Vuvuzeli, Vuvuzela, Fussball ist ganz wunderbar

Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm über Fussball als Mittler zwischen den Kulturen. Oder auch nicht.

War ja klar, dass man auch von Afrika noch etwas lernen kann. Vor allem in Sachen Freude und Lautstärke. Nach all den Diskussionen darüber, ob Open Viewing ohne Ton überhaupt Spass machen kann, geht es nun wieder um Krach: und zwar um den der Vuvuzela. Vuvu-was? Die Vuvuzela, sprich ist in etwa das, was wir früher als Tröte bezeichneten. Nur etwas länger und lauter. Sie ist trompetenförmig, bis zu einem Meter lang und ursprünglich aus Horn oder Blech gefertigt, seit der Entdeckung durch Fussballfans mehr und mehr auch aus Plastik. Das Geräusch, das sie erzeugt, klingt wie das Trompeten der bei Knie ausgebüxten Sabu.
Ich kenne mich nicht schlecht mit Musikinstrumenten aus: Ich weiss, dass ein Hackbrett nicht unbedingt in die Küche gehört. Ich kenne Piano, Gitarre, Geige und Flöte, ausserdem Tamburica, Zimbel und Nonnenfurz (gibt ’s wirklich!). Aber Vuvuzela – nie gehört. Den meisten wird es so gehen. Die Medien sprechen und schreiben aber so selbstverständlich über das Instrument, dessen Name bereits ein Geräusch ist, als gehöre das Wissen um seine Existenz zur Allgemeinbildung. Also tun wir etwas für dieselbe: Vuvuzela ist Zulu, auf Setswana wird das Trötending manchmal auch Lepatata (die Kartoffeln?!?) genannt, weiss Wikipedia. Und es ist ein typisches Symbol des südafrikanischen Fussballs. Fest steht: Wenn der Durchschnittseuropäer dem Fernseher beim Fussballschauen nicht den Ton abdreht oder nebenbei Staub saugt, fallen ihm dank des Vuvuzelakonzerts schlicht die Ohren ab. Wer es 90 Minuten durchhält, braucht ein Cochleaimplantat – oder einen Psychiater: «Herr Doktor, ich höre Stimmen!» Eigentlich ist es nur ein Tinnitus.
Schräge Töne im Strafraum
Dass Fussball in Afrika lauter zugeht als hierzulande, hätten wir uns denken können. Wenn wir schon mitten im(afrikanischen) Winter eine Weltmeisterschaft in Afrika wollen, müssen wir uns auch damit abfinden, dass die da unten wie die Elefanten tröten. Töröööööööööööööhh. Das eigentliche Problem ist aber dies: Die Chancen der Schweizer, Weltmeister zu werden, standen noch nie so gut wie in diesem Jahr (!). Aber gegen den Trommelfellterror der Vuvuzela sind unsere Jungs nicht gefeit. Denn in Schweizer Stadien ist die Tröte verboten – zwar nicht wegen der möglichen Lärmbelästigung, sondern weil man sie als Schlagstock verwenden könnte. Huch! Und weil, damit nicht geschlagen werden kann, nie getrötet werden konnte, konnten sich Frei und Konsorten auch nicht an den elefantastischen Ton gewöhnen.
Ein Gutes hat ’s aber auch: Wenn unsere Nati überraschenderweise nicht Weltmeister werden sollte, hat es wenigstens nichts damit zu tun, dass die Kicker das Tor nicht treffen. Schuld ist die Vuvuzela. Und Sepp Blatter natürlich. Denn er hätte die WM ja auch im Lijerica-Land Dalmatien spielen lassen können. Die Lijerica ist nämlich viel leiser als die Gadulka, die aber auch nicht laut ist. Ausserdem spielt man die Lijerica im Sitzen. Und wer sitzt, jubelt auch nicht so wild. Was gut ist. Denn die hinten wollen schliesslich auch was sehen.

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