Vom Hüst und Hott des Generaldirektors

Kolumne Was eigentlich will Armin Walpen mit seinem Feldzug gegen die Bilderzensur durch die Uefa? Schon eine Woche nach den starken Worten hat er kleinlaut beigegeben. Hans Stutz über Armin Walpens Kampf gegen das Regime Uefa.

 
Kolumne Was eigentlich will Armin Walpen mit seinem Feldzug gegen die Bilderzensur durch die Uefa? Schon eine Woche nach den starken Worten hat er kleinlaut beigegeben. 
Hat er wirkungsvoll gemacht, der Armin Walpen. So machte es zuerst den Anschein. Ein Kurzinterview in der SonntagsZeitung, und anderntags verbreiten viele Tageszeitungen die Kunde weiter. Nicht nur in der Schweiz. «Schweizer Rundfunkchef klagt an: Uefa manipuliert TV-Bilder», titelte etwa die Süddeutsche Zeitung. Die Uefa hat zwar weder Bilder manipuliert noch zensuriert, sondern die von ihr angeheuerte TV-Produktionsfirma hat sie ausgewählt und übermittelt. Und das Schweizer Fernsehen SF hat das Zeug einfach ausgestrahlt – wie andere Fernsehstationen auch.Er wolle, hat der SRG-Generaldirektor noch angekündigt, der Uefa einen Brief schreiben. Ob er das auch tatsächlich getan hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls werden da die europäischen Fussballherren wohl noch mächtig ins Grübeln kommen.
Walpens Botschaft, die er durch die SonntagsZeitung verbreiten liess, verdient allerdings einen genaueren Blick. «Die SRG lehnt jede Zensur von Sportübertragungen ab. Grosse Sportverbände versuchen zunehmend, sich mit eigenen Produktionsfirmen die Hoheit über Bild und Ton zu sichern. Das bereitet uns Sorgen. Bearbeitete und von Dritten ausgewählte Bilder sind aus Sicht des Informationsauftrages und der journalistischen Unabhängigkeit (…) mehr als problematisch.» Schön zu hören, dass die SRG die «Zensur von Sportübertragungen» ablehnt. Wir hielten das zwar für selbstverständlich – nicht nur bei Sportsendungen. Recht hat Walpen auch, wenn er die Zumutungen der Sportverbände erwähnt und auf die gefährdete journalistische Arbeit hinweist.
Nur: Der Generaldirektor kritisiert einen Zustand, für den er selber mitverantwortlich ist. Seit spätestens Frühling 2006 ist bekannt, dass die Uefa während der Fussball-EM erstens die Bilderhoheit haben und zweitens «harmonische Bilder» verbreiten will. (So gesehen ist es nur folgerichtig, dass die Uefa bei einem Flitzer und bei von Zuschauern entfachten Petarden wegschaut.) Nichtsdestotrotz hat sich die SRG auf den Vertrag eingelassen und den Uefa-Organisatoren die Bilderhoheit für den Live-Stream zugestanden.
Die SRG-Sender haben es auch zugelassen, dass die Uefa in die Programmstruktur hineinreden kann, wie das Medienmagazin Klartext bereits 2006 schrieb. Im Vorfeld der Fussball-EM verpflichtete sich die SRG, zwischen Dezember 2007 und Mai 2008 acht Magazin-Beiträge über den Veranstalter Uefa zu verbreiten. Auch bei den Champions- League-Spielen erfüllt das Schweizer Fernsehen Uefa-Vorgaben, in dem es vor und nach einem Spiel eine Studiosendung produziert.
Apropos journalistische Unabhängigkeit der SRG-Sportsendungen: Bei den Übertragungen der Formel-1-Rennen arbeitet Peter Sauber in dieser Saison zehnmal als Co-Kommentator mit. Wo bleibt da die journalistische Unabhängigkeit? Sauber ist ja immer noch Teil des BMW-Sauber-Teams…
Vielleicht müsste sich Armin Walpen einmal einen Brief an sich selber schreiben und sich beim SRG-Generaldirektor darüber beschweren, dass ein Interessenvertreter auch noch Journalist spielen darf.
Armin Walpen hat sich also in die Nesseln gesetzt, und so ist es folgerichtig, dass er eine Woche später alles ganz anders sehen will. Die Uefa-Geschichte sei, so sagte er jüngst dem Sonntag, ein «isolierter Vorfall von untergeordneter Bedeutung» und seine Kritik habe er «nicht zuletzt mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking» geäussert. Und weil die Sache wichtig ist, will Walpen im Sommer «vor Ort» sein und zusehen, ob die Medien «das Dopingthema» frei abhandeln könnten und ob die Journalisten «in ihrer Arbeit generell nicht behindert» würden. Bei schwerwiegenden Vorfällen müsse sich die SRG «grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der medialen Abdeckung» machen, was – so interpretierte das jedenfalls der Sonntag – auch der Verzicht auf die Übertragung bedeuten könnte. Was genau denn ein schwerwiegender Vorfall wäre, hat Walpen aber nicht definiert.
Der wirkliche Gegner ist für den Generaldirektor also plötzlich weit weg, und so will er nun, dass die öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen mit den Sportverbänden (Uefa, Fifa, IOC) «grundsätzlich diskutieren» und sich «allenfalls auf bestimme Rahmenbedingungen einigen». Was bis anhin im Einzelfall, soll nun generell geregelt werden.
Die Bilderproduktion durch die Veranstalter sei, so Walpen nun, wohl wirtschaftlich schmerzhaft, aber «weniger problematisch und zu akzeptieren». Wichtig sei, dass die Bildauswahl bei den Medien liege. Im Klartext: Es genügt ihm, dass die Medien aus den Veranstalterbildern auswählen können. Doch redaktionelle Unabhängigkeit sieht anders aus. Eine Woche nach Walpens starken Worten hat der SRG-Generaldirektor kleinlaut beigegeben.
Hans Stutz ist freier Journalist

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