Trau, schau, wem?
Aufgefallen Ohne neues Vertrauen in den Markt und die Eliten kommt und geht gar nichts, schreibt Kenneth Angst.
Kolumne Ohne neues Vertrauen in den Markt und die Eliten kommt und geht gar nichts, schreibt Kenneth Angst. In Zeiten gesellschaftlichen Wandels, politischer Unrast und wirtschaftlicher Stagnation redet alles von Vertrauen: von dessen Verlust oder Wiederherstellung oder ganz einfach der Sehnsucht danach. Das Thema ist von vitaler Bedeutung, denn in offenen, dynamischen Markt- und Ichgesellschaften wird individuelles und kollektives Vertrauen immer wichtiger: Die Palette der Notwendigkeiten reicht vom Selbst- bis zum Systemvertrauen, also dem Glauben an die Verlässlichkeit der Mächtigen und der Märkte. Ergo sind die Organisationen (Verbände, Parteien, Unternehmen, Behörden) und deren Repräsentanten heute mehr denn je darauf angewiesen, dass ihnen ihr jeweiliges Umfeld (Öffentlichkeit, Medien, Mitarbeiter, Anleger, Wähler, Mitglieder) glaubt und vertraut, ihnen Kompetenz, Integrität und Werthaltigkeit zuschreibt. Wer sich darum foutiert, ist schnell weg vom Fenster.Vertrauen wird aber auch immer knapper und fragiler: nur mühsam und langwierig aufzubauen, aber schnell zerstört. Wer vertraut, hat nicht nur ganz bestimmte, sondern in aller Regel zudem grosse Erwartungen – und ist deshalb auch rasch einmal enttäuscht. Wer aber enttäuscht ist, sieht sich immer auch getäuscht und reagiert darauf mit sofortigem und nachhaltigem Entzug dieser Mutter aller Kommunikationsressourcen.
Vertrauensverluste führen bekanntlich zu fundamentalen Krisen – des Selbstvertrauens, des Zukunftsglaubens, des Anlegervertrauens, des Politik- und Marktvertrauens, des Rechts- und Regelvertrauens. So wie heute. Deshalb suchen auch alle nach kommunikativen Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung verloren gegangenen respektive zur Gewinnung neuen Vertrauens. Denn ohne Vertrauen wird nicht mehr riskiert und nichts mehr investiert. Stattdessen greifen Angst und Misstrauen um sich. Die Welt wird zu solchen Zeiten regiert von Prävention statt von Aktion, von Aggression statt von Kommunikation.
Aus solch depressiven und explosiven Stimmungslagen heraus führt letztlich nur die proaktive Bereitschaft zu offener und gradliniger Kommunikation. Vor allem in Krisenzeiten wollen alle Akteure voneinander genau wissen, wer wo respektive wofür steht, wer was will und warum, wer was kann und wer was leistet. Neues Individual- und Kollektivvertrauen entsteht nur dann, wenn klare Botschaften den Nebel wieder lichten: zu Gunsten neuer Verbindlichkeiten, neuer Spielregeln, neuer Übereinkünfte. Anders gesagt: Wer die Krise verlängern will, spart am besten bei der Kommunikation. Wer indes aus ihr herausfinden will, investiert in und stellt sich der Kommunikation. So einfach ist das.
> Kenneth Angst war in den Chefredaktionen von NZZ und Weltwoche und ist heute Geschäftsführer von Mediapolis, Zürich.
Vertrauensverluste führen bekanntlich zu fundamentalen Krisen – des Selbstvertrauens, des Zukunftsglaubens, des Anlegervertrauens, des Politik- und Marktvertrauens, des Rechts- und Regelvertrauens. So wie heute. Deshalb suchen auch alle nach kommunikativen Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung verloren gegangenen respektive zur Gewinnung neuen Vertrauens. Denn ohne Vertrauen wird nicht mehr riskiert und nichts mehr investiert. Stattdessen greifen Angst und Misstrauen um sich. Die Welt wird zu solchen Zeiten regiert von Prävention statt von Aktion, von Aggression statt von Kommunikation.
Aus solch depressiven und explosiven Stimmungslagen heraus führt letztlich nur die proaktive Bereitschaft zu offener und gradliniger Kommunikation. Vor allem in Krisenzeiten wollen alle Akteure voneinander genau wissen, wer wo respektive wofür steht, wer was will und warum, wer was kann und wer was leistet. Neues Individual- und Kollektivvertrauen entsteht nur dann, wenn klare Botschaften den Nebel wieder lichten: zu Gunsten neuer Verbindlichkeiten, neuer Spielregeln, neuer Übereinkünfte. Anders gesagt: Wer die Krise verlängern will, spart am besten bei der Kommunikation. Wer indes aus ihr herausfinden will, investiert in und stellt sich der Kommunikation. So einfach ist das.
> Kenneth Angst war in den Chefredaktionen von NZZ und Weltwoche und ist heute Geschäftsführer von Mediapolis, Zürich.
