Spektakel & Barbecue

Von Beat Fritsch

Von Beat FritschWie sieht ein 85 Jahre alter Travestiekünstler aus? Fragten Sie sich jemals, wie Elvis heute singen würde? Denken Sie, die Rolling Stones stünden in 20 Jahren noch immer auf der Bühne? – Die Beantwortung dieser Fragen nahm das Spektakel «Road to Heaven» des Young@Heart-Chorus vorweg. Was da abging – man hätte sich im falschen Film oder gar auf einem missratenen Drogentrip gewähnt, hätte man es nicht besser gewusst. Denn der Tages-Anzeiger lud zur exklusiven Theater-Spektakel-Premiere einen Tag vor der offiziellen Eröffnung in die Werfthalle, und dabei wird einem traditionellerweise sehr extravagante Kost vorgesetzt. Wie eben dieses Jahr der [email protected] Idee zu dieser Truppe entstand in einem Altersheim in – wo denn sonst? – Amerika. Der Jüngste der Künstler ist 68, die Älteste 94. Ganz amerikanisch begann die Show: Ein paar greise Texas-Cowboys in Originalkluft sangen «Rawhide», den Titelsong einer Western-Serie aus den Fünfzigerjahren. Dann hiess es für die Oldies «ab ins Heim». Das Bühnensetting verwandelte sich in ein Altersheim mit Empfang, Pflegerinnen und einer Viermanncombo. Die Insassen legten aber gleich wieder los und schöpften aus dem Vollen. The Beatles, The Rolling Stones und Elvis – das hätte man nach dem ersten Überraschungseffekt ja noch erwartet. Aber die alten Leute setzten noch einen und noch einen drauf. Als sie mit Interpretationen von Devo und den Talking Heads aufwarteten, hätte das Publikum zu tanzen begonnen, wenn genügend Platz gewesen wäre.
Die Gäste durchliefen ein Wechselbad der Gefühle, die Show war ein emotionaler Rundumschlag mit dem ganz grossen Hammer. Von absolut tränenrührenden Einlagen – sogar hart- gesottene Werber zückten die Taschentücher – bis hin zu Songs zum Mitklatschen waren alle Ingredienzen eines absolut perfekten Auftritts vorhanden. Dabei begannen die Songtexte urplötzlich eine komplett andere Bedeutung zu erhalten: so bei der Intonation von «Forever young», das auch Leitmotiv der Bühnenshow war. Oder wenn die wild gewordene Meute aus dem Altersheim dem Publikum ihr «I can’t get no satisfaction» entgegen- schmetterte. Wenn, zwar mit leicht eingerosteten Bewegungen, zu «Staying alive» getanzt wurde. Und als ein alter Mann im Rollstuhl «Every breath you take, every move you make» zum Besten gab. Der definitive Hammerschlag kam dann mit «Stairway to heaven» in einer Version, die auch Led Zeppelin alle Ehre gemacht hätte.
Quintessenz: Der Young@ Heart-Chorus bewies auf eindrücklichste Art und Weise, dass man genau so alt ist, wie man sich fühlt. Und regte zum Nachdenken an: Jede Besucherin und jeder Besucher dürfte einige sehr persönliche Gedanken und Empfindungen mit nach Hause genommen haben. So ruhig jedenfalls wars noch nie, als sich die Besucher zum nächtlichen Imbiss in Richtung Zeltstadt und Beizenlandschaft des Theater Spektakels bewegten.
Nach einigen Fehlgriffen, so waren sich denn auch alle Besucher einig, haben die Programmverantwortlichen der Tages-Anzeiger-Vorpremiere heuer nicht nur ins Schwarze, sondern mitten ins Herz getroffen. Ob all der servierten Leckereien von Buffet und Grill hingegen schwenkte die Stimmung schon bald wieder von nachdenklich auf feucht-fröhlich um. Und als dann die Young@Heart-Stars später ebenfalls zum Essen eintrafen, gabs nochmals eine laute und anhaltende Standing Ovation.
«Marchel-Barbecue» hiess es am Sonntag im «Giardino Verde». Im Tropengarten Richtung Reppischtal fand der grösste Familienanlass der Werbebranche statt – das Grillfest von Markus Marchel. Schon früher hiess es jeweils: Kinder willkommen, doch zum ersten Mal fand das BBQ an einem Sonntag statt und begann schon am Mittag. Normalerweise müssen Werber in Begleitung ihrer Kiddys nach ein bis zwei Stunden an einem Event entnervt das Feld räumen, weil der Nachwuchs keine Ruhe mehr gibt. Nicht so bei Marchel. Selten sah man Eltern so lange sitzen bleiben, denn die Kinder wurden beinahe besser betreut als die Erwachsenen. Marchels Kinderhort stellte alles bisher da Gewesene in den Schatten: professionelle Kiddy-Betreuung, Trampolinzelt, Clowns, Spiele aller Art – alles aus Holz, nix Gameboy –, viel Platz zum Herumtollen sowie ein Mal-, Schmink- und Tattoo-Studio. «Natürlich nur Henna, das geht in drei Wochen wieder weg», beruhigte die Künstlerin die Eltern. Und so wuselten bald einmal kleine und grössere Fischlins, Hallers, Küngs, Marchels, Müllers, Stuckerts, Sutters und wie sie alle hiessen in allen Farben ins und ums «Giardino Verde». Alle Gäste mit Nachwuchs werden nächstes Jahr wohl oder übel wieder ans Marchel-BBQ kommen müssen – der Haussegen könnte sonst noch in Schieflage geraten.
Da Marchel, früher mal Anzeigenleiter beim Beobachter, mittlerweile diese Funktion bei der Hotellerie Suisse ausübt, konnte das Sponsoring auf eine viel breitere gastronomische Basis gestellt werden. Also kamen auch die Erwachsenen voll auf ihre Kosten. Zwar vermisste der eine oder andere den nach Marchel-Originalrezept gebeizten Lammgigot aus früheren Zeiten. Der geladene Grillweltmeister Andreas Arbter jedoch zauberte aus seinen drei Cactus-Jack-Grills (das sind genau die, die wie Lokomotiven aussehen) so viele verschiedene Fleischsorten und andere Grillspezialitäten hervor, dass keine Wünsche offen blieben. Und ausgedehnte Buffet-aufbauten von A wie Apéro zu K wie Käse und S wie Salat bis hin zu Z wie «Zum Dessert» begeisterten alle Gäste, die sich zum Schlemmen und Schwatzen eingefunden hatten. Fürs Ohr wiederum sorgten Saxofonist Roland Graf und Sängerin Eve Kay. Fazit: Das elfte Marchel-BBQ war ein Fünfsterneevent. Und für alle, dies verpasst haben; es wird sicherlich ein zwölftes geben.
Beat Fritsch

ging auf Indiana-Jones-Safari ins «Giardino Verde». Wie ein Held aus Steven Spielbergs Filmen kommt man sich jedenfalls vor, wenn man die Gartenanlage in Uitikon-Waldegg betritt. In der tropischen Umgebung des «Giardino» ging dieses Jahr das Marchel-Barbecue über die Bühne (Seite 20). Bereits am Mittwoch davor lud der Tages-Anzeiger bei schönstem Zürichseewetter zur traditionellen Premiere des Zürcher Theater Spektakel mit vorheriger Schifffahrt (Seite 18).
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