Schweizer sind beste Agenten
Kino Für Weltklasse-Filmwerbung wurden das Schweizer Büro von UIP (United International Pictures) und Take Two Publicity ausgezeichnet.
Kino Für Weltklasse-Filmwerbung wurden das Schweizer Büro von UIP (United International Pictures) und Take Two Publicity ausgezeichnet.
Er heisst nicht Johnny Depp, sondern Johnny English. Andere Ähnlichkeiten mit nicht lebenden Figuren wie James Bond oder Mr. Bean sind nicht zufällig. Rowan Atkinson als vertrottelter Agent hat im letzten Jahr in den Schweizer Kinos fast 500000 Fans das Zwerchfell erschüttert. Der Film erzielte damit das siebtbeste Einspielergebnis des Jahres. Alles, was über 300000 Kinoeintritte hinausgeht, gilt in der Branche als Traumquote.Für diesen Erfolg ist das Schweizer Büro des Verleihers UIP zusammen mit Take Two Publicity (TTP) in Zürich mit einem Preis für die weltweit beste Vermarktung für den Kinohit aus der britischen Produktionsfirma Working Title ausgezeichnet worden. Als Dank dürfen die Schweizer den im Film verwendeten Aston Martin DB 7 Vantage fahren.
Der 12-Zylinder im Wert von 250000 Franken steht allen vierzehn am Marketing beteiligten Personen von UIP und TTP drei Jahre lang zur Verfügung. Nur das Benzin für den 420 PS starken Flitzer muss selber berappt werden. «Wir werden von allen UIP-Filialen rund um die Welt beneidet», weiss Max Dietiker, Managing Director des Filmverleihers in Zürich. Im weltweiten Newsletter hat der UIP-Präsident aus Hollywood den Schweizern persönlich gratuliert.
Ausgezeichnet wurde die Filmwerbung für «die beste Performance nach messbaren und vergleichbaren Kriterien». Gefragt war dazu sehr viel Kreativität im Marketing, denn die Richtlinien für solche Werbeaktivitäten sind von den Produktionsfirmen sehr eingeschränkt. Diverse Rechtsfragen spielen eine wichtige Rolle, auch das Artwork für Plakate ist einer genauen Kontrolle unterworfen, wie Paul Fischli, Marketing Manager für UIP, erklärt.
Enges Korsett für Werbung
Trotzdem hat es sein Team geschafft, «kreative Lücken zu finden», zumal ihnen auch der Zufall zu Hilfe kam: Der Film wurde in der Schweiz gleichzeitig mit der Skiweltmeisterschaft in St. Moritz lanciert. UIP hat die Chance genutzt und Johnny English in Anzeigen beim Skifahren gezeigt. Ein weiterer glücklicher Zufall war die Sendung «Wetten, dass …» in Luzern. Hier konnte «Mr. Bean» Rowan Atkinson als Wettpate auf dem Sofa von Thomas Gottschalk platziert werden – mit enormer Werbewirkung.
Kinos zum Mitmachen animiert
UIP hat am Weekend des Kinostarts fürs Publikum auch eine Agentenjagd durch Zürich inszeniert. Begleitet von Radio 24, wurde ein «Swiss Agent» gesucht. Mit Blick und Falcon Travel ist ein Wettbewerb lanciert worden, bei welchem die Gewinner von einem Reporter an die offizielle Weltpremiere des Films in London begleitet wurden. Mit passenden Szenen aus dem Film wurden Flyer mit schrägen Agententipps kreiert und an einschlägigen Orten aufgelegt. Diese Sujets wurden auch in Teaserinserate aufgenommen. Die Kinobetreiber wurden motiviert, in ihren Foyers für klamaukige Agentenstimmung zu sorgen. Das Kino mit der einfallsreichsten Dekoration wurde mit einem Nachtessen für das ganze Personal belohnt.
«Solche Aktivitäten gingen über die normale Lancierung eines Films hinaus», meint Gabrielle Jost, die heutige Inhaberin von TTP in Zürich. Diese Agentur für Filmmarketing ist 1985 von Max Dietiker, dem Managing Director von UIP Schweiz, gegründet worden und ist die einzige Fullserviceagentur für Kinofilme. Heute fungiert TTP nach wie vor als Hausagentur von UIP, ist aber auch offen für andere Verleiher.
Mit neuen Cross-Marketing-Ideen wollen TTP und UIP auch bei künftigen Filmen auftreten können. «Im harten Konkurrenzkampf der Unterhaltungsangebote müssen wir auch neue Felder bearbeiten», ist Jost überzeugt. Neben dem klassischen Product Placement sollen vermehrt Schweizer Firmen für ein Engagement in der Verleihphase angegangen werden. Für den kommenden «Bridget Jones: The Edge of Reason» könnte ein Anbieter von Schmuck oder eine Schokoladenmarke für eine Parallelwerbung gewonnen werden. «Wir müssen den Firmen aufzeigen, wie sie vom Erfolg eines Films auch für ihr eigenes Image sowie ihren Bekanntheitsgrad profitieren können», so Paul Fischli von UIP.
Gnadenloser Verdrängungskampf
Potenzielle Kassenschlager starten in der Schweiz mit bis zu 150 Kopien in den Städten und auf dem Lande gleichzeitig. Das bedingt zwar hohe Kopierkosten, dafür können die Werbebudgets viel konzentrierter ausgeschöpft werden. Für einen sorgfältigen Aufbau, wie es früher üblich war, ist für einen Verleiher heute die Zeit viel zu kurz. Das zeigte sich drastisch in diesem Frühling, wo sich die Premieren der Blockbuster «Troy», «Van Helsing», «The Day After Tomorrow» und «Harry Potter» fast im Wochenrhythmus folgten. Für die Verleiher herrscht im Kino ein gnadenloser Verdrängungskampf, denn nicht nur die Zuschauer, auch die spielbaren Säle können in ihrer Anzahl nicht beliebig multipliziert werden.
Umso wichtiger ist die Werbung. In den USA werden für einen grossen Kinoerfolg problemlos 50 Millionen Dollar Marketinggelder locker- gemacht. International sind teure TV-Kampagnen zum neuen Kampftool der Kinowerber geworden. Im kleinen Schweizer Markt sind die Mittel entsprechend kleiner. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist der Aston Martin von Johnny English jetzt zuerst einmal in die kleine, aber ideenfeine Schweiz gekommen.
Fast 500000 Zuschauer: «Johnny English» wurde dank Marketing zum Blockbuster in den Schweizer Kinos.
Dürfen drei Jahre Aston Martin fahren (v. l.): Bea Roduner, Max Dietiker, Gabrielle Jost, Paul Fischli.
Andreas Panzeri
Er heisst nicht Johnny Depp, sondern Johnny English. Andere Ähnlichkeiten mit nicht lebenden Figuren wie James Bond oder Mr. Bean sind nicht zufällig. Rowan Atkinson als vertrottelter Agent hat im letzten Jahr in den Schweizer Kinos fast 500000 Fans das Zwerchfell erschüttert. Der Film erzielte damit das siebtbeste Einspielergebnis des Jahres. Alles, was über 300000 Kinoeintritte hinausgeht, gilt in der Branche als Traumquote.Für diesen Erfolg ist das Schweizer Büro des Verleihers UIP zusammen mit Take Two Publicity (TTP) in Zürich mit einem Preis für die weltweit beste Vermarktung für den Kinohit aus der britischen Produktionsfirma Working Title ausgezeichnet worden. Als Dank dürfen die Schweizer den im Film verwendeten Aston Martin DB 7 Vantage fahren.
Der 12-Zylinder im Wert von 250000 Franken steht allen vierzehn am Marketing beteiligten Personen von UIP und TTP drei Jahre lang zur Verfügung. Nur das Benzin für den 420 PS starken Flitzer muss selber berappt werden. «Wir werden von allen UIP-Filialen rund um die Welt beneidet», weiss Max Dietiker, Managing Director des Filmverleihers in Zürich. Im weltweiten Newsletter hat der UIP-Präsident aus Hollywood den Schweizern persönlich gratuliert.
Ausgezeichnet wurde die Filmwerbung für «die beste Performance nach messbaren und vergleichbaren Kriterien». Gefragt war dazu sehr viel Kreativität im Marketing, denn die Richtlinien für solche Werbeaktivitäten sind von den Produktionsfirmen sehr eingeschränkt. Diverse Rechtsfragen spielen eine wichtige Rolle, auch das Artwork für Plakate ist einer genauen Kontrolle unterworfen, wie Paul Fischli, Marketing Manager für UIP, erklärt.
Enges Korsett für Werbung
Trotzdem hat es sein Team geschafft, «kreative Lücken zu finden», zumal ihnen auch der Zufall zu Hilfe kam: Der Film wurde in der Schweiz gleichzeitig mit der Skiweltmeisterschaft in St. Moritz lanciert. UIP hat die Chance genutzt und Johnny English in Anzeigen beim Skifahren gezeigt. Ein weiterer glücklicher Zufall war die Sendung «Wetten, dass …» in Luzern. Hier konnte «Mr. Bean» Rowan Atkinson als Wettpate auf dem Sofa von Thomas Gottschalk platziert werden – mit enormer Werbewirkung.
Kinos zum Mitmachen animiert
UIP hat am Weekend des Kinostarts fürs Publikum auch eine Agentenjagd durch Zürich inszeniert. Begleitet von Radio 24, wurde ein «Swiss Agent» gesucht. Mit Blick und Falcon Travel ist ein Wettbewerb lanciert worden, bei welchem die Gewinner von einem Reporter an die offizielle Weltpremiere des Films in London begleitet wurden. Mit passenden Szenen aus dem Film wurden Flyer mit schrägen Agententipps kreiert und an einschlägigen Orten aufgelegt. Diese Sujets wurden auch in Teaserinserate aufgenommen. Die Kinobetreiber wurden motiviert, in ihren Foyers für klamaukige Agentenstimmung zu sorgen. Das Kino mit der einfallsreichsten Dekoration wurde mit einem Nachtessen für das ganze Personal belohnt.
«Solche Aktivitäten gingen über die normale Lancierung eines Films hinaus», meint Gabrielle Jost, die heutige Inhaberin von TTP in Zürich. Diese Agentur für Filmmarketing ist 1985 von Max Dietiker, dem Managing Director von UIP Schweiz, gegründet worden und ist die einzige Fullserviceagentur für Kinofilme. Heute fungiert TTP nach wie vor als Hausagentur von UIP, ist aber auch offen für andere Verleiher.
Mit neuen Cross-Marketing-Ideen wollen TTP und UIP auch bei künftigen Filmen auftreten können. «Im harten Konkurrenzkampf der Unterhaltungsangebote müssen wir auch neue Felder bearbeiten», ist Jost überzeugt. Neben dem klassischen Product Placement sollen vermehrt Schweizer Firmen für ein Engagement in der Verleihphase angegangen werden. Für den kommenden «Bridget Jones: The Edge of Reason» könnte ein Anbieter von Schmuck oder eine Schokoladenmarke für eine Parallelwerbung gewonnen werden. «Wir müssen den Firmen aufzeigen, wie sie vom Erfolg eines Films auch für ihr eigenes Image sowie ihren Bekanntheitsgrad profitieren können», so Paul Fischli von UIP.
Gnadenloser Verdrängungskampf
Potenzielle Kassenschlager starten in der Schweiz mit bis zu 150 Kopien in den Städten und auf dem Lande gleichzeitig. Das bedingt zwar hohe Kopierkosten, dafür können die Werbebudgets viel konzentrierter ausgeschöpft werden. Für einen sorgfältigen Aufbau, wie es früher üblich war, ist für einen Verleiher heute die Zeit viel zu kurz. Das zeigte sich drastisch in diesem Frühling, wo sich die Premieren der Blockbuster «Troy», «Van Helsing», «The Day After Tomorrow» und «Harry Potter» fast im Wochenrhythmus folgten. Für die Verleiher herrscht im Kino ein gnadenloser Verdrängungskampf, denn nicht nur die Zuschauer, auch die spielbaren Säle können in ihrer Anzahl nicht beliebig multipliziert werden.
Umso wichtiger ist die Werbung. In den USA werden für einen grossen Kinoerfolg problemlos 50 Millionen Dollar Marketinggelder locker- gemacht. International sind teure TV-Kampagnen zum neuen Kampftool der Kinowerber geworden. Im kleinen Schweizer Markt sind die Mittel entsprechend kleiner. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist der Aston Martin von Johnny English jetzt zuerst einmal in die kleine, aber ideenfeine Schweiz gekommen.
Fast 500000 Zuschauer: «Johnny English» wurde dank Marketing zum Blockbuster in den Schweizer Kinos.
Dürfen drei Jahre Aston Martin fahren (v. l.): Bea Roduner, Max Dietiker, Gabrielle Jost, Paul Fischli.
Andreas Panzeri
