Wieder Flagge zeigen
Der neue Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier wurde von den Ereignissen selbst am meisten überrascht
Der neue Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier wurde von den Ereignissen selbst am meisten überraschtVon Daniel Schifferle Der neue Chefredaktor des Tages-Anzeigers, Peter Hartmeier, distanziert sich vom gängigen Links-rechts-Schema. Die zeitgemässe Forumszeitung müsse die spezifischen Probleme und Nöte der Grossstadtbewohner thematisieren. Vor allem aber soll der Tagi künftig mehr Profil zeigen.
Bereits vor mehr als drei Monaten hatte sich Peter Hartmeier in der WerbeWoche auffällig einfühlsam zur Zukunft publizistischer Inhalte geäussert (WW 28/02). Er gab damals zu Protokoll, die Inhalte würden aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen, profitieren würde die Leserschaft. Wusste er bereits damals mehr über seine Berufung zum Tagi-Chefredaktor? «Nein», betont Hartmeier. Er habe genau neun Tage vor seiner Ernennung davon erfahren.
Doch nicht nur er wurde überrascht. Niemand hatte erwartet, dass der bisherige Leiter Unternehmenskommunikation so unvermittelt an die Spitze des Flaggschiffs der Tamedia-Gruppe katapultiert würde. Zuallerletzt die Redaktion. Diese äusserte sich in der Ausgabe vom vergangenen Freitag denn auch schockiert über die unvermittelte Ablösung von Philipp Löpfe. Doch der neue Chefredaktor lässt sich davon nicht beunruhigen.
«Eine solche Reaktion ist selbstverständlich, denn Löpfe wurde sehr geschätzt», sagt Hartmeier. Schockiert gewesen sei die Redaktion übers rasche Tempo, mit der die Abberufung erfolgt sei. «Und sie fragt sich natürlich auch, welcher neue Führungsstil nun auf sie zukommen wird.»
Eine weitere drängende Frage, die man sich stellt, betrifft die politische Linie von Peter Hartmeier. Wie verträgt sich seine bürgerliche Grundhaltung mit dem links der Mitte angesiedelten Tages-Anzeiger? «Es geht nicht um links oder rechts. Der Tages-Anzeiger muss ein Spiegelbild der Grossstadt und ihrer widersprüchlichen Realitäten sein, das ist der Punkt», erklärt Hartmeier. Eines seiner wichtigsten Anliegen werde sein, die verschiedenen sozialen Gruppen möglichst gleichermassen zu Wort kommen zu lassen. «Gleichzeitig aber muss eine Zeitung wie der Tages-Anzeiger auch den Mut haben, für bestimmte Wertvorstellungen einzutreten – die Zeit des ‹anything goes› dünkt mich am Ende. Dies setzt aber viele Debatten auf der Redaktion voraus. Und entsprechende Konflikte.»
Doch was wird Hartmeier anders machen als Löpfe, dem zumindest ein Teil des massiven Auflagenverlustes der vergangenen Jahre zugeschrieben wird? «Wir sind in einer Phase, in der sich die Medienlandschaft stark verändert – und in diesem Zusammenhang werden auch neue Anforderungen an die Chefredaktion gestellt. Der Tages-Anzeiger muss Flagge zeigen, und zwar intensiver als bisher», erklärt Hartmeier.
«Tagi und ZürichExpress waren zwei Einzelfälle»
Bereits wird gemunkelt, der im Sommer eingerichtete publizistische Beirat, das neue Schattenkabinett bei Tamedia, habe die Installierung von Hartmeier vorgespurt. Hartmeier winkt ab. Der Beirat, dem er selber bis zu seiner Ernennung zum Chefredaktor angehörte, habe erst an zwei Sitzungen getagt. «Bei beiden haben wir kein Wort über den Tages-Anzeiger gesprochen», beteuert Hartmeier. Der Antrag für seine Ernennung sei direkt von Martin Kall und dessen Stellvertreter Jürg Brauchli gekommen.
Nach der Bekanntgabe von gleich zwei Chefredaktorenwechseln innerhalb nur einer Woche – zuerst hatte es ZürichExpress-Chef Markus Hegglin getroffen, für den im Zusammenhang mit der Umwandlung zur Pendlerzeitung Express Ersatz gesucht wird – fragt man sich nun, wer der Nächste sein könnte. Und: Sind die beiden prominenten Abgänge womöglich auch Ausdruck für eine in Schieflage geratene publizistische Ausrichtung bei Tamedia, die es nun zu korrigieren gilt? «Nein, dem ist ganz sicher nicht so», sagt VR-Präsident Hans Heinrich Coninx gegenüber der WerbeWoche. «Tages-Anzeiger und ZürichExpress waren zwei Einzelfälle. Die anderen Titel in unserem Haus sind gesund, daher gibt es bei diesen auch keine Gründe für Umbesetzungen von Chefredaktionen.»
Bereits vor mehr als drei Monaten hatte sich Peter Hartmeier in der WerbeWoche auffällig einfühlsam zur Zukunft publizistischer Inhalte geäussert (WW 28/02). Er gab damals zu Protokoll, die Inhalte würden aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen, profitieren würde die Leserschaft. Wusste er bereits damals mehr über seine Berufung zum Tagi-Chefredaktor? «Nein», betont Hartmeier. Er habe genau neun Tage vor seiner Ernennung davon erfahren.
Doch nicht nur er wurde überrascht. Niemand hatte erwartet, dass der bisherige Leiter Unternehmenskommunikation so unvermittelt an die Spitze des Flaggschiffs der Tamedia-Gruppe katapultiert würde. Zuallerletzt die Redaktion. Diese äusserte sich in der Ausgabe vom vergangenen Freitag denn auch schockiert über die unvermittelte Ablösung von Philipp Löpfe. Doch der neue Chefredaktor lässt sich davon nicht beunruhigen.
«Eine solche Reaktion ist selbstverständlich, denn Löpfe wurde sehr geschätzt», sagt Hartmeier. Schockiert gewesen sei die Redaktion übers rasche Tempo, mit der die Abberufung erfolgt sei. «Und sie fragt sich natürlich auch, welcher neue Führungsstil nun auf sie zukommen wird.»
Eine weitere drängende Frage, die man sich stellt, betrifft die politische Linie von Peter Hartmeier. Wie verträgt sich seine bürgerliche Grundhaltung mit dem links der Mitte angesiedelten Tages-Anzeiger? «Es geht nicht um links oder rechts. Der Tages-Anzeiger muss ein Spiegelbild der Grossstadt und ihrer widersprüchlichen Realitäten sein, das ist der Punkt», erklärt Hartmeier. Eines seiner wichtigsten Anliegen werde sein, die verschiedenen sozialen Gruppen möglichst gleichermassen zu Wort kommen zu lassen. «Gleichzeitig aber muss eine Zeitung wie der Tages-Anzeiger auch den Mut haben, für bestimmte Wertvorstellungen einzutreten – die Zeit des ‹anything goes› dünkt mich am Ende. Dies setzt aber viele Debatten auf der Redaktion voraus. Und entsprechende Konflikte.»
Doch was wird Hartmeier anders machen als Löpfe, dem zumindest ein Teil des massiven Auflagenverlustes der vergangenen Jahre zugeschrieben wird? «Wir sind in einer Phase, in der sich die Medienlandschaft stark verändert – und in diesem Zusammenhang werden auch neue Anforderungen an die Chefredaktion gestellt. Der Tages-Anzeiger muss Flagge zeigen, und zwar intensiver als bisher», erklärt Hartmeier.
«Tagi und ZürichExpress waren zwei Einzelfälle»
Bereits wird gemunkelt, der im Sommer eingerichtete publizistische Beirat, das neue Schattenkabinett bei Tamedia, habe die Installierung von Hartmeier vorgespurt. Hartmeier winkt ab. Der Beirat, dem er selber bis zu seiner Ernennung zum Chefredaktor angehörte, habe erst an zwei Sitzungen getagt. «Bei beiden haben wir kein Wort über den Tages-Anzeiger gesprochen», beteuert Hartmeier. Der Antrag für seine Ernennung sei direkt von Martin Kall und dessen Stellvertreter Jürg Brauchli gekommen.
Nach der Bekanntgabe von gleich zwei Chefredaktorenwechseln innerhalb nur einer Woche – zuerst hatte es ZürichExpress-Chef Markus Hegglin getroffen, für den im Zusammenhang mit der Umwandlung zur Pendlerzeitung Express Ersatz gesucht wird – fragt man sich nun, wer der Nächste sein könnte. Und: Sind die beiden prominenten Abgänge womöglich auch Ausdruck für eine in Schieflage geratene publizistische Ausrichtung bei Tamedia, die es nun zu korrigieren gilt? «Nein, dem ist ganz sicher nicht so», sagt VR-Präsident Hans Heinrich Coninx gegenüber der WerbeWoche. «Tages-Anzeiger und ZürichExpress waren zwei Einzelfälle. Die anderen Titel in unserem Haus sind gesund, daher gibt es bei diesen auch keine Gründe für Umbesetzungen von Chefredaktionen.»
