Vorhang auf für ethische Kost

FCB Leutenegger Krüll deckt den Werbetisch des Theaters Neumarkt

FCB Leutenegger Krüll deckt den Werbetisch des Theaters NeumarktDie Spielzeit 2001/2002 des Theaters Neumarkt steht unter dem Thema «Die ethischen und moralischen Fragen der Gesellschaft». Mit diesem Motto reagiere die Zürcher Bühne auf eine Diskussion, die in den Medien etwa über Genmanipulation, öffentliche Hinrichtungen und Sterbehilfe geführt werde, so die Intendantin Crescentia Dünsser, die das Gefühl hat, dass nun allerorten die Frage nach Übertretungen laut werde.In der kommenden Spielzeit geht es der subventionierten Aktiengesellschaft im Mehrheitsbesitz der Stadt Zürich um die Förderung des öffentlichen Diskurses, um eine nicht wissenschaftliche Auseinandersetzung auch mit den unmoralischen Aspekten dieser Fragestellungen und um eine Reflexion, ob es «so etwas wie Ethik überhaupt noch gibt». Hierbei verstehen sich die Theaterleute nicht als moralische Instanz, «die a priori immer etwas ausschliesst und verbietet», sondern arbeiten mit Stoffen, mit denen sich ethische Fragen, «die sich der Privatmensch sowieso überlegt», auf sinnliche Weise stellen lassen.
«Wir haben grosse Lust gehabt, darüber zu schwadronieren, was der Mensch ist», so die Intendantin. Diese Lust unterstreicht auch ein Auftritt der Agentur FCB Leutenegger Krüll, die das Motto der Spielzeit 2001/2002 auf humorvoll-kulinarische Weise umgesetzt hat.
Das von den Walliseller Werbern vorgeschlagene Spielzeit-Visual zeigt eine grosse Tischdecke mit aufgedruckten Gedecken, leeren und halbleeren Tellern, die jeweils einer Produktion zugeordnet sind. Auf einem Sujet etwa, das eine Inszenierung von Fjodor Dostojewskijs «Schuld und Sühne» ankündigt, sind Reste von rotem Kaviar zu sehen.
«Daran, wie jemand isst, kann man erkennen, was für einen Charakter dieser Mensch hat», begründet Creative-Director Mike Krüll die Umsetzung.
Gleichzeitig wurden von den Tellern Einzelmotive in Form von Postkarten produziert, die separat zur Bewerbung jeder Aufführung oder, zu einem Heft geleimt,
als Spielzeitprogramm verschickt und abgegeben werden können.
Die zweite Spielzeit sei von der Stimmung her erfolgreich, die Vorstellungen im Moment stets ausverkauft. «Wenn die Zürcher einmal anfangen, einen ins Herz zu schliessen, dann tun sie es ganz. Das gibt man ihnen am Anfang gar nicht. Man ist überrascht, dass sie einem Heimat bieten», sagt die deutsche Intendantin, die vor zwei Jahren mit Otto Kukla die Leitung des Theaters Neumarkt übernahm. Ernst Weber

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