Screenforce Day 2025: Vertrauen ist die neue Währung
Zum zehnten Mal brachte der Screenforce Day die Branche zusammen – mit Rekordandrang, klaren Thesen zur Zukunft von TV und KI, einer vielbeachteten Vergleichsstudie zu YouTube und TV sowie einem Plädoyer für mehr Vertrauen und Relevanz im Bewegtbild.

Es war ein mehr als würdiges Jubiläum, das der Screenforce Day Schweiz am 27. Mai 2025 feiern durfte. Rund 370 Gäste – der Anlass war schon Wochen im Voraus ausgebucht – trafen sich im Kongresshaus Zürich, um den spannenden Vorträgen und Diskussionen der Expertinnen und Experten zu folgen. Neben den sechs Beiträgen sorgten Moderator Wolfram Kons und der Schweizer Komiker Fabian Unteregger für beste Unterhaltung. Unteregger imitierte verschiedene Persönlichkeiten, die auf humorvolle Weise die Relevanz von TV betonten.

Zwischen Algorithmus und Authentizität: KI braucht den Menschen
Futurist Gerhard Leonhard zeichnete nach Kaffe und Gebäck pünktlich ab 9 Uhr ein kraftvolles und zugleich mahnendes Zukunftsbild: Künstliche Intelligenz steigert unsere «Brain Power» – doch echte Relevanz bleibt menschlich. Während KI auf Logik und Mustern basiert, sind Intuition, Emotion und Kreativität weiterhin Domäne des Menschen. Leonhard warnt eindringlich vor einer Welt, in der wir unsere eigenen Fähigkeiten verlernen und uns blind in die Hände intelligenter Systeme begeben: eine «existenzielle Krise» sei programmiert, wenn Maschinen unser Denken übernehmen, aber keinen Sinn verstehen.
Gerade in der Werbung droht laut Leonhard eine «beautiful digital fake shit world» – perfekt personalisierte, aber inhaltsleere Kommunikation. Seine Botschaft: Nicht wie Roboter arbeiten, lernen oder erzählen, sondern Authentizität, Menschlichkeit und Sinn ins Zentrum rücken. KI soll Werkzeug sein, nicht Ersatz. Der Mensch bleibt der wichtigste Faktor – als Architekt der Zukunft, nicht als deren Opfer.

TV und YouTube: Kein Duell, sondern differenziertes Doppel
Gleich danach befasste sich dann die diesjährige Screenforce-Schweiz-Studie mit der Frage «TV und YouTube: Freund und/oder Feind?». Die qualitative Studie im Rahmen von Screenforce 2025 zeigt: YouTube und TV sind keine erbitterten Gegner, sondern zwei Bewegtbildwelten mit klaren Stärken – und wachsender Nähe. Während TV für Glaubwürdigkeit, Qualität und markensichere Umfelder steht, punktet YouTube mit Flexibilität, Targeting-Präzision und Agilität. YouTube wird von Expertinnen und Experten als jüngerer Verwandter des TVs beschrieben – beratungsfreudig, manchmal überdreht, aber ernst zu nehmen. Der Schlüssel liegt nicht im Entweder-oder, sondern im Zusammenspiel: Wer Reichweite, Wirkung und Relevanz intelligent kombinieren will, kommt an einer orchestrierten Bewegtbildstrategie nicht vorbei. Das lineare TV bleibt dabei der Fels in der Brandung – mit Potenzial, von YouTubes Dynamik zu lernen.

Kurz vor der Pause wurde es eng auf der Bühne. Wolfram Kons leitete die Panel-Diskussion zum Thema «Medien im Wandel – Wer informiert uns in Zukunft?» mit Vertreterinnen und Vertretern vom Verband LSA, der AdTech-Firma Utiq, CH Media und SRF.

Midlife High statt Midlife Crisis: Die 50plus-Zielgruppe neu denken
Die zweite Programmhälfte begann Fabian Unteregger mit einem kurzen Ausschnitt aus seinem aktuellen Bühnenprogramm «Fachkräftemangel«. Darauf folgten zwei Vorträge vom Marktforschungsunternehmen Rheingold Salon. In «Marken als letzte Vertrauensanker – Warum Brands gerade jetzt das Verbindende stärker betonen sollten» wurde aufgezeigt, wie Marken die Kraft haben, Veränderung in der Gesellschaft abzumildern oder zu fördern.

Ines Imdahl forderte in ihrem Vortrag ein radikales Umdenken in der Zielgruppenansprache: Die Generation 50 plus ist weder technikfern noch träge – sondern konsumfreudig, qualitätsbewusst und voller Gestaltungsdrang. Dennoch wird sie in der Werbung oft auf Klischees reduziert: grosse Schriften, einfache Botschaften, Treppenlifte. Die Realität, so Imdahl, sieht anders aus. Die über 50-Jährigen fühlen sich «mittendrin», nicht am Rand – sie schöpfen aus einem reichen Erfahrungsschatz und blicken gleichzeitig mit Lust auf Selbstbestimmung, Genuss und neue Impulse nach vorn.
In einer qualitativen Studie mit 42 Teilnehmenden zeigte sich deutlich: Diese Zielgruppe ist nicht etwa markentreu im klassischen Sinn – sondern anspruchsvoll, offen für Neues, selektiv und spontan verführbar. Sie kaufen Bio und Luxus, interessieren sich für E-Bikes, digitale Tools und Special-Interest-Produkte – und nutzen Rabatt-Apps nicht aus Sparnot, sondern aus Cleverness. Werbung, die sie ernst nimmt, nicht belehrt, sondern inspiriert, wird positiv aufgenommen – vorausgesetzt, sie ist hochwertig produziert, relevant und frei von Protektion.

Den krönenden Abschluss bildeten exklusive Behind-the-Scenes-Einblicke in die ESC-Produktion 2025 in Basel.
Das nächste TV-Eventhighlight folgt am 18. September mit der screen-up in der Halle 622 in Zürich. Der nächste Screenforce Day in Zürich findet erneut am 27. Mai 2026 im Kongresshaus statt.

