Schweigen ist nicht immer Gold

Social Advertising Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus geht mit einer neuen Wirz-Kampagne in die zweite Runde gegen Diskriminierung.

Social Advertising Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus geht mit einer neuen Wirz-Kampagne in die zweite Runde gegen Diskriminierung. 16 Fälle von verbalem Rassismus, ebenso viele rechtsextreme Aufmärsche und 22 Einbürgerungsverweigerungen: Der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) geht die Arbeit nicht aus. Sie notiert alle rassistisch motivierten Vorfälle in der Schweiz und veröffentlicht sie in einem Jahrbuch. Insgesamt 78 Tatbestände sind im laufenden Jahr bereits erfasst worden. 2002 waren es 118 und im Jahr davor 120. «Die Vorfälle sind vielleicht weniger geworden, aber das entsprechende Gedankengut ist nach wie vor da», ist Susanne Alb, GRA-Geschäftsführerin, überzeugt. Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus würden in unserer Gesellschaft wieder zunehmen.Unter dem Titel Gemeinsam gegen Gewalt hatte die Stiftung Ende 2001 eine von Wirz unentgeltlich konzipierte Kampagne lanciert. Sie wollte die Schweizer Bevölkerung mit schockierenden Bildern aufrütteln und für das Thema Gewalt sensibilisieren.
In Teil zwei des insgesamt auf drei Jahre angelegten Projekts haben die Kreativen die Bildsprache völlig neu interpretiert. Statt auf zerschlagene Gesichter setzt das Wirz-Team um CD Hanspeter Schweizer auf bunte Motive. Neben dem lachenden Gesicht eines Farbigen steht die Frage: «Was macht ein Schwarzer mit seiner Frau über Mittag?» Statt einer denkbar lustigen Antwort steht die nüchterne Auflösung: «Er isst etwas, wie andere Leute auch.»
Für Jugendliche geeignet
Die unerwartete «Pointe» solle dem Betrachter vor Augen führen, dass Rassismus und Antisemitismus im Alltag begännen, so Schweizer. Wie schon vergangenes Jahr will auch
die eben lancierte Kampagne die schweigende Mehrheit erreichen. Schweizer: «Wir richten uns nicht an die Erzähler von Judenwitzen, sondern an diejenigen, die darüber lachen.» Innerhalb dieser Gruppe werden vorwiegend Jugendliche angepeilt, weil bei ihnen noch eine gewisse Bereitschaft vorhanden sei, das eigene Verhalten zu überdenken.
Dass der Auftritt, der Kino- und TV-Spots, Plakate sowie Inserate umfasst, im Schlussspurt zum Wahlkampf um National- und Ständeratssitze startet, ist nicht Teil der Mediastrategie: Diverse Anpassungen hätten die ursprünglich auf Sommer geplante Lancierung in den Herbst verschoben, erklärt Susanne Alb. Unglücklich über den Zeitpunkt ist die Geschäftsführerin aber gar nicht.
Gefördert wird die GRA-Kampagne von APG, Plakanda, Cinecom und dem Verband Schweizer Presse – aber auch vom Eidgenössischen Departement des Innern. Die Fachstelle für Rassismus-Fragen habe dem Projekt spontan einen Beitrag zugesprochen, bestätigt Schweizer.
Nach den Themenkomplexen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus sollen in der dritten Phase die universalen Menschenrechte dramatisiert werden. Eine entsprechende Umsetzung steht aber gemäss Alb noch ganz am Anfang.
Simone Keller

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