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Gregory C. Zäch will als neuer Verlagsleiter den Werd Verlag wie ein KMU innerhalb eines Unternehmens führen.

Gregory C. Zäch will als neuer Verlagsleiter den Werd Verlag wie ein KMU innerhalb eines Unternehmens führen.Er hätte beim Vorstellungsgespräch wohl von allen Kandidaten am meisten Fragen gestellt, meint Gregory C. Zäch. Seit Anfang Oktober wirkt der Begründer des kleinen, aber feinen Midas Verlags auch noch beim grossen Werd Verlag als Verlagsleiter im Mandatsverhältnis. Als kleine Aufmerksamkeit beim Anstellungsgespräch brachte er ein Buch aus dem eigenen Verlag mit dem Titel «Vom Geschäft mit Büchern» mit. Verfasst von Jason Epstein, einer der wichtigsten Persönlichkeiten des amerikanischen Verlagswesens, der unter anderem das Paperback als eigenständiges Format etabliert hat. Rund 20 Prozent seiner Arbeitszeit will Zäch weiterhin für die Programmleitung bei Midas einsetzen, 80 Prozent sind für den Werd Verlag reserviert, «obwohl das im Endeffekt natürlich ein Engagement von mehr als 100 Prozent sein wird», wie der neue Verlagsleiter meint.
Als Aussenstehender hat Zäch «relativ schnell gesehen», wo es nach 17 Jahren beim Werd Verlag ein bisschen frischen Wind braucht. «Das Programm ist mit über 200 Titeln zwar sehr gross, aber auch etwas diffus», meint er. «Das ist der Punkt, wo man einerseits straffen muss, andererseits aber auch komplett Neues einbringen kann.»
«Man muss sehr viele Konzepte und Manuskripte prüfen, um daraus die paar Prozent auszuwählen, die letztlich ein stimmiges Programm ausmachen», lautet das Credo seiner Verlagsarbeit. Dazu besucht Zäch Veranstaltungen von der Frankfurter Buchmesse über die London Book Fair bis hin zu den wichtigsten Messen in Amerika. Diese Vernetzung bringt die nötigen Kontakte und ein Gespür dafür «was in der Branche läuft».
Der in New York geborene und in St.Gallen aufgewachsene Doppelbürger zählt einige US-Autoren und Verleger zu seinen guten Freunden und ist überzeugt, dass im Verlagswesen die Kleineren oft die besseren Chancen haben, da sie schneller reagieren können und durch die Nähe zur Zielgruppe mehr Glaubwürdigkeit und Profil besitzen. «Das Verlagswesen ist von Natur aus eine vorindustriell organisierte Branche: dezentralisiert, improvisiert, persönlich, am effizientesten in kleinen Gruppen Gleichgesinnter, die ihr Handwerk lieben, auf ihre Autonomie bedacht sind und auf die Bedürfnisse von Schriftstellern sowie die unterschiedlichsten Interessen der Leser sehr empfindlich reagieren», heisst es auch in Epsteins «Vom Geschäft mit Büchern». Zäch glaubt deshalb, dass «ein Kleinverleger, wie ich es bin, dem Werd Verlag gut tun kann», weil er von der Denkweise her aus einer anderen Ecke komme. Buchverlage in Konzernen hätten oft Denkweisen und Strukturen wie Konzerne, «sind aber selber eigentlich Kleinbetriebe». Zäch ist überzeugt, dass sich die Flexibilität eines Kleinverlages mit der Kraft eines Unternehmens verbinden lässt und mit einer solchen Haltung im Buchwesen gutes Geld verdient werden kann, sofern man das Gespür für die richtigen Projekte hat.
«Looking Good in Print», hiess ein solches Buch, mit dem Gregory C. Zäch vor rund 15 Jahren seinen Midas Verlag gestartet hat. Den Bestseller zum Thema Desktop Publishing hat er gleich selber aus dem Englischen übersetzt, gelayoutet, lektoriert und herausgegeben. Inzwischen ist das Fachbuch bereits in der fünften, überarbeiteten Auflage erschienen, was «für ein Computerbuch doch eher selten ist».
Ein weiterer Bestseller ist die «Midas Macintosh Bibel», die schon über 20000 Mal verkauft wurde. Auch dieses Werk basiert auf dem Erfolgsrezept, dass Zäch zum Beispiel aus den USA eine gute Konzeptidee übernimmt und dann «mit eigenen, lokalen Inhalten füllt». Als Fachbuchverleger arbeitet er sehr zielgruppenorientiert und weiss genau, wo die Bedürfnisse sind. So hat sich auch das von ihm verlegte «Insiderbuch QuarkXPress» mehr als 65000 Mal verkauft, weil es das erste brauchbare Buch zum Thema war.
Beim Werd Verlag will er bereits vorhandene Kernkompetenzen ausbauen und durch neue Formen erweitern. Auch eine neue Reihe mit Sachbüchern aus dem Bereich Kommunikation, Werbung und Medien kann sich Zäch durchaus vorstellen. «Hier kann ein Verlag im Unternehmen der Tamedia sicher eine grosse Glaubwürdigkeit und Kompetenz vorweisen.»
Was Zäch weniger interessiert, sind gesponserte Bücher ohne Profil. Diese würden das Programm verwässern und seien damit für den Verlag nicht gratis, sondern würden unter Umständen viel kosten. «Mach es richtig oder lass es sein», hat die Strategie von Gregory C. Zäch schon immer geheissen.
Durchgezogen hat er das bereits als 16-Jähriger mit Artikeln für Musik- und Filmmagazine. Nach einem Volontariat bei der Ostschweiz war er als Nachrichtenredaktor im Gründungsteam von Radio Aktuell. Daneben hat er Betriebswirtschaft an der HSG sowie Publizistik und Anglistik in Zürich und Cambridge studiert. Mit einem Kollegen, der mit ihm die Ringier-Journalistenschule besucht hatte, gründete er das Trendmagazin Sputnik, zu dem später auch noch Sputnik TV (auf Tele- Züri) kam. Einer der ersten Titel, die Zäch in seiner neuen Funktion vorstellen konnte, war – «Nahsehen», das Buch von Hugo Bigi zum zehnjährigen Jubiläum von TeleZüri.
Glaubt, dass «ein Kleinverleger, wie ich es bin, dem Werd Verlag gut tun kann»: Gregory C. Zäch.
Andreas Panzeri

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