Ruf mich nicht an!
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm über nervende iPhonisten.
Wer es zu etwas bringen will, muss immer erreichbar sein. Das gilt für Banker und CEOs, und erst recht für Werber und Journalisten. Nicht auszudenken, wenn man den grossen Deal, das gewichtige Budget oder die Jahrhundertstory verpassen würde. Nur weil das iPhone ausgeschaltet war. Eine repräsentative Umfrage im August letzten Jahres ergab, dass drei Viertel der Berufstätigen auch nach Büroschluss immer für Kollegen, Kunden und den Boss erreichbar sind. 36 Prozent der Befragten lassen sich von Montag bis Freitag jederzeit für berufliche Zwecke anklingeln und anmailen, vier Prozent sogar am Wochenende. Nur für ihre Frau oder ihren Mann sind sie vermutlich nicht immer erreichbar.
Auch Carli Hirschmann, unser aller leuchtendes Vorbild, kann nicht ohne sein Ding: Sein liebstes Objekt sei sein Blackberry, gab er der Bilanz zu Protokoll. Und so hat er seine erste Million schon gemacht, «eine Million Gedanken über Frauen, Liebe, Sex und Leidenschaft». Das ist doch schön. Wirklich: Allen, die sich gerne überall erreichen lassen möchten und sich dadurch gut und erfolgreich fühlen, sei dieses Vergnügen herzlich gegönnt. Mit zwei Ausnahmen: Nicht auf meinem Skilift, und nicht in meiner Bergbeiz: «Grüezi Frau Hürlimann! … was? … Nein, auf der Piste … ja genau, senden Sie die Dokumente an Herrn Merz-Schneider und sagen Sie ihm, ich rufe ihn heute Abend vom Hotel aus an …» Wahrscheinlich weiss Herr Merz-Schneider sowieso schon Bescheid, so laut, wie der stets erreichbare Monsieur neben mir in sein Handy schreit. Hoffentlich bin ich wenigstens Zeugin eines Megadeals geworden. Obwohl sich mir der Verdacht aufdrängt, dass jemand, der seinen Job vom Skilift aus managt, beim Arbeiten nur ans Skifahren denkt.
Zwischen Telefonitis und Telefon-Terror
Schlimmer noch als die ständig Erreichbaren sind die iPhonisten mit Kontaktwahn: Während ich versuche, das Panorama und meinen Fleischkäs’ zu geniessen, wischt, zieht und tippt diese Spezies auf ihrem Gerätchen herum und klingelt schliesslich ihre gesamte Telefonliste durch: «Hoi, wie geht’s? Bin in Lenzerheide … dem Fall: bis dann.» Ich habe schon begriffen: Dieses Gespräch war wirklich wichtig und weit entfernt von akustischer Umweltverschmutzung. Besonders gefährlich: Telefonitis ist ansteckend. Die Dame neben mir scrollt bereits ganz nervös durch ihre Telefonliste und mir ist auch schon ganz schlecht.
Ich gebe gerne zu, dass ein Handy auf der Piste durchaus von Vorteil sein kann. In «Notfällen», falls der beste Kollege nicht beim z Morge aufgetaucht ist, falls man selbst oder die Skigruppe abhanden kommt, und natürlich auch, falls man unter einer Lawine landet. Eine Handyortung kann Leben retten. Aber wenn Tante Käthe, der Boss und die besorgte Nachbarin anrufen – gehen Sie doch einfach mal nicht ran. Sicher sind Ihre Leute auch nicht böse, wenn sie im Unklaren darüber bleiben, ob Sie nun die Schlachtplatte oder die Gulaschsuppe im Magen haben. Ihre Mitesser und Mitlifter werden dankbar sein, genau wie Ihre Nerven.
Während meiner Skiferien haben etwa zehn Leute versucht, mich zu erreichen. Mehrere von ihnen mehrfach. Alle vergebens. Ich habe mich noch nie so gut erholt.
Auch Carli Hirschmann, unser aller leuchtendes Vorbild, kann nicht ohne sein Ding: Sein liebstes Objekt sei sein Blackberry, gab er der Bilanz zu Protokoll. Und so hat er seine erste Million schon gemacht, «eine Million Gedanken über Frauen, Liebe, Sex und Leidenschaft». Das ist doch schön. Wirklich: Allen, die sich gerne überall erreichen lassen möchten und sich dadurch gut und erfolgreich fühlen, sei dieses Vergnügen herzlich gegönnt. Mit zwei Ausnahmen: Nicht auf meinem Skilift, und nicht in meiner Bergbeiz: «Grüezi Frau Hürlimann! … was? … Nein, auf der Piste … ja genau, senden Sie die Dokumente an Herrn Merz-Schneider und sagen Sie ihm, ich rufe ihn heute Abend vom Hotel aus an …» Wahrscheinlich weiss Herr Merz-Schneider sowieso schon Bescheid, so laut, wie der stets erreichbare Monsieur neben mir in sein Handy schreit. Hoffentlich bin ich wenigstens Zeugin eines Megadeals geworden. Obwohl sich mir der Verdacht aufdrängt, dass jemand, der seinen Job vom Skilift aus managt, beim Arbeiten nur ans Skifahren denkt.
Zwischen Telefonitis und Telefon-Terror
Schlimmer noch als die ständig Erreichbaren sind die iPhonisten mit Kontaktwahn: Während ich versuche, das Panorama und meinen Fleischkäs’ zu geniessen, wischt, zieht und tippt diese Spezies auf ihrem Gerätchen herum und klingelt schliesslich ihre gesamte Telefonliste durch: «Hoi, wie geht’s? Bin in Lenzerheide … dem Fall: bis dann.» Ich habe schon begriffen: Dieses Gespräch war wirklich wichtig und weit entfernt von akustischer Umweltverschmutzung. Besonders gefährlich: Telefonitis ist ansteckend. Die Dame neben mir scrollt bereits ganz nervös durch ihre Telefonliste und mir ist auch schon ganz schlecht.
Ich gebe gerne zu, dass ein Handy auf der Piste durchaus von Vorteil sein kann. In «Notfällen», falls der beste Kollege nicht beim z Morge aufgetaucht ist, falls man selbst oder die Skigruppe abhanden kommt, und natürlich auch, falls man unter einer Lawine landet. Eine Handyortung kann Leben retten. Aber wenn Tante Käthe, der Boss und die besorgte Nachbarin anrufen – gehen Sie doch einfach mal nicht ran. Sicher sind Ihre Leute auch nicht böse, wenn sie im Unklaren darüber bleiben, ob Sie nun die Schlachtplatte oder die Gulaschsuppe im Magen haben. Ihre Mitesser und Mitlifter werden dankbar sein, genau wie Ihre Nerven.
Während meiner Skiferien haben etwa zehn Leute versucht, mich zu erreichen. Mehrere von ihnen mehrfach. Alle vergebens. Ich habe mich noch nie so gut erholt.
