Springerisierung
Kommentar René Worni über vertrauenswürdige Verlagspartner.
Kommentar René Worni über vertrauenswürdige Verlagspartner.Nachdem der deutsche Axel-Springer-Konzern den Kauf des Jean Frey Verlages kurz vor Weihnachten bekanntgab, blieb es in den Medien erstaunlich still. In der üblichen Berichterstattung fehlten die kritischen Worte völlig. Wie lässt sich das erklären? Noch bis in die 90er-Jahre galt der Name Axel Springer als Synonym für reisserischen Boulevard und CheckbuchJournalismus, wie ihn Bild, das Flaggschiff des Hauses, stets am Rande der Legalität betrieb. Generationen hatten Heinrich Bölls verlorene Ehre der Katharina Blum oder Günter Wallraffs Frontberichte vom Redaktionshorror bei Bild mit der Muttermilch eingesogen oder spätestens an den Mittelschulen als Pflichtlektüre genossen. Bild-Reporter waren Bluthunde und gingen über Leichen, um zu ihren Storys zu kommen.
Ob dem bei Bild heute noch so ist, bliebe zu überprüfen, ansonsten ist die Welt eine andere geworden, und der einst selbstverständliche Abwehrreflex gegen den deutschen Konzern hat offenbar ausgedient. Dem gelang es, nicht zuletzt durch die Annäherung zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Döpfner und dem Bild-Verweigerer auf ewig, Günter Grass, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen.
Die Übernahme des Jean Frey Verlages durch die Deutschen rief ins Bewusstsein, dass der Konzern als Besitzer der Handelszeitungs-Gruppe bereits seit 1999 in der Schweiz dezent agiert und über Finanzkräfte verfügt, womit er im Schweizer Markt die Karten augenblicklich neu mischen könnte. Schon 1992 wäre es beinahe zu einer Fusion von Ringier mit dem deutschen Axel Springer Verlag gekommen.
Hiesige Verleger liebäugelten zusehends mit staatlichen Subventionen, meinte Hanspeter Lebrument an der Dreikönigstagung (der Verlegerpräsident soll sich ruhig selber an der Nase nehmen). Verlage wie Axel Springer, die sich der angelsächsischen Tradition der Unabhängigkeit der Medien verpflichtet fühlten, gälten deshalb in der Schweiz als die vertrauenswürdigeren Partner. So gesehen ist der Konzern hier zu Lande willkommen. Die weitere Springerisierung der Schweizer Medienlandschaft ist da lediglich eine Frage von sich bietenden Opportunitäten.
René Worni, Redaktor
Ob dem bei Bild heute noch so ist, bliebe zu überprüfen, ansonsten ist die Welt eine andere geworden, und der einst selbstverständliche Abwehrreflex gegen den deutschen Konzern hat offenbar ausgedient. Dem gelang es, nicht zuletzt durch die Annäherung zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Döpfner und dem Bild-Verweigerer auf ewig, Günter Grass, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen.
Die Übernahme des Jean Frey Verlages durch die Deutschen rief ins Bewusstsein, dass der Konzern als Besitzer der Handelszeitungs-Gruppe bereits seit 1999 in der Schweiz dezent agiert und über Finanzkräfte verfügt, womit er im Schweizer Markt die Karten augenblicklich neu mischen könnte. Schon 1992 wäre es beinahe zu einer Fusion von Ringier mit dem deutschen Axel Springer Verlag gekommen.
Hiesige Verleger liebäugelten zusehends mit staatlichen Subventionen, meinte Hanspeter Lebrument an der Dreikönigstagung (der Verlegerpräsident soll sich ruhig selber an der Nase nehmen). Verlage wie Axel Springer, die sich der angelsächsischen Tradition der Unabhängigkeit der Medien verpflichtet fühlten, gälten deshalb in der Schweiz als die vertrauenswürdigeren Partner. So gesehen ist der Konzern hier zu Lande willkommen. Die weitere Springerisierung der Schweizer Medienlandschaft ist da lediglich eine Frage von sich bietenden Opportunitäten.
René Worni, Redaktor
