Rollen sind verteilt

Gastkommentar Nicht die PubliGroupe, sondern das neue RTVG gefährdet den TV-Markt, meint Christian Gartmann.

Gastkommentar Nicht die PubliGroupe, sondern das neue RTVG gefährdet den TV-Markt, meint Christian Gartmann.Die Überraschung hielt sich in Grenzen, als bekannt wurde, dass PubliGroupe die Cinecom übernimmt. Schliesslich hatte die «P» lange angekündigt, auch im audiovisuellen Markt aktiv zu werden. Mit der Cinecom hat sie einen sehr erfolgreichen Vermarkter übernommen.
Verglichen mit dem gesamten Markt ist Cinecom aber ein kleiner, bunter Fisch. Dennoch hört man nun da und dort wieder Rufe nach der Wettbewerbskommission. Von Medienkonzentration ist die Rede und von Monopol. Nur: Die Weko wirds leider auch nicht richten, das vermurkste Schweizer TV-System.
Wenn die «P» nun auch im TV- und Kinogeschäft mitmischt, dann zeigt das lediglich, dass das Privatfernsehen gut zehn Jahre nach Einführung der Werbefenster, Programmfenster und dem Lokalfernsehen auch hier zu Lande erwachsen wird. Politisch sind die Rollen schon länger verteilt und werden im neuen RTVG weiter zementiert. Vor allem jene der staatstragenden und unablässig jammernden SRG, flankiert von kommerziell ungefährlichen Lokalsendern auf der einen und den «Bösewichten» aus Deutschland und Frankreich mit ihren Werbefenstern auf der anderen Seite.
Dass die «P» jetzt den Vermarkter eines Programm- und Werbefensters übernimmt, ist kein Zufall. Die Fenstersender sind vor rund zehn Jahren gern in die Bresche gesprungen und haben den Schweizer TV-Markt zum Leben erweckt. Umsatzmässig hat die SRG am meisten profitiert. Die «P» nahm sich nun offenbar die Mühe, die nachhaltige Entwicklung der Fenster und deren Investitionen in der Schweiz zu untersuchen und traut den Fenstersendern offensichtlich mehr zu als die politischen Meinungsmacher.
Im Werbemarkt sind die Fenstersender schliesslich akzeptiert für das, was seit Jahren ihre Aufgabe ist: Sie importieren ein Produkt aus dem Ausland, das in der Schweiz niemand produziert.
Wer jetzt anlässlich der Cinecom-Übernahme nach der Weko ruft, verkennt die Realität: Der private TV-Markt ist im Vergleich mit der SRG lächerlich klein. Und niemand schreit «Monopol!», wenn die SRG wieder einmal einen Radiosender eröffnet, um einen Privaten zu erdrücken oder neue Gebühren fordert, um die Preise für Sportrechte so hoch zu halten, dass sie sich kein anderer leisten kann.
Statt wegen der «P» an die Weko sollten wir wegen des RTVG an unsere Bundespolitiker schreiben. Auf dass sie ins neue Gesetz doch noch hineinschreiben, was ursprünglich auf seiner Etikette stand: Liberalisierung des Marktes. Mit weniger Regulierung könnten dereinst auch einmal TV-Angebote entstehen, die das Medium für weitere Investoren zum Thema machen. Diesen Weg kann die Weko nicht ebnen. Das kann nur die Politik mit einem Bekenntnis zu einem echten TV-Markt Schweiz.
> Christian Gartmann ist Geschäftsführer für die Schweiz der ProSiebenSat 1-Gruppe.

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