicht klassisch werben?
Solange mir keine Agentur garantieren kann, dass ich mit einer klassischen Werbekampagne meinen Umsatz um fünf Prozent steigern kann: ja.
Mir ist keine Agentur bekannt, die eine solche Garantie übernimmt…Da liegt doch das Problem: Während wir, die Unternehmer, Unmengen von Geld in die Hand nehmen, um eine Werbekampagne zu lancieren, und ein grosses Risiko eingehen, kommen die Werbeagenturen mit irgendeiner Idee an und riskieren einzig, dass sie keine Nachfolgeaufträge von der gleichen Firma bekommen und ihr Ruf ein wenig Schaden nimmt.
Sie erwirtschaften mit The Body Shop Schweiz jährlich einen Umsatz von über 38 Millionen Franken.
Jede andere Kosmetikfirma dürfte angesichts solcher Zahlen neidisch werden. Was ist das Erfolgsrezept von Body Shop Schweiz?
Unsere Produkte, die Lage der Läden und die Ideologie des Konzerns. Einen grossen Anteil am Erfolg hat aber auch unsere Kommunikations- und DM-Strategie. Als ich von 1996 bis 1999 in der Geschäftsleitung von The Body Shop International sass, habe ich diese Strategie mitentwickelt. Ziel war und ist es, möglichst nahe an unserer Kundschaft zu sein. Indem wir beispielsweise den Kunden mit Wettbewerben oder Aktionsangeboten Vorteile verschaffen. Zu diesem Zweck haben wir weltweit Customer Clubs gegründet. Einer der erfolgreichsten ist der Schweizer Klub. Wir haben mit über 150000 Mitgliedern eine der umfassendsten Kundenkarteien in der Schweiz. Und wir lassen uns diesen Klub einiges kosten: Wir investieren jährlich 500000 Franken. Doch das zahlt sich aus: Schliesslich liegt der Response zwischen fünf bis zehn Prozent.
Wie viele Infos enthält die Kartei?Bislang beschränkte sie sich auf Kartonkärtchen mit den wichtigsten Angaben und der Info, in welchem Laden der Kunde dem Customer Club beigetreten ist. Wir beabsichtigen aber demnächst, unsere Kundendateien besser zu erfassen und zu ergänzen und schweizweit «Strategic Alliances» aufzubauen, sprich passende Firmen zu suchen, die sich an gemeinsamen Aktionen beteiligen, damit unsere Kunden nicht nur von Body-Shop-, sondern auch von anderen Aktionen profitieren können.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?Wir können uns gut vorstellen, dass wir dank der Zusammenarbeit mit einem Reisebüro unseren Kunden schweizweit künftig ein Spezialangebot für Gesundheitsferien anbieten werden.
Planen Sie weitere Aktionen? Ja, unter anderem beabsichtigen wir, im September 2004 mit einer Aktion rund um das Thema Gewalt zu Hause auf Missstände aufmerksam zu machen und aufzurütteln. Wie diese Kampagne genau aussehen wird, kann ich Ihnen derzeit allerdings noch nicht sagen.
Interview:
Roddicks soziale Ader The Body Shop wurde 1976 von
der Engländerin Anita Roddick und ihrem Ehemann Gordon gegründet. Nach einer Krise in den Neunzigerjahren kehrte The Body Shop zum Erfolg zurück und gehört heute zu den expandierenden Unternehmen der Kosmetikbranche. Die Firma verzichtet – laut eigenen Angaben – auf Tierversuche und setzt sich für gerechte Arbeitsbedingungen ein. The Body Shop International wirbt weder in Zeitungen noch im TV. Weltweit gibt es 2000 Läden. In der Schweiz hat The Body Shop 50 Geschäfte und beschäftigt 3000 Angestellte. 2003 wird The Body Shop Schweiz voraussichtlich einen Umsatz von über 38 Millionen Franken erwirtschaften. Die Lizenzrechte von The Body Shop Schweiz gehören Ivan C. Levy und seiner Frau Sheela. Die beiden erwarben sie 1983. Von 1996 bis 1999 war Levy in der Geschäftsleitung von The Body Shop International und fürs Marketing und den Detailhandel zuständig. Heute arbeitet er als Berater und Vorstandsmitglied für diverse Retailunternehmen und karitative Organisationen in England und Asien. (af)
Ivan C. Levy will kein Geld für klassische Werbung ausgeben, weil er nicht an deren Effizienz glaubt.
Annelies Friedli

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