Rob Holub, «First Swiss Rockstar»: Wenn 100’000 Follower mehr zählen als Talent

Der Berner Musiker und Filmemacher Rob Holub hat mit «First Swiss Rockstar» eine Mockumentary über die Aufmerksamkeitsökonomie gedreht, ohne Förderung, ohne Verleih-Vorschuss, ohne Marketingbudget. Im Video-Podcast «Soltis Studiocast» erklärt er, warum das Follower-Kriterium der Musikbranche inzwischen auch für Filme gilt und weshalb er seinen Film über Keynotes vermarktet.

Eine Plattenfirma in New York sagt einem Schweizer Musiker: Bring 100’000 Follower, dann reden wir über einen Vertrag. So beginnt «First Swiss Rockstar», der Spielfilm, den Rob Holub als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller verantwortet. Die Zahl ist erfunden, das Prinzip nicht. Holub, 46, Master in Medien- und Kommunikationswissenschaften, ehemaliger Videojournalist für SRF, ProSieben und Sat.1, hat es selbst erlebt. 2016 veröffentlichte er das Musikvideo «Contact», gedreht in der Mongolei. Es fand kaum Publikum. «Social Media wurde wichtiger als die Musik», sagt er. «Die Followerzahlen mussten stimmen, die Songs waren nur noch Beigemüse.»

300 Interviews, ein Film, der nicht funktionierte

Aus der Erfahrung wurde ein Rechercheprojekt: rund 300 Interviews auf vier Kontinenten zur Frage, was Social Media mit uns macht. Der daraus entwickelte Dokumentarfilm lag nach vier, fünf Jahren fast fertig vor und funktionierte nicht. Die ernsten Antworten bildeten die Absurdität des Follower-Zwangs nicht ab. Holub schrieb die Geschichte als Satire neu, mit sich selbst als Hauptfigur. Gedreht wurde ab Anfang 2023, Kinostart war am 18. Juni 2026, ab 3. September läuft der Film auf OnePlus von CH Media.

Echte Archivaufnahmen und inszenierte Szenen sind so verwoben, dass ein Teil des Publikums die Verhaftung der Hauptfigur in Zürich für real hielt. Holub findet das passend: «Fake News, Fake alles. Wo ziehst du den Strich?» Die Besetzung folgt derselben Logik. Krokus-Gründer Chris von Rohr steht für das Rockstardom von früher, Kebab-Influencer Steve Merson für die Bekanntheit von heute.

Eine halbe Million ohne Förderung

Rund 500’000 Franken hat die Produktion gekostet, mit Holubs eigener Arbeit gegen 800’000. Das Bundesamt für Kultur förderte nicht, Produktionsfirmen wollten nur von Anfang an einsteigen. «Du bist nicht etabliert, du hast keinen Namen», sagt Holub. Er produzierte selbst, weil es sonst niemand getan hätte. Die Schweizer Festivals nahmen den Film nicht ins Programm; das Zurich Film Festival schrieb ihm: mutig, erfrischend, mal etwas anderes. Die NZZ am Sonntag empfahl ihn Fans von «The Office» und «Spinal Tap».

Das Paradox der Sichtbarkeit

Der Film kritisiert die Follower-Logik und ist ihr ausgeliefert. Festivals und Verleiher schauen auf die Reichweite eines Projekts, bevor sie den Film schauen. Holub hat auf Instagram unter 1000 Follower und null Marketingbudget. Sein Kinostart konkurriert mit TikTok, mit 300 Fernsehprogrammen, mit allem. «Wenn der Zuschauer nicht von First Swiss Rockstar gehört hat, kann er sich nicht einmal dafür entscheiden.»

Mit KI ausrechnen, welcher Content viral geht, welcher Name, welche Inszenierung: Das könnte er, sagt Holub. «Dann bin ich nicht mehr integer. Das ist nicht mein Weg.» Stattdessen ist die Geschichte des Films zum Vortrag geworden. Holub erzählte sie zuerst vor zehn, zwanzig Leuten gratis, dann kamen unbezahlte Breakout-Sessions, dann Buchungen. Heute vermarktet er den Film über Keynotes und ein Buch mit dem Arbeitstitel «Unleash Your Inner Rockstar». Rockstar meint er dabei nicht musikalisch: «Das kann ein Elon Musk sein, das kannst du als Podcaster sein, das kann eine Mutter sein.»

Was er aus zehn Jahren Projekt mitnimmt, klingt in einer Branche, die in Reichweiten rechnet, fast altmodisch. Eine einzelne Rückmeldung, dass der Film bei jemandem etwas ausgelöst hat, wiege mehr als jede Zahl. Und: «Es gibt kein Scheitern. Etwas hat einfach nicht funktioniert. Du nimmst die Learnings und machst es nochmals.»


«Soltis Studiocast» ist der Video-Podcast von Christoph Soltmannowski, produziert im Castalavista Studio in Zürich-Glattpark. Die Folge mit Rob Holub ist auf YouTube und den gängigen Podcast-Plattformen abrufbar. «First Swiss Rockstar», 101 Minuten, ab 3. September auf OnePlus.

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