Virtueller Friedhof

Kommentar René Worni über lokale Innovationsarmut.

Kommentar René Worni über lokale Innovationsarmut.Die Ideenwerkstatt im Mikrokosmos Jungfrau bleibt fortan für Dritte geschlossen. Verleger Urs Gossweiler, der sich bei den zahlreichen einschlägigen Branchenanlässen mit Lust als Hofnarr betätigt und den Grossverlegern in der Medienstadt Zürich mitunter am Rand der Glaubwürdigkeit den Tarif erklärt,  hat drei Jahre lang vergeblich versucht, Verleger als Partner für seine Mikrozeitung zu erwärmen. Schwer zu sagen, ob es dem Berner Oberländer an Verhandlungsgeschick fehlt. Doch eine stattliche Reihe von Verlegern und Medienprofis hat sich mit einem Konzept befasst, das Print und Online schon geschickt verzahnte, als noch niemand gross darüber nachdachte. Der Grund für die Entstehung der Mikrozeitung, nämlich die Kosten für Druck und Distribution so gering wie möglich zu halten, schmälert dabei ihre Innovationskraft keineswegs. Die Krisenresistenz seines Projektes gab dem Bergler schliesslich recht. Ähnliches kann nur Eugen A. Russ mit seinen Vorarlberger Nachrichten von sich sagen.
Die wohl bedeutendste Lokaloffensive überhaupt hält derzeit der Tages-Anzeiger am Kochen. Seit der Lancierung der neuen Regionalausgaben liegen diese als sechster Bund des Tamedia-Flaggschiffes schon bedeutend besser in der Hand, vergleicht man diese mit dem einstigen Tabloid am linken Seeufer, dessen Anmutung eklatant mit den Erfolgsbeteuerungen aus der Chefredaktion kontrastierte. Jetzt ist auch der Regionalteil schon eher ein Tagi, den man am Schluss noch rasch mitnimmt.
Doch ist das schon alles? Warum soll der Gegner (hier die Zürcher Landzeitungen) mit denselben Mitteln bekämpft werden, wo er ohnehin schon schwerwiegende Heimvorteile geniesst? Die Ideen für geeignete Strategien liegen praktisch auf der Strasse. Leute wie Gossweiler oder Russ haben unternehmerisch bewährte Antithesen formuliert, auf die man auch an der Werdstrasse mit geringem Risiko bauen könnte. An Web-TV zum Beispiel hätten Inserenten bestimmt Freude. Und fehlen die Todesanzeigen im Blatt (Ausdruck mangelnder Akzeptanz bei den Einheimischen), wär der virtuelle Friedhof bestimmt die Antwort. Von weiteren (Mehrwert-)Features mal ganz zu schweigen.
René Worni, Redaktor

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