Wettstreit der besten Argumente
Kolumne Der Journalismus steht im Wettbewerb der Informationsvermittlung – eine sportliche Herausforderung, findet Josefa Haas.
Kolumne
Der Journalismus steht im Wettbewerb der Informationsvermittlung – eine sportliche Herausforderung, findet Josefa Haas.
Die Stimmungslage der publizistischen Branche erinnert an die Hormonschwankungen von Pubertierenden: Im einen Moment erinnert sie selbstbewusst an ihre Funktion als vierte Gewalt, im anderen versucht sie billig zusammengekehrte Inhalte zu verkaufen. Die Gratiskultur im Internet und den Pendlerzeitungen führt einmal mehr vor Augen, dass auch mit bescheidenen redaktionellen Investitionen Geld gemacht werden kann. Die Journalistinnen und Journalisten müssen sich der Frage stellen, weshalb ihre Leistungen einen Preis haben, was der Zweck ihres Daseins ist und worin ihre beruflichen Standards bestehen.Allen Untergangsstimmungen zum Trotz gibt es darauf positive Antworten, nicht nur aus der eigenen Zunft. In der Wirtschaft und der Politik dreht sich fast alles um Fragen des Wissensmanagements, der Kommunikations- und Entscheidungskompetenz. Beruflich gefragt ist deshalb mehr denn je die Fähigkeit, Informationen zu generieren, diese in einen Zusammenhang zu stellen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Zu den wichtigsten Instanzen für diese Aufgabe gehören die Medien und damit der Journalismus. Für die Systemtheoretikerin Maria Pruckner sind Journalismus und Management die wichtigsten Berufe des 21. Jahrhunderts. In der Informationsgesellschaft sorgen die Informationsarbeiter für die höchste Produktivität – das relevante Wissen im richtigen Zeitpunkt ist heute das wertvollste Gut.
Damit wäre das Selbstbewusstsein gestärkt. Wer mit dem Presseausweis allein jedoch seinen Anspruch auf Informationsvermittlung in der Öffentlichkeit stellt, muss sich auf mitleidige Reaktionen gefasst machen. Journalistinnen und Journalisten, die gerne unzimperlich austeilen, reagieren auf Kritik an den eigenen Werken oft nur beleidigt. In der heutigen Wissensgesellschaft hat jedoch auch die vierte Gewalt ihre Autorität verloren. Die Medien spielen zwar eine Schlüsselrolle in der Vermittlung von Inhalten, sie stehen aber im Wettbewerb mit den Angeboten der Wirtschaft, der Politik, der Kultur sowie der Beiträge vieler Einzelner. Und dieser Wettbewerb ist kein Krieg, sondern ein Sport – im Wettstreit um die besten Inhalte und Argumente. Dabei geht es nicht um den Sieg mit einer vermeintlichen Wahrheit, sondern um das Aufrechterhalten einer spannenden Auseinandersetzung. Publizistische Medien werden damit weiterhin Themen setzen und zum Thema werden.
Sokrates verglich seine Technik des Dialogs mit der Hebammenkunst. Ein natürlicher Vorgang erlangt durch professionelle Unterstützung eine bessere Qualität. Journalismus erbringt in diesem Sinne den Nachweis, eine geldwerte Leistung zu erbringen. Zur beruflichen Qualifikation gehören besondere Fertigkeiten und Kenntnisse. Ein Profi investiert Zeit in die Entwicklung seiner Kompetenzen und in die Herstellung seiner Produkte. Zudem unterwirft er seine Leistungen immer einem kritischen Blick, beobachtet aufmerksam die Besten seines Fachs und arbeitet ständig daran, sich zu verbessern.
Die Medienbranche selber kann mit einem neuen Bewusstsein gestärkt ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Freilich darf sie dabei nicht nur auf bewährte Rezepte zurückgreifen. Im Zentrum muss die Lust an der Diskussion stehen, der Spass am Erkennen von Zusammenhängen, das Bewusstsein, nicht den einzigen, aber einen prominenten Beitrag zur Interpretation des Flusses von Ereignissen zu bieten. Je spannender und relevanter ihre Leistungen sind, umso unverzichtbarer und wertvoller werden sie, nicht nur für die Nutzer, sondern auch für die Medienunternehmen.
Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts
Der Journalismus steht im Wettbewerb der Informationsvermittlung – eine sportliche Herausforderung, findet Josefa Haas.
Die Stimmungslage der publizistischen Branche erinnert an die Hormonschwankungen von Pubertierenden: Im einen Moment erinnert sie selbstbewusst an ihre Funktion als vierte Gewalt, im anderen versucht sie billig zusammengekehrte Inhalte zu verkaufen. Die Gratiskultur im Internet und den Pendlerzeitungen führt einmal mehr vor Augen, dass auch mit bescheidenen redaktionellen Investitionen Geld gemacht werden kann. Die Journalistinnen und Journalisten müssen sich der Frage stellen, weshalb ihre Leistungen einen Preis haben, was der Zweck ihres Daseins ist und worin ihre beruflichen Standards bestehen.Allen Untergangsstimmungen zum Trotz gibt es darauf positive Antworten, nicht nur aus der eigenen Zunft. In der Wirtschaft und der Politik dreht sich fast alles um Fragen des Wissensmanagements, der Kommunikations- und Entscheidungskompetenz. Beruflich gefragt ist deshalb mehr denn je die Fähigkeit, Informationen zu generieren, diese in einen Zusammenhang zu stellen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Zu den wichtigsten Instanzen für diese Aufgabe gehören die Medien und damit der Journalismus. Für die Systemtheoretikerin Maria Pruckner sind Journalismus und Management die wichtigsten Berufe des 21. Jahrhunderts. In der Informationsgesellschaft sorgen die Informationsarbeiter für die höchste Produktivität – das relevante Wissen im richtigen Zeitpunkt ist heute das wertvollste Gut.
Damit wäre das Selbstbewusstsein gestärkt. Wer mit dem Presseausweis allein jedoch seinen Anspruch auf Informationsvermittlung in der Öffentlichkeit stellt, muss sich auf mitleidige Reaktionen gefasst machen. Journalistinnen und Journalisten, die gerne unzimperlich austeilen, reagieren auf Kritik an den eigenen Werken oft nur beleidigt. In der heutigen Wissensgesellschaft hat jedoch auch die vierte Gewalt ihre Autorität verloren. Die Medien spielen zwar eine Schlüsselrolle in der Vermittlung von Inhalten, sie stehen aber im Wettbewerb mit den Angeboten der Wirtschaft, der Politik, der Kultur sowie der Beiträge vieler Einzelner. Und dieser Wettbewerb ist kein Krieg, sondern ein Sport – im Wettstreit um die besten Inhalte und Argumente. Dabei geht es nicht um den Sieg mit einer vermeintlichen Wahrheit, sondern um das Aufrechterhalten einer spannenden Auseinandersetzung. Publizistische Medien werden damit weiterhin Themen setzen und zum Thema werden.
Sokrates verglich seine Technik des Dialogs mit der Hebammenkunst. Ein natürlicher Vorgang erlangt durch professionelle Unterstützung eine bessere Qualität. Journalismus erbringt in diesem Sinne den Nachweis, eine geldwerte Leistung zu erbringen. Zur beruflichen Qualifikation gehören besondere Fertigkeiten und Kenntnisse. Ein Profi investiert Zeit in die Entwicklung seiner Kompetenzen und in die Herstellung seiner Produkte. Zudem unterwirft er seine Leistungen immer einem kritischen Blick, beobachtet aufmerksam die Besten seines Fachs und arbeitet ständig daran, sich zu verbessern.
Die Medienbranche selber kann mit einem neuen Bewusstsein gestärkt ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Freilich darf sie dabei nicht nur auf bewährte Rezepte zurückgreifen. Im Zentrum muss die Lust an der Diskussion stehen, der Spass am Erkennen von Zusammenhängen, das Bewusstsein, nicht den einzigen, aber einen prominenten Beitrag zur Interpretation des Flusses von Ereignissen zu bieten. Je spannender und relevanter ihre Leistungen sind, umso unverzichtbarer und wertvoller werden sie, nicht nur für die Nutzer, sondern auch für die Medienunternehmen.
Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts
