Shortlist: Von wegen Aufschwung

Shortlist: Von wegen Aufschwung Von Beat Fritsch So sicher wie der Kater dem Sylvesterrausch folgt zum Jahresbeginn auch pünktlich die Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse. Eine willkommene Gelegenheit für höchste, hohe und mitt

Shortlist: Von wegen Aufschwung
Von Beat Fritsch
So sicher wie der Kater dem Sylvesterrausch folgt zum Jahresbeginn auch pünktlich die Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse. Eine willkommene Gelegenheit für höchste, hohe und mittlere Kader aus den Schweizer Verlagen, sich ein gutes Neues Jahr zu wünschen. Und gleich auch die Möglichkeit für eine Standortbestimmung, sei sie nun personeller oder allgemeiner Natur.
Personell, weil sich auf Grund der Gästeliste exzellent feststellen lässt, wer denn seit der letzten Tagung den Job gewechselt hat oder momentan gar zu haben wäre. Oft sind diese Exponenten bekannte ehemalige Kaderleute und figurieren nun aktuell als freie Consultants auf der Liste – so nennen sich heute arbeitslose Verlagsspezialisten, die was auf sich halten. Was wiederum die Stellenvermittler anzieht: Sehr umtriebig zeigten sich nämlich die Personalberater Hélène Müller und Hans Hofmann. Die Dreikönigstagung ist für beide ein Basar allererster Güte.
Noch immer auf der Suche nach einem Nachfolger befindet sich Hans Heinrich Coninx. Nicht für sein Stammhaus Tamedia, bewahre!, sondern in seiner Funktion als Präsident des Verbands. Er stehe in Diskussion mit sehr valablen Kandidaten und hoffe, dass dies jetzt wirklich seine letzte Begrüssungsrede an einer Dreikönigstagung gewesen sei, gab er gegenüber der WerbeWoche zu Protokoll. Eigentlich wollte Coninx sein Amt schon auf den Verlegerkongress im letzten September abgeben, fand aber noch keinen Ersatz.
Schneller ging die Nachfolgeregelung beim operativen Teil des Verbands vor sich. Im Programm noch als Überraschungsgast angekündigt, hielt der designierte, neue Geschäftsführer des Verbands, Daniel Kaczynski, quasi seine Antrittsrede. Die hier wiedergegebene Schreibweise sei übrigens korrekt, er sei aber betreffs der Schreibweise seines Namens abgehärtet, so Kaczynski. Kein Problem übrigens, so lan-
ge er nicht mit dem Kreativen Kazcy (Katzky? Cazzki? oder gar: Catsky?) verwechselt wird.
Das Rätsel, weshalb der neue Geschäftsführer nun ein Überraschungsgast sein soll, löste Moderator Karl Lüönd: Weil die Medienbranche schnelllebig sei, halte man sich mit dieser Rubrik die Redezeit für unvorhergesehene oder brandaktuelle Themen offen. «Dass es den eigenen Laden betrifft, hätte ich allerdings nicht gedacht», scherzte Lüönd. Denn nur knapp eineinhalb Jahre blieb Eva Keller auf dem Posten der Geschäftsführerin, sie ist bekanntlich die designierte Nachfolgerin von Ringier-Konzernsprecher Fridolin Luchsinger. Bei Drucklegung des Tagungsprogramms war ihre Nachfolge allerdings noch ein gut gehütetes Geheimnis, weshalb Kaczynski die Ehre des Überraschungsgastes zuteil wurde.
Der allgemeine Teil der Tagung, gemeint sind die Referate, strotzte nicht gerade vor Optimismus. Allenthalben wurde der Mahnfinger erhoben oder gleich Salz in offene Wunde gestreut. So mochte denn auch keiner der Referenten mehr Aufschwungprognosen zum Besten geben. Qualität, Glaubwürdigkeit, Reputation oder Wertemanagement hiessen die Kernthemen der Vorträge. Denn die nächst gelegene Zahl, die derzeit im Zusammenhang mit dem Wörtchen Aufschwung genannt wird, lautet 2004. Und sie wird bis jetzt nur ganz leise geflüstert. Positiv formulierte es Bruno Widmer, Verwaltungsratspräsident von Advico Young & Rubicam, zu Beginn seines Referats: «Ich bin zuversichtlich, dass es auch 2003 schwierig weitergehen wird.»
Beat Fritsch mit Dreikönigskronen-Plagiat auf dem Haupt. Denn einmal mehr biss jemand anders auf den einzigen Plastikkönig, der jeweils an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse in über dreihundert Königskuchenstücken versteckt wird. Zu gewinnen gabs mit der Königswürde heuer einen Treo-Organizer. Aber auch sonst ist der Besuch der Tagung im WTC in Zürich-Oerlikon lohnenswert. Es ist nämlich die Gelegenheit, all denen Neujahrswünsche auszusprechen, die auf dem Verteiler des Weihnachtskartenversands gefehlt haben.
Wo 2003 in der Kommunikations-, Media- oder Verlagsbranche getagt, gefeiert oder königlich getafelt wird, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbewo che.ch). Veranstaltungstipps und gelegentlich auch weitere Shortlist-Bilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

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