Wenn zwei streiten, gewinnen beide

Mediavision will bald in der Deutschschweiz als Kinovermarkter Fuss fassen

Mediavision will bald in der Deutschschweiz als Kinovermarkter Fuss fassenVon Markus Knöpfli Gemäss Mach Basic 2002 kann das Medium Kino mit einem Plus von 1,8% erneut wachsende Besucherzahlen ausweisen. Der Zuwachs beschränkt sich aber auf die Deutschschweiz und das Tessin. In der Romandie sind die Zahlen rückläufig. Umso härter ist dort der Konkurrenzkampf zwischen den Vermarktern Mediavision und RMB Switzerland – ein Kampf, der auch in der Deutschschweiz im Gange ist.
Zwischen April 2001 und April 2002 konnte das Medium Kino gemäss Mach Basic 2002 in der ganzen Schweiz durchschnittlich 457000 Wochenkontakte ausweisen, 8000 mehr als noch in der Vorjahresperiode. Der Zuwachs fand jedoch ausschliesslich in der Deutschschweiz (+12000, +4,1%) und im Tessin (+2000, +15,4%) statt, in der Romandie dagegen sanken die Kinokontakte um 7000 auf insgesamt 137000 Besuche (-4,2%).
Der Zuwachs in der Deutschschweiz und im Tessin ist primär zwei neuen Multiplexkinos zu verdanken, dem Kinepolis in Schaffhausen (in Betrieb seit Anfang 2001) und dem Cinestar in Lugano (seit Mitte 2001). Da der Vermarkter RMB Switzerland beide unter Pacht nehmen konnte, hält er in beiden Landesteilen weiterhin einen Marktanteil (MA) von 100%. Wegen der beiden Multiplexe hat RMB zudem zwei neue Grosscenter-Pools gegründet, was zu Kontaktzahlen-Verschiebungen und zu entsprechenden «Verlusten» bei den Regionen-Pools sowie entsprechenden «Gewinnen» bei den Grosscenter-Pools geführt hat. Die Pool-Zahlen bei RMB sind also nur bedingt mit jenen der Vorperiode vergleichbar.
Während RMB in der Deutschschweiz alle Kontaktgewinne verbuchen kann, gehen in der Romandie sämtliche Verluste auf ihr Konto. Zudem verlor RMB dort weitere 12,4% MA an Mediavision (MV), so dass RMB nun in der Westschweiz noch auf 54,7% MA kommt. In Genf konnte MV RMB erstmals überrunden und erreicht dort neu einen MA von 54,7% (+24,2%). Ähnlich im Wallis: Dort kommt MV gemäss einer Schätzung von RMB-CEO Matthias Luchsinger auf rund 60%.
Eine Region macht allerdings eine Ausnahme: In Lausanne konnte RMB seine Kontakte auf dem Niveau der Vorperiode halten – dank des neu eröffneten Multiplexkinos Cinétoile, das seit Spätherbst 2001 in RMB-Pacht ist. Da MV in der gleichen Region zudem 6000 Kontakte verlor, kommt RMB dort nun auf einen MA von 78,3% (+9,1%).
Gesamtschweizerisch gesehen hat MV nun seit ihrem Markteintritt Ende 1999 einen MA von 13,6% errungen – was Luchsinger offenbar locker wegsteckt. «Als wir 1992 – damals als Digital Cinefilm – in das Kinovermarktungsmonopol von Cefi eindrangen, kamen wir innert zweier Jahre in der ganzen Schweiz auf einen MA von 33 Prozent», kommentiert er.
Für Olivier Bloch, Geschäftsleiter von MV Suisse, werfen die neuen Mach-Basic-Zahlen jedoch drei Fragen auf: Weshalb verlor der RMB-Pool Jura-Wallis nur gerade 8000 Kontakte, obwohl der neue Walliser-Pool von MV auf einen Schlag auf 14000 Kontakte kommt? Weshalb verliert MV in Fribourg-Neuchâtel 4000 Kontakte, obwohl die Zahl der Kinosäle gleich blieb und pro Woche sogar 500 Eintritte mehr verzeichnet werden konnten? Und wie konnte MV in Lausanne 6000 Kontakte verlieren, obwohl es dort vier neue Kinos dazugewonnen hat und der Billettverkauf pro Woche ebenfalls massiv angestiegen ist.
Neue Multiplexkinos bauen die Reichweite der Vermarkter aus
Für Harald Amschler, Forschungsleiter bei der Wemf, hatte MV im Wallis schon bisher ein paar wenige Kinos, die aber unter dem Center-Pool Fribourg/Neuchâtel verbucht waren. Im neu-
en Walliser-Pool wurden diese Kinos nun mit den neu gewonnenen Walliser Kinos vereint, weshalb MV also nicht 14000 neue Walliserkontakte gewonnen habe, sondern vielleicht deren 8000. Das Umtopfen erkläre zudem den Verlust beim Center-Pool Fribourg-Neuchâtel. Für den starken MV-Verlust in Lausanne hat Amschler indes abgesehen vom Multiplex keine Erklärung: Er habe die Zahlen noch einmal geprüft und festgestellt, dass sie stimmen.
Das Kräftemessen der beiden Vermarkter ist aber nicht nur in der Romandie spannend. Auch in der Deutschschweiz ist es – wenn auch noch hinter den Kulissen – in vollem Gang. «Die aktuelle Pachtsituation in der Schweiz wird in den nächsten zwei bis drei Jahren so bleiben, MV wird per 2003 keine neuen Verträge gewinnen», sagt Luchsinger bestimmt. «In der Deutschschweiz ist einiges in Bewegung, in einem Monat kann ich mehr sagen», sagt dagegen Olivier Bloch geheimnisvoll.
Fest steht: Jeder auslaufende Deutschschweizer Pachtvertrag ist für RMB eine potenzielle Achillesferse. Aber auch jedes neue Multiplex: In den nächsten sechs Monaten werden in Wil SG und Baden zwei weitere eröffnet, und in Zürich wird das Cinemax um zwei Säle erweitert. Hat RMB diese Säle schon unter Vertrag? Luchsingers Antwort ist diplomatisch: «Sie gehören Kinobesitzern, die bestehende Verträge mit RMB haben.» Mit andern Worten: Hier wird noch heftig offeriert und geworben.

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